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Fliegen wie ein Astronaut

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Die Raumfahrt-Endmission steht bevor. Innerhalb von drei Stunden müssen Luisa Renner und Marius Schach mit ihren Teams Goddard und Holderer ein simuliertes Space-Shuttle leiten. Dazu gehört es auch, Aufgaben zu bewältigen, die echte Astronauten wie Alexander Gerst zu lösen haben. Nach zehn Tagen praktischem und theoretischem Training an realistischen Weltraumsimulatoren müssen beide nun zeigen, was sie beim Astronauten-Training im US Space and Rocket Center (Space Camp) in Huntsville, Alabama, gelernt haben.

Andocken

Marius’ Space Shuttle hat ein Leck im Treibstofftank. Über Funk wird mit den Teammitgliedern auf der Erde in Houston kommuniziert. Die schauen in den Ablaufplänen nach dem passenden Lösungsweg und geben ihn den Raumfahrern durch. "Wie ist das Wetter? Können wir landen?", erkundigt sich Marius nach der Wetterlage. "Passt", kommt es von Houston. Der Pilot neben ihm fährt das Landewerk aus. Am Ende ist die Besatzung wieder heil auf der Erde. Luisas Team Goddard hat ebenfalls fast alle Aufgaben erfolgreich gemeistert, doch "beim Andocken an die ISS ist meine Crew gestorben", erinnert sich die 17-Jährige. Dennoch gewinnt ihr Team die Endmission. Am Ende des zehntägigen Astronauten-Trainings sind aber beide Gewinner. Denn Luisa und Marius sind um zahlreiche, wertvolle Erfahrungen reicher.

Jedes Jahr bekommen Schüler aus aller Welt die Möglichkeit, sich für das Space Camp in den USA zu bewerben. 2015 bot das Deutsche Luft- und Raumfahrzentrum (DLR) zwei Schülern des Ganerben-Gymnasiums Künzelsau die Chance. Marius und Luisa ergreifen sie sofort und bewerben sich. "Die Voraussetzungen waren sehr gute Englischkenntnisse und Interesse an Naturwissenschaften", erinnert sich Marius an die Ausschreibung. "Das war eine Riesenchance, Neues kennenzulernen. Außerdem dachte ich mir, dass der Teamfaktor sehr hoch sein wird", erklärt der 18-Jährige.

Luisa reizte die Reise nach Amerika. Sie wollte die Mentalität der Amerikaner kennenlernen, aber auch Genaueres über die Luft- und Raumfahrt erfahren. Wenig später dann die erfreuliche Nachricht: Marius und Luisa nehmen am Space Camp teil – und können hautnah nachvollziehen, was der Künzelsauer Alexander Gerst im All erlebte.

"Beim Mittagessen hat mein Vater die Bombe platzen lassen und gesagt, dass ich dabei bin", erinnert sich Marius an den Moment als er von der Teilnahme erfuhr und lächelt. Zusammen mit Mathelehrer Matthias Stern wurde im Vorfeld alles genau geplant. "Er gab uns Tipps, was wir einpacken sollten." Denn im Sommer sei es in Alabama locker 40 Grad heiß und die Luftfeuchtigkeit sehr hoch.

Mit reichlich luftiger und sportlicher Kleidung im Gepäck ging es nach Alabama. Genauer gesagt nach Huntsville, wo das Space and Rocket Center seinen Sitz hat. Die Unterkunft – das Space Camp – erinnerte an eine Jugendherberge. "Es gab Mehrbettzimmer, Jungs und Mädels schliefen in getrennten Stockwerken. Da waren die ganz streng", erzählt Luisa. Um die zahlreichen Schüler der anderen Nationen kennenzulernen wurde ein Kennenlernabend organisiert, bei dem sich jeder mit einer kleinen Präsentation vorstellte. Anschließend ging es in Gruppen von 15 Personen los.

Marius war im Team Holderer, Luisa Mitglied des Goddard-Teams. Täglich von 8 bis 22 Uhr war nun Programm. "In den Engineering-Classes haben wir die Theorie gelernt", erklärt Luisa. So wurde gezeigt, welche Brennstoffarten es gibt und wie diese verbrennen. "Verinnerlicht wurde das Ganze bei verschiedenen Modellversuchen und Vorführungen", erklärt Marius. Parallel dazu erkundete man zusammen den Campus und schaute sich Ausstellungsstücke der Luft- und Raumfahrt an. Im Space-Shuttle-Simulator wurden dann Probemissionen geübt. Jeder übernahm dabei mal die Pilotenrolle im Cockpit, koordinierte aber auch vom Boden aus.

Wertvoll

Für Freizeit blieb während des Aufenthaltes im Space Camp keine Zeit. Doch das findet Marius überhaupt nicht schlimm, denn "am Ende des Tages war man eh müde". Einzig der Austausch mit seiner Schulkameradin Luisa kam etwas zu kurz, da sie in unterschiedlichen Teams waren.

Über die Space-Camp-Erfahrung freuen sich Luisa und Marius heute noch. Sie hätten viel wertvolle Erfahrungen mitgenommen, auch ihr Englisch habe sich noch einmal verbessert. Zu vielen Teilnehmern aus anderen Ländern halten sie Kontakt. Einzig ans Essen haben beide keine allzu gute Erinnerung. "Das Essen war sehr fettig. Bereits morgens gab es Frikadellen und Rührei", sagt Marius. "Und mittags und abends gab es immer dasselbe", ergänzt Luisa lachend.
 

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