Stimmt.de

Titelseite.indd
Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Mordprozess für grausame Tat

zurück zur Übersicht

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und Zugangskontrollen startete vergangenen Donnerstag ein Mordprozess vor dem Heilbronner Landgericht. Angeklagt ist ein 41-jähriger Türke. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft vor, seine Ehefrau (39) aus verletztem Ehrgefühl am 2. Oktober 2015 in Heilbronn erstochen zu haben, weil sie sich von ihm scheiden lassen wollte. Das Verbrechen habe der Angeklagte vorher mehrfach angedroht und dabei auch angekündigt, seine vier Kinder töten zu wollen, falls die Ehefrau nicht zu ihm zurückkehre. Eine Rolle beim Mordmotiv spielt offenbar auch die geplante Hochzeit des ältesten Sohns, die eigentlich einen Tag nach der Bluttat stattfinden sollte. Laut Staatsanwaltschaft wollte der Familienvater verhindern, dass er bei der Feier dem Scheitern seiner Ehe öffentlich ausgesetzt ist. 

Flucht

Darum habe er seiner seit gut einem Jahr von ihm getrennt lebenden Ehefrau vor deren Wohnung in der Heilbronner Weststraße gegen 4.40 Uhr aufgelauert. Als die 39-Jährige zur Arbeit gehen wollte, habe der Ehemann unvermittelt mit einem Messer 15 Mal in Hals, Brust und Bauch gestochen. Dann trat der Mann die Flucht an. Offenbar wollte er sich in Richtung Türkei absetzen, wurde aber drei Tage später an der ungarisch-rumänischen Grenze festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. 

Drei Kinder, zwei Töchter und der älteste Sohn, saßen gestern mit ihren Anwälten als Nebenkläger gegen ihre Vater im Gerichtssaal. Als der 41-Jährige von zwei Wachtmeistern zur Anklagebank gebracht wurde, warfen die Töchter dem Vater Beschimpfungen zu, die ein Verteidiger auf Intervention des Vorsitzenden Richters Roland Kleinschroth so übersetzte: "Du Ehrenloser, deine Kraft reicht nur für Frauen.

Mit Kopfschütteln kommentierten die Geschwister die Version der Tat, die ihr Vater von seinem Rechtsanwalt Andreas Baier verlesen ließ. Die Anklage sei falsch, hieß es darin. Es handele sich um ein tragisches Geschehen, keinen heimtückischen Mord. Der 41-Jährige habe niemanden töten wollen, hatte auch kein Messer dabei, als er seine Frau vor deren Wohnung abpasste, sondern die Hoffnung, sie wieder auf seine Seite zu ziehen. Die Ehefrau habe hysterisch geschrien, habe plötzlich ein Messer in der Hand gehalten, das er ihr wegnahm. Dann soll die 39-Jährige ihm CS-Gas ins Gesicht gesprüht haben, beide seien gestolpert, gingen zu Boden. "Dann stach ich wahllos ein, ich hatte meine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle.“ Der Ehemann habe zwar vorher oft gesagt, er wolle seine Frau töten. "Aber das hatte nie die Bedeutung.“ Er sei in der Beziehung "extrem cholerisch und aggressiv gewesen“. Doch sie habe ein doppeltes Spiel gespielt. "Den Kindern gegenüber sprach sie von Trennung, doch wir trafen uns heimlich und führten unsere Beziehung fort.“

Ausgerastet

Ganz anders schilderte der Sohn das Familienleben: "Wir haben alle Schläge bekommen, meine Mutter und die Geschwister.“ Sein Vater sei sehr konservativ gewesen – "nach türkischem Recht“. Er sei schnell handgreiflich geworden, wollte zeigen, dass er das Familienoberhaupt ist, dass zählt, was er sagt. Seine Mutter habe sich von ihm trennen wollen, weil er sie betrogen habe. Doch er weigerte sich, "ist komplett ausgerastet“, musste von der Polizei aus der Wohnung geholt werden. Danach habe der Vater seiner Ehefrau nachgestellt, sie in der Arbeitsstelle aufgesucht und gedroht, sie umzubringen. "Meine Mutter hatte Angst vor ihm.“ 

Anzeigen, Urteil

Die Justizbehörden waren schon länger in die Trennung eingebunden. Immer wieder hatte die Frau ihren Ehemann wegen Attacken, Drohungen angezeigt. Immer wieder zog sie ihre Anzeigen zurück. 2011 verhängte derselbe Richter Roland Kleinschroth, vor dem der Angeklagte heute wieder sitzt, eine Haftstrafe , weil dieser seine Frau geschlagen hatte: Die letzten Worte des 41-Jährigen vor dem Urteil waren damals: "Es tut mir leid, es wird nie wieder vorkommen.“

Galerien

Regionale Events

Digitale Azubimesse

Mehr als 50 Unternehmen stellen von 14. bis 20. Februar 2022 ihr Aus- und Weiterbildungsangebot digital vor.

Neuer Impfpunkt

Die Stadt Heilbronn ergänzt ihr Impfangebot um die Harmonie.