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Im Reich der Fusionen

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"Habt ihr heute hart gearbeitet?", ruft Beatboxer Daniel Ferreira Sezinando alias Soulrock und erhält vom Publikum – zu einem Drittel Audianer – ein deutliches "Ja!" zu hören. Also Zeit, sich etwas zu entspannen, meint der Musiker und schlägt einen Strand-Ausflug vor. Wind braust auf, Wasser verebbt im Sand, Möwen kreisen kreischend über Dünen, ein schweres Schiff tuckert vorbei, kleine nervige Hunde kläffen – allein mit Mund und Mikro zaubert Ferreira in Sekunden ein impressionistisches Klangbild, das mit enormer Suggestivkraft das Kino im Kopf in Gang setzt. So schön kann Beatboxen sein.

Schon der Soundcheck von Soulrock beim After-Work meets Sound Experience ist eine vorzügliche Kostprobe rhythmischer Zisch-, Klick- und Platzlaute und macht Eindruck. 250 Besucher, die sich auf der Galerie im ersten Stock, dem sogenannten Audi exclusive Studio versammelt haben, applaudieren spontan.

Mundharmonika

Wer ist dieser Mann, der sich in allen Styles (von Soul, Funk und Jazz bis Pop, Punk und Techno) zu Hause fühlt? Der Mal rappt und rockt, mal wie ein Filmkomponist eine Tonspur raushaut oder virtuos und rein imaginär nichtvorhandene Plattenteller samt Mischpult bedient, wie ein ausgebuffter DJ? Der für ein paar rockige Bluenotes seine Mundharmonika aus der Tasche zieht und damit seinem Künstlernamen Soulrock alle Ehre macht? Der in Deutschland zu den acht Besten seines Fachs zählt und Berliner Vizemeister war, noch bevor er in der Hauptstadt lebte?

Im Hauptberuf Konditor, musikalisch ein Autodidakt, erinnert sich der in Niedersachsen geborene Sohn portugiesischer Einwanderer an die Anfänge: "Das war 1993 eine Hip-Hop-Jam in Heilbronn, wo ich nach der Scheidung meiner Eltern mit meinem Vater lebte. Ich habe mich sofort damit identifiziert, es war ein geiles Gefühl, sich plötzlich selbst zu verwirklichen." Inzwischen ist der wandelnde Drum-Computer ein gefragter Bühnenkünstler und Lehrer für Beatboxen.

Zu den Höhepunkten des Abends gehört die Interpretation von "Seven Nation Army" (The White Stripes), bekannt als Einmarschmusik der Fußball-EM 2008 und derzeitiges Torlied des FC Bayern München, gemeinsam mit Twisted, der ersten Live Mash-Up-Band Europas.

Kombinationen

Das Mischen unterschiedlichster Musiktitel ist in der DJ-Szene üblich. Aus kuriosen, teils kontroversen Paarungen wie Madonnas "Little prayer" mit AC/DCs Rocksong "You shook me all night long" oder Oasis’ "Wonderwall" mit Green Days "Boulevard of broken Dreams" ergeben sich überraschende Kombinationen.

Gegründet 2011 durch den Gitarrist und Bandleader Sven Körner, besteht Twisted aus acht Semiprofessionellen, die im Blitzlichtgewitter nicht nur Song-Hybride aus zwei, drei Titeln produzieren, sondern im Auftakt mit vier Akkorden sagenhafte 52 Titel fusionieren.
 

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