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Mutige Bürger braucht das Land

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Attentate, Anschläge, Amokläufe, Beziehungstaten: "Was gerade um uns herum passiert, macht der Bevölkerung Angst“, weiß Heilbronns Polizeipräsident Hartmut Grasmück. Trotzdem solle jetzt keiner nur noch zu Hause bleiben, sagte er bei der Verleihung des Zivilcouragepreises im Polizeipräsidium an der Karlstraße.

Gefahr

Es sei wichtig, dass die Bürger sicherheitsbewusst sind. Und dass sie der Polizei bei Bedarf Hinweise geben oder selber beherzt eingreifen, "ohne sich damit selber in Gefahr zu begeben“.

Sechs Männer und eine Frau haben dies in den vergangenen Monaten beispielhaft getan. Für ihr couragiertes Verhalten wurden sie von der Jury als Preisträger ausgesucht. Jeder von ihnen bekam am Mittwochabend in einer kleinen Feierstunde 300 Euro, ein dickes Lob und ein noch dickeres Dankeschön. Initiatoren und Geldgeber des Preises sind die Polizei, der Präventionsverein Sicher im Heilbronner Land, die Bürgerstiftung Heilbronn und die Heilbronner Stimme.

Um zwischen Vorgang und Preisverleihung nicht zu viel Zeit verstreichen zu lassen, gibt es ab sofort mindestens zwei Preisverleihungen im Jahr. Denn "Zivilcourage ist etwas ganz, ganz wichtiges“, stellte Chefredakteur Uwe Ralf Heer fest, als er die Vorfälle (wie unten beschrieben) noch einmal in Erinnerung rief. "Unglaublich“ findet Verleger Tilmann Distelbarth, dass Menschen tatenlos zusehen, obwohl jeder einzelne von ihnen helfen könnte. Thomas Schick (Bürgerstiftung) ergänzte: "Zivilcourage heißt Bürgermut. Und den muss im Notfall jeder zeigen.“

Alle Preisträger haben instinktiv gehandelt, ohne lange zu überlegen.  "So bin ich erzogenhandeln und helfen, nicht zuschauen. Nur dann funktioniert eine Gesellschaft“, erklärt Lea Heins.

Unfallflüchtige verfolgt

Anfang Januar hören Dennis Balb (28) und Marvin Muth (20) auf dem Möckmühler Hundesportplatz
Unfallgeräusche. Ein Fahrzeug liegt auf der nahen Kreisstraße auf dem Dach. Vier Männer rennen über die Felder davon. Balb und Muth nehmen zu Fuß und mit dem Auto die Verfolgung auf, geben der Polizei über Handy ihre Standorte durch. Sechs Streifen und ein Polizeihubschrauber sind im Einsatz. Balb, Muth und der Pilot entdecken die Flüchtigen am Waldrand. Kurze Zeit später werden alle vier festgenommen. Grund für die Flucht: Der 20-jährige Fahrer stand unter Alkoholeinfluss

Ladendiebin zu Boden gerissen

Eine 17-Jährige entwendet Anfang Mai aus einem Supermarkt in Neuenstadt Tabakwaren und Getränke im Wert von mehr als hundert Euro. Sie wird von der Filialleiterin angesprochen, flüchtet über den Parkplatz. Ein Polizist, der gerade nicht im Dienst ist, nimmt die Verfolgung auf. Etliche Kunden schauen zu, ohne aktiv zu werden. Lediglich Lea Heins (20) aus Neuenstadt ergreift die Initiative, rennt zwischen den geparkten Fahrzeugen hindurch und reißt die Flüchtende zu Boden. Die inzwischen alarmierte Polizei kann die Ladendiebin festnehmen. Sie wäre wahrscheinlich ohne das Eingreifen der Zeugin entkommen.

Kassendieben nachgelaufen

Drei junge Männer irakischer Abstammung entwenden Ende Januar eine Trinkgeldbox aus einem Restaurant in der Kaiserstraße und flüchten zu Fuß. Mitarbeiter nehmen die Verfolgung auf. Auf dem Marktplatz lassen die Männer die Tasche, in der sich die Box mit einem dreistelligen Geldbetrag befindet, stehen und rennen weiter. Alexandros Voultsidis (16) verfolgt zwei der Männer und verständigt die Polizei. Die beiden 23-Jährigen werden in der Nähe des Hauptbahnhofs festgenommen. In ihrem Rucksack finden die Beamten einen dreistelligen Münzgeldbetrag, der vermutlich aus weiteren Diebstählen stammt.

Haus brennt, Kind gerettet

Nachbarn und Insassen eines vorbeifahrenden Autos bemerken Ende April, dass es im Dachgeschoss eines Wohnhauses in Wüstenrot-Neuhütten brennt. Nach erfolglosen Löschversuchen hören Markus Feil (45) und Marco Distler (17) die Hilferufe einer Frau aus dem zweiten Stock. Mit einer Leiter erklimmen die beiden Wüstenroter einen Balkon im ersten Stock, über eine zweite Leiter von dort das Dachgeschoss. Aus dem Fenster reicht die um Hilfe rufende Bewohnerin den beherzten Männern ihren einjährigen Sohn. Die bringen ihn in Sicherheit. Die Mutter wird von der Feuerwehr per Drehleiter gerettet.

Gefangenen eingefangen

Ein Kripobeamter erkennt im Mai einen aus dem Heilbronner Gefängnis geflüchteten Strafgefangenen mitten in der Stadt. Der Mann rennt wegversteckt sich in einer Etagengarage. Passanten zeigen dem Kripobeamten das Versteck. Eine größere Menschenmenge verfolgt das Geschehen, doch keiner reagiert auf die Bitte, per Polizeinotruf Verstärkung zu rufen. Nur Michael Löfflath (50) aus Heilbronn greift ein, hilft dem Beamten, den sehr kräftigen und als gewalttätig und psychisch labil bekannten Mann festzunehmen und zu fixieren. Ohne Löfflaths Unterstützung wäre die Festnahme für einen einzelnen Beamten gefährlich gewesen.

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