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Der Kampf ums Wollhaus

Übersicht

Strabag Real Estate, Immobilientochter des Kölner Baukonzerns, und der Projektentwickler ECE, von Versandhauspionier Werner Otto 1965 gegründet, planen den Abriss des Wollhauses und den Neubau eines Shoppincenters. 22 000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche auf drei Etagen mit Schwerpunkt Mode sind geplant, dazu Unterhaltungselektronik, Lebensmittel, Sportartikel und Gastronomie. Der Neubau soll in Form einer Shoppingmall arbeiten mit inneren Marktplätzen und Ladenzeilen. Investiert werden soll eine dreistellige Millionensumme. In den oberen Etagen sind Wohnungen und Büros projektiert. Die Firmen planen 2018 den Abriss, bis 2020 den Neubau.

Strabag und ECE arbeiten bereits bei anderen Einkaufszentren zusammen – etwa dem Aquis Plaza in Aachen, dem Forum Mittelrhein in der letzten Buga-Stadt Koblenz. Für ihr gemeinsames Projekt Milaneo in Stuttgart haben sie jüngst einen internationalen Immobilienpreis erhalten für ein "ökologisch, sozial und wirtschaftlich besonders nachhaltiges Shoppingcenter“.

Verträge

ECE managt 196 Einkaufszentren mit 7,2 Millionen Quadratmetern Verkaufsfläche und 23 Milliarden Euro Einzelhandelsumsatz. Dazu gehören auch das Breuningerland Ludwigsburg und die Stadtgalerie Heilbronn. Von der soll sich das neue Wollhaus durch großflächige Geschäfte abheben. Außerdem verspricht ECE Modegeschäfte, die es bisher in Heilbronn nicht gibt. Strabag Real Estate hat bisher 450 Projekte mit einem Volumen von sechs Milliarden Euro verwirklicht und dabei unter anderem für Handelsgeschäfte 370 000 Quadratmeter Fläche geschaffen.

Im Wollhaus hat Strabag mit zehn der zwölf Eigentümer Kaufverträge. Die Haupteigner der Handelsflächen aber haben nicht unterschrieben, treten mit einem eigenen Konzept an.  Strabag und ECE haben seit 2012 eine Entwicklungsvereinbarung mit der Stadt, die Abriss und Neubau Priorität einräumt. Das ermöglichte die Kaufverhandlungen mit den Teil-Eigentümern.

Die Acrest Property Group Berlin betreut 825 Einzelhandelsobjekte mit 4,6 Millionen Quadratmetern Handelsflächen, entwickelt Shoppingcenter, etwa die Staufengalerie Göppingen.

Für das Wollhaus hat sie für Lisker, Lisker & Weiss und den Dänen Tommy Paulsen Pläne für eine Sanierung und Neuordnung entwickelt. Lisker ist eine Frankfurter Immobiliengesellschaft, der seit Jahrzehnten große Teile der Ladenstraße gehören, der Rechtsanwalt Paulsen ist Geschäftsführer der Firma K/S Heilbronn, Tyskland, die vor zehn Jahren die 10 000 Quadratmeter kaufte, in denen bis Februar 2016 eine Galeria-Kaufhof-Filiale war.

Projektentwickler Acrest möchte die Einzelhandelsgeschäfte des bestehenden Wollhauses entkernen. Auf bis zu 20 7000 Quadratmetern Verkaufsfläche sollen bis zu zehn Großflächenmieter (Mode, Lebensmittel, Sportartikel) unterkommen und etwa zehn kleinere Ladengeschäfte. Die Geschäfte sollen Einzelzugänge haben – von der Fleiner Straße her, von der Straße Am Wollhaus und vom Busbahnhof aus. Die innere Erschließung soll umstrukturiert werden, die Ladenpassage ohne Tageslicht soll verschwinden. Die Fassade soll neu gestaltet werden.

Vermietung

Acrest nennt als Investition 27 Millionen Euro und als Bauzeit zwei Jahre. Dem Turm des Wollhauszentrums, der seit Jahren mit einem Sicherungsgerüst umgeben ist (hinter dem entgegen der Meinung vieler Passanten keine Bau- oder Sanierungsarbeiten laufen), wolle man eine neue Fassade verpassen und als Ärztehaus erhalten. Das Problem: Acrest kann über den Turm nicht verfügen – Konkurrent Strabag hat inzwischen diese Flächen aufgekauft.

Lisker, Paulsen und die Bank DG Hyp haben gegen die Sanierungssatzung der Stadt vom Dezember 2014 eine Normenkontrollklage eingereicht. Die Satzung schreibt bei Vermietungen mit mehr als einem Jahr Laufzeit das Ja der Stadt vor. Die dänischen Investoren drohen mit Leerstand, derzeit laufen aber Vorbereitungen für eine Vermietung.

Meinungen aus dem Handel

Stadtinitiative-Chef Thomas Gauß (Sporthaus Saemann) sieht in der "kompletten Neuentwicklung“ die beste Lösung, "Leerstände und ein verrottendes Wollhaus“ seien die schlechteste. Er fürchtet juristische Querelen: Je länger die Situation andauere, "umso schlechter wird es für den Handel“. Alle Beteiligten schnell an einen Tisch zu bringen, sei die "vordringlichste Aufgabe“. Eva Schnepf vom Wollhaus-Nachbarn Seel sagt: "Die Baustelle würde uns weh tun, aber ich sehne sie herbei.“ Das Wollhaus sei zur 2-B-Lage geworden, mit dem Neubau könnte sie "wieder 1-A-Lage werden“. Wolfgang Palm (Modehaus Palm) sieht Kubatur und Statik des 1975 eingeweihten Wollhauses ungeeignet für "ein Haus aus dem 21. Jahrhundert“. Für eine "nachhaltige Verbesserung“ hielte er, wenn mit den Strabag-Plänen der Neubau nahe an die Allee rücke. Das mache diesen Handelsstandort der Stadt attraktiver und sorge für mehr Frequenz.

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