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Große Songs im kleinen Raum

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Der Raum ist gerade mal so groß wie ein Wohnzimmer. Er gehört zum Jugendhaus Obersulm, in dem sich am vergangenen Freitag junge Musiker zur zweiten "Offenen Bühne" treffen. Wie das funktioniert? Wer möchte, tritt spontan aus dem Publikum ans Mikrofon, stimmt vielleicht die Gitarre noch ein letztes Mal. Und dann geht’s los.

Respekt

Die eingeladene Band On the roof aus Heilbronn eröffnet den Abend. An der Wand steht in vielen Sprachen und Farben das Wort "Respekt". Die Musiker beginnen mit einem locker groovenden Lied von Paolo Nutini. Die vier Bandmitglieder im Alter von 19 und 20 Jahren spielen Gitarre, Bass, Trompete und Cajón, und haben Coversongs von Pop bis Progressive Rock, aber auch gemeinsam geschriebene Stücke im Gepäck. Die Zuschauer sind sofort dabei, wippen zum Takt des Songs und unterstützen diesen mit rhythmischem Klatschen. Viel Platz ist nicht in dem Raum, so dass die jungen Leute dicht an dicht auf dem Teppich sitzen. Es wird gemütlich.

Equipment

Zwischen den Auftritten spornen sich im Publikum weitere Musiker per Handzeichen zum Auftritt an. Ein kurzes "Los, spiel doch, du kannst das!" gibt den letzten Ruck für die Zögernden. Das technische Equipment wird gemeinsam aufgebaut und eingerichtet. Eine durch das Stimmen der Gitarre entstandene Pause wird mit spontan erzählten Witzen gefüllt. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre. Die Jugendlichen eint die Leidenschaft für die Musik. Wenn auf der Bühne einmal nicht alles klappt, geben aufmunternde Kommentare aus dem Publikum den nötigen Motivationsschub, um einen Song erneut zu beginnen.

Die Liste der interpretierten Künstler reicht von den Klassikern wie Jimi Hendrix über Bon Jovi und Placebo bis zu aktuellen Sängern wie Hudson Taylor und The Black Keys. Damit beweisen die jungen Musiker, dass Rock’n’Roll keine Frage des Alters ist. Die 19-jährige Lena Hoffmann steht nicht zum ersten Mal mit ihrer Gitarre auf der Bühne, ist aber doch etwas nervös: "Ich bin so unvorbereitet, dass ich’s bereue", sagt sie noch am Anfang ihres Auftritts. Doch schon während der ersten ruhigeren Songs merkt man ihr keine Nervosität an. Nur die Erleichterung am Ende der Stücke ist zu spüren, wenn alles gut über die Bühne gegangen ist. "Es ist schwieriger, vor Leuten zu spielen, die man kennt", sagt sie später.

Maxi Haug, eine der Organisatoren dieses Abends, strahlt über das ganze Gesicht angesichts des erfolgreichen Events. "Es freut mich, dass so viele gekommen sind und auch gespielt haben."

Leidenschaft

Julia Illenseer bringt dies nach ihrem Auftritt auf den Punkt: "Ich fühle mich hier mit meiner Musik verstanden, weil alle die gleiche Leidenschaft teilen." Mit ihren Songs bringen die Jugendlichen auch ein Stück von sich selbst in das Scheinwerferlicht. Und für diesen Mut bekommen sie hier im Wohnzimmer Unterstützung, lauschende Ohren, Applaus und – Respekt.
 

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