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Integration über Ausbildung und Beruf

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Nur ein grober Überblick über die Paragrafen ist ein abendfüllendes Programm: Wer Flüchtlinge ausbilden oder beschäftigen möchte, muss unzählige Regeln beachten, die nicht nur abhängig sind vom Aufenthaltsstatus. Dennoch ist das Interesse groß: Etwa 80 Firmenvertreter vor allem aus Hohenlohe wollen sich bei der IHK-Veranstaltung in Künzelsau informieren, wie sie Flüchtlingen ausbilden oder legal beschäftigen können. Bislang war schließlich der Fachkräftemangel das große Thema für die Personalabteilungen in vielen Firmen.

Zwei Stunden lang erklären Experten die Rechtslage – und zeigen, wie die neue Lage bestehende Regelwerke überholt hat. "Alte Muster funktionieren nicht mehr", stellt Patrick Mandl von der Schwäbisch Haller Arbeitsagentur fest. "Wir sind mit aller Kreativität gefordert." Denn: Wer in Afghanistan die Gemeinschaftskuh eines Dorfes gehütet habe, hätte eine sehr verantwortungsvolle Position gehabt. "Aber bei uns ist Kuhhirte nicht einmal ein Ausbildungsberuf. Die Frage ist: Was machen wir daraus?"

Knapp zehn Prozent der Flüchtlinge seien Akademiker, gut zehn Prozent Facharbeiter. Aber auch der ausgebildete Bäcker aus dem Land am Hindukisch sei "völlig platt" gewesen, als er den Maschinenpark einer hiesigen Bäckerei gesehen und erfahren habe, dass er nach vorgegeben Rezepten backen soll.

Neue Regeln

"Ich hätte nicht gedacht, dass es so kompliziert wird, die Leute in die Arbeitswelt zu integrieren", sagt IHK-Präsident Harald Unkelbach. "Wir machen uns das Leben selbst schwer mit unseren Vorschriften." Schon das Asylpaket I im September hat die Regeln verschärft, wie und wo Asylbewerber arbeiten dürfen. Das Asylpaket II schafft wieder neue Regeln.

"Es ist eine Frage der Menschlichkeit, dass wir denen, die in Not sind, auch helfen", sagt Unkelbach. Er hoffe, dass es in unserer Region nicht zu Szenen komme wie in Sachsen. "Wir müssen uns bewegen, auch in unseren Denkweisen", fordert Unkelbach. Auch die Wirtschaft dürfe nicht die eigenen Standards voraussetzen – zum Beispiel bei den Regeln zur Ausbildung, an denen die IHK-Organisation ein wichtiges Mitspracherecht hat. "Warum muss eine Ausbildung immer drei Jahre dauern?"

Unkelbach schlägt vor, dass Integrationskurse und Ausbildung kombiniert werden können, so dass die jungen Flüchtlinge schon während des zweijährigen Sprachkurses an die Unternehmen herangeführt werden können. "Wir müssen da flexibler werden." Zumal es Kurse, die das Sprachniveau B2 zum Ziel haben, zumindest nicht flächendeckend gibt – B2 gilt als Voraussetzung für eine Ausbildung.

"Es ist eine große Herausforderung für alle", sagt Unkelbach. "Wir werden viel Geduld brauchen. Aber wer sieht, wo die Flüchtlinge herkommen, der ist bereit, diese Geduld aufzubringen." Für die, die nicht von der Flüchtlingskonvention gedeckt sind, fordert er ein Einwanderungsgesetz, damit ein Asylantrag nicht der einzige Weg ist, überhaupt ins Land zu kommen. "Wir brauchen klare Regeln." Bei Wirtschaftsflüchtlingen müssten wir entscheiden können, wen wir haben wollen und wen nicht. Gleichwohl gibt der IHK-Präsident zu bedenken: "Wer zu verhungern droht, fällt nicht unter die Genfer Konvention."

Lichtblicke

Es gibt aber auch Lichtblicke, betont Patrick Mandl. "Ein paar haben wir schon auf der Schnellfahrspur." Menschen, die sich die Sprache innerhalb kürzester Zeit angeeignet hätten und über Praktika den Weg in Beschäftigung gefunden hätten. "Sprachförderung nur in der Schule reicht nicht", weiß der Experte. Ausbildung werde in den nächsten Jahren immer wichtiger. Weil junge Menschen ähnliche Interessen hätten, fänden Flüchtlinge in der Lehrwerkstatt wichtige Anknüpfungspunkte auch für das Leben außerhalb des Berufs.

 

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