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Wenn Kaffee mitnehmen, dann richtig

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Einen Kaffee in Ruhe im Sitzen aus einer traditionellen Tasse zu genießen, das ist sicher die beste Variante – findet der Klimaschutzbeauftragte des Landreises Heilbronn, Michael Groß: "Kaffee ist ein hochwertiges Produkt, das viel zu schade ist, um einfach im Laufen heruntergekippt zu werden.“ Wenn die Menschen sich diese Zeit nicht nehmen, dann, so Groß, sollten sie wenigstens die zweitbeste Variante wählen: den Porzellanbecher.

In Talheim fiel gestern der Startschuss für ein Kooperationsprojekt von Landkreis und mehreren Bäckereien, die dieser Idee etwas abgewinnen können. 2000 Porzellanbecher mit dem neuen Landkreis-Logo sollen unter die Menschen gebracht werden. Und natürlich kann man auch jeden anderen Becher nehmen, um ihn an der Verkaufsstelle auffüllen zu lassen. Der entscheidende Punkt ist nämlich, die drittbeste – sprich die schlechteste – Variante zu vermeiden: Einen Pappbecher befüllen zu lassen, der dann nach kürzester Zeit im Müll landet. Bricht man die Statistik herunter, werden pro Tag im Landkreis 30 000 solcher Coffee-to-go-Becher entsorgt, weiß Groß.

Zehn Cent für die Umwelt

Die schiere Zahl der Becher hat unter anderem Susanne Breuer vom Abfallwirtschaftsbetrieb im Landratsamt auf die Idee gebracht, hier gegenzusteuern. Mit ihrem Chef Norbert Raatz und Michael Groß machte sie sich auf die Suche nach einem Ansatzpunkt. Das Trio wurde in Heidelberg fündig. Dort hatte die Klimaschutz-Plus-Stiftung und die Klimaschutz- und Beratungsagentur Kliba bereits ein Konzept erarbeitet. Die Idee: Wer wirklich einen Einweg-Becher nutzen möchte, soll dafür auch einen Umweltbeitrag von zehn Cent mitbezahlen. Die Bäckereien haben sich bereiterklärt, diesen Aufschlag getrennt auszuweisen und in voller Höhe an einen Landkreis-Bürgerfonds zu überweisen. Das Geld kommt dann in voller Höhe Klimaschutzprojekten zugute – ein kleiner Teil auch sonstigen gemeinnützigen lokalen Projekten.

Rechnet man die täglich weggeworfenen Becher hoch und multipliziert die Zahl mit den zehn Cent, kommt man innerhalb von Monaten auf einen sechsstelligen Betrag. Viel Geld, mit dem auch viel Gutes angestoßen werden kann. Doch darauf ist der Energiebeauftragte Groß gar nicht scharf. "Es soll damit kein Ablasshandel betrieben werden. Die Menschen sollen verstehen, dass es eigentlich darum geht, die Plastik- und Pappbecher gar nicht mehr zu verwenden.“ Wenn das nicht geht, dann sollten sie so fair sein und die Kosten, die der Becher für die Allgemeinheit verursacht, übernehmen

Erfolgsversprechende Idee

Dass dieses Climate-Fair-to-go-Konzept aufgehen kann, hat sich in kleinerem Maßstab bereits in Heidelberg und Konstanz gezeigt. "In der Konstanzer Mensa haben sich viele Studenten plötzlich hingesetzt zum Kaffeetrinken“, erzählt Groß. Der Landkreis Heilbronn ist nun der erste große Partner mit acht großen und kleinen Bäckereien, die mitmachen. An Dutzenden Verkaufsstellen werden künftig Climate-Fair-to-go-Plakate auf die Teilnahme hinweisen. Zum Beispiel auch in der Genussmeisterei von Corina Stoll in Talheim. Sie ist guter Dinge, dass die Kundschaft die Idee versteht. "Man muss es eben gut rüberbringen.“ Da die zehn Cent an den Klimafonds gehen, erwartet sie keine Diskussionen.

Das Projekt macht an den Landkreis-Grenzen allerdings nicht Halt. Auch in den Heilbronner Filialen von Härdtner, Mitterer und Förch dürfen Kunden mit den zehn Extra-Cent rechnen, die an den Landkreis-Fonds gehen. Die Stadt Heilbronn arbeitet an einem eigenen Konzept, hält sich aber bedeckt: "Es laufen momentan mehrere Gespräche, um ein nachhaltiges und attraktives System sobald wie möglich und unter möglichst breiter Beteiligung einzuführen“, erklärt ein Sprecher auf Anfrage. Viel wichtiger für den Verbraucher aber ist: Selbst mitgebrachte, saubere Mehrwegbecher können überall befüllt werden.

 

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