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Spielend die Sprache vermitteln

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Kinder und Jugendliche zwischen einem und 13 Jahren nutzen das regelmäßige Angebot im Weinsberger Jugendhaus. Ihre Eltern sind auch dabei und schauen zu.

Die Kinder sind nicht immer in ihrer Unterkunft, und wir zeigen ihnen, dass sie hier willkommen sind." So haben sieben Schülerinnen des Justinus-Kerner-Gymnasiums (JKG) Weinsberg gemeinsam formuliert, warum sie in ihrer Freizeit ein Spielangebot für Flüchtlingskinder machen. Das Projekt der Zwölf- und 13-Jährigen hat inzwischen sogar 1000 Euro Förderung von der Kinderhilfsorganisation "Jugend hilft, Children for a better World" erhalten − und zieht vielleicht noch weitere Kreise.

Wörter und Sätze

Die Idee wurde Ende vergangenen Jahres geboren: Die Gymnasiastinnen wandten sich mit dem Wunsch an Schulsozialarbeiterin Lena Freyer, etwas für die damals erwarteten Flüchtlinge zu unternehmen. Zeitgleich stellte Svenja Regulski vom Kinder- und Jugendreferat des Gemeindeverwaltungsverbands ähnliche Überlegungen an, und gemeinsam mit dem Freundeskreis Asyl entstand schließlich die Idee, im Jugendhaus freitags von 14 bis 16 Uhr ein Spielangebot für Kinder und Jugendliche zu machen. Das, so empfanden es die JKG-Schülerinnen, würde die Kinder nicht nur aus der tristen Umgebung ihrer Unterkunft führen, sondern sozusagen nebenher die Möglichkeit eröffnen, spielend Deutsch zu lernen: Zahlen beim Würfeln, Farben beim Ziehen der Figuren, Wörter und Sätze beim Besprechen des Spielverlaufs. Davon bekommen im besten Fall auch die Mütter und Väter etwas mit, die ihre Kinder ins Jugendhaus begleiten.

Die pädagogische Fachaufsicht haben abwechselnd die Schulsozialarbeiterin oder die Jugendreferentin. "Wir können im Notfall sofort eingreifen", berichtet Svenja Regulski. "Aber wir lassen die Mädchen erst mal machen." Die sind mit Feuereifer bei der Sache und opfern regelmäßig ihre Freizeit für das soziale Projekt. "Man erkennt die Empathie der Schülerinnen", sagt Svenja Regulski, die überzeugt ist: "Das wird sie auch prägen." Denn es geht nicht ausschließlich ums gemeinsame Spiel, sondern um mehr: Die Treffen müssen vor- und nachbereitet werden. In der Reflexionsstunde geht es darum, was gut gelaufen ist, was schlecht war oder was verbessert werden könnte. "Wir wollen die Mädchen auch darin bestärken, dass sie Betreuerinnen sind", erklärt Regulski. Als solche müssen die Zwölf- und 13-Jährigen beispielsweise auch mal lernen, Nein zu sagen. Zur Unterstützung erhalten sie in nächster Zeit eigens eine eintägige Schulung.

Zuschuss

Die Ideen, was man gemeinsam unternehmen könnte, gehen den Mädchen nicht aus. Gemeinsam kochen, ein Besuch in der Stuttgarter Wilhelma, Kinderbücher zum Deutschlernen anschaffen... Solche Sachen wären toll. Aber − die kosten leider Geld.

Da war es ein glücklicher Umstand, dass die Weinsberger Jugendreferentin auf den Kinderhilfsverein "Children for a better World" stieß. Die Gymnasiastinnen formulierten einen Antrag an diese Organisation, und prompt kamen von dort 1000 Euro Zuschuss. Und nicht nur das: Das Weinsberger Projekt nimmt auch an einem Wettbewerb von "Jugend hilft" teil; als Preis winkt eine Reise nach Berlin.

Dass ihr Spielangebot etwas bewirkt, bemerken die Gymnasiastinnen Woche für Woche mehr. "Die Mädchen erfahren eine Anerkennung ihrer Arbeit", findet Svenja Rekulski. Davon hätten alle etwas: "Die Mädchen sehen, sie können etwas bewirken. Und die Kinder haben auch etwas davon." Denn die Flüchtlingskinder zwischen einem und 13 Jahren haben inzwischen Zutrauen zu den Weinsberger Mädchen gefasst, freuen sich auf die regelmäßigen Treffen im Jugendhaus. Das erfüllt nicht nur Schulsozialarbeiterin Lena Freyer mit Stolz, sondern auch die Eltern der Schülerinnen. Die positiven Reaktionen auf das seit Januar bestehende Spieleangebot der Weinsbergerinnen ziehen Kreise. Inzwischen haben weitere Mädchen Interesse gezeigt, mitzumachen. "Wir überlegen, ob wir das ausbauen können", sagt Svenja Regulski. Das hänge aber unter anderem davon ab, wo die Flüchtlinge schließlich hinziehen werden.

 

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