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Albertopolis. Der Staat der Zukunft. Im Juli wird er vier Tage lang seine Blüte erleben. Wenn sich Schüler, Lehrer und Angestellte des Bad Friedrichshaller Friedrich-von-Alberti-Gymnasiums (FvAG) in Politiker, Richter, Polizisten, Unternehmer oder Händler verwandeln. Ihre Stände aufbauen, Waren feil bieten, Geld verdienen, Steuern zahlen und Recht sprechen. Das Projekt ist ehrgeizig. Auf dem Weg zur Hochzeit dieses fiktiven Staates gibt es viel zu tun. "Wir arbeiten seit September 2014 an diesem Projekt", sagt Lea Riexinger aus der Klasse 10b, die seit gut einer Woche Kultusministerin ist. Parlament und Regierung sind gewählt. Getagt wird alle zwei Wochen. Und ein Staatsoberhaupt gibt es ebenfalls schon.

Förderung

Schule als Zukunftsstaat oder neues Lernen 4.0 – das Projekt des Friedrichshaller Gymnasiums geht über herkömmliche Aktionen hinaus, in denen landauf, landab "der Staat" in Schulen simuliert wird. Es geht um Werte. Um Qualifikation. Und darum, Talente zu erkennen und zu fördern. Jeder Schüler wird Bürger. Muss sich beteiligen an den voraussichtlich rund 40 Unternehmen, die im Idealfall Profit abwerfen, der sich am Ende in barer Münze auszahlt. Oder einen Beruf ergreifen. Lehrer sind mit im Boot. Auch alle Angestellten des FvAG. So hat Albertopolis mehr als 800 Staatsbürger.

Damit sie mit dem nötigen Rüstzeug den Besucherstrom im Juli erfolgreich bewältigen können, kommen vom 18. bis 29. April Experten von außerhalb an die Schulen – unter anderem Professoren – um die Schüler in den verschiedensten Bereichen zu coachen, sagt Jennifer Gossen aus der Klasse 11d, die vor rund einer Woche zur Kommunikationsministerin gewählt wurde. Immerhin erwartet die Regierung während der vier Tage im Juli bis zu 2000 Besucher. Die Parlamentarier selbst waren auf Einladung des SPD-Abgeordneten Josip Juratovic bereits vier Tage in Berlin, um im Bundestag an der großen Politik zu schnuppern. "Im Mai wird es noch einmal Aufbauworkshops geben, um das Gelernte zu vertiefen", sagt Lea Riexinger.

Steuern

Das Projekt Schule als Zukunftsstaat soll aber noch mehr erreichen. "Wir wollen Werte vermitteln", sagt Karim Haikal aus der Klasse 11a, der sozusagen als "externer Berater" der Regierung für Sponsoring und Finanzen zuständig ist. Ganz oben stehe der Begriff "Nachhaltigkeit". "Wir wollen Fair-Trade-Schule werden", sagt Jennifer Gossen. Deshalb feile man an einem Steuersystem, das Unternehmen begünstigt, die umweltfreundlich wirtschaften. Es wird einen Gesundheitstag geben. "Wichtig ist die Bürgerbeteiligung", sagt Karim Haikal. Es gibt Nachrichten- und Erklärvideos. Die Nachrichtensprecher sind aus Klassenstufe sieben.

Zu den Werten, die das Projekt vermitteln soll, gehört außerdem der Begriff "Fairness". "Jeder Mensch sollte so wahrgenommen und geschätzt werden, wie er ist", betont Jennifer Gossen. Geplant ist unter anderem ein Fußballturnier mit Flüchtlingen. Flüchtlinge spielen auch beim Wertebegriff "Solidarität" eine Rolle. Angedacht ist ein Theaterstück, das sich mit dem Thema beschäftigt. Weitere Werte sind "Anders-sein" und "Talentismus", die auch ineinander übergehen. Solidarität und Gemeinwohl gehören auch dazu.

Ganz im Sinne der eigenen Werte sollen Strukturen aus Albertopolis die vier Tage im Juli überdauern. "Wir wollen die Ideen weiterführen, wenn auch im kleineren Rahmen", sagt Karim Haikal. Viele aus Parlament und Regierung machen im nächsten Jahr ihr Abitur und verlassen die Schule. "Wir werden deswegen versuchen, Projektideen an die SMV zu übergeben", so Haikal.
 

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