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Zweikampf um die Inselspitze

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Am Sonntag war die Finissage. Mit der Gedächtnisausstellung "Offene Augen“ nahmen Künstler, Freunde und die Familie Abschied von Manfred Rieker. Der am 4. Dezember 2015 gestorbene Galerist hatte über 20 Jahre hinweg die Ausstellungsräume unter der Heilbronner Friedrich-Ebert-Brücke bespielt, inklusive Inselspitze. Wie es dort weitergeht, ist nach wie vor offen. Es zeichnet sich aber ein spannender Zweikampf ab.

Nach einer Ausschreibung hatten bis Ende Dezember drei Interessenten angeklopft, ein vierter, die Buga GmbH, kam im Januar hinzu. Seitdem ist eine teils kontroverse Debatte über die künftige Nutzung in Gang gekommen: Es geht um 313 Quadratmeter drinnen und rund 500 draußen – in Top-Lage am Fluss.

Stadtentwicklung

Eine rein gastronomische Nutzung scheidet aus. Einheimische Gastronomen, die anonym bleiben wollen, bekamen bereits eine Absage. Die Ruder in der Hand haben nun zunächst Buga GmbH und Baudezernat. Laut Oberbürgermeister Harry Mergel sollen sie bis April ein Konzept für eine umfassende Plattform der Stadtentwicklung entwickeln, inklusive Buga-Schaufenster. Im Idealfall sollte auch ein Trio ins Boot genommen werden, dem unter dem Titel "Projekt Galerie Inselspitze" ein Knotenpunkt für die freie Kunstszene vorschwebt und darüberhinaus ein länderübergreifender Wissens- und Kulturaustausch. Doch nach einigen Vorgesprächen spricht vieles dafür, dass die Buga und das Trio auf keinen gemeinsamen Nenner kommen, so dass der Gemeinderat die Wahl unter zwei konkurrierenden Projekten hat. Die Entscheidung dürfte noch im Frühjahr fallen.

Kulturaustausch

 
Der gut vernetzte Sprecher des Trios, Philipp Kionka, wirbt fleißig für sein im Januar in der Stimme vorgestelltes und leicht modifiziertes Projekt: per Unterschriftenaktion, in Ratsfraktionen und in E-Mails, in denen er nicht mit Seitenhieben gegen Rathaus und Buga-Chef spart – und so auch bei Facebook-Freunden punktet. Kern seiner Kritik: Die Buga habe die Insel erst nach Bewerbungsschluss entdeckt, sich seiner Ideen bedient und plane im Grunde nur eine "Selbstbeweihräucherungsplattform".
 
Gleichzeitig verwahrt er sich davor, als "Künstler-Trio" oder "Künschdler" bezeichnet zu werden, das sei despektierlich, man sei Unternehmer, promovierter Kunstagent und akademische Künstlerin. Außerdem soll das Netzwerk auch Wirtschaft und Technik umfassen. Derzeit feile man an einer "Imagebroschüre" als Entscheidungsvorlage für den Gemeinderat. Inzwischen kann sich Kionka auch vorstellen, nur einen Teil der Fläche zu nutzen, unbedingt aber separat.
 
Von einer "Shop-in-Shop-Lösung" hält Faas nichts. "Das wird nie funktionieren." Dass es zu der "Konfliktkonstellation" gekommen ist, bedauere er. Späte Bewerbungen seien bei Mietfragen grundsätzlich kein Ausschlussgrund. Von "Ideenklau" könne nicht die Rede sein. Die Präsentation der Stadtentwicklung werde schon lange angestrebt. "Nur der Standort war offen." Mit dem Begriff "Selbstbeweihräucherung" hat Faas kein Problem: "sofern er sich auf die Stadtentwicklung bezieht, auf die wir stolz sein können, die wir aber auch angemessen nach außen kommunizieren müssen". Faas meint damit Großprojekte wie Experimenta, Bildungscampus I, II, III, Zukunftspark Wohlgelegen und nicht zuletzt den Neckarbogen.
 
Auf der Inselspitze greifbar werde Neu-Heilbronn in einem 3,50 auf vier Meter großen Stadtmodell, das auch digital abrufbar ist, aber auch bei themenbezogene Veranstaltungen: von Vorträgen über Workshops bis zu Kulturbeiträgen. Hier strebe man Kooperationen mit vielen Akteuren an – von Architekten über Künstler bis zum benachbarten Inselhotel: wegen Anlieferung, Barrierefreiheit und Catering. Aufgrund Infrastruktur und Ausstattung sei die Inselspitze nicht leicht zu bespielen, räumt Faas ein. Zumindest außerhalb der Wintermonate soll sie aber "ein lebendiger Ort werden, zum Reden, Informieren, Diskutieren – aber auch zum Entspannen.“
 

Info

Reizvoller Flecken
 
Die Inselspitze isteiner der reizvollsten Flecken der Heilbronner Innenstadt. Neben der knapp fünf Ar großen Freifläche mit zwei, drei Stufen zum Altneckar wurde 1996 beim 19 Millionen Mark teuren Neubau unter der Friedrich-Ebert-Brücke ein verglaster, 313 Quadratmeter großer Raum eingerichtet. Die Stadt vermietete ihn bisher im Fünf-Jahres-Rhythmus an die Galerie Rieker. Nun wird ein Nachmieter gesucht. Die Entscheidung liegt in Händen der Stadträte. kra
 
 
 

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