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Zähes Warten auf das Traumstudium

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Der 27-jährige Iraker Ahmed Salam lebt seit knapp zwei Jahren in Heilbronn. Zuvor studierte er an der Universität Mossul, bis ihn Krieg und Terror zur Flucht zwangen. Seine Ziele hat er klar vor Augen: Internationale Betriebswirtschaft an der Hochschule Heilbronn (HHN) studieren. Und: zurück in die Heimat. Irgendwann. Wenn die Zeiten wieder besser sind.

Kein Nachweis, kein Studium

Die wichtige C1-Sprachprüfung hat Salam im Herbst 2016 bestanden. Sie ist Voraussetzung für ein Studium an der Hochschule. Damals war der junge Mann hochmotiviert und ehrgeizig. Doch die Sprachprüfung alleine reicht nicht. Um an der Hochschule zu studieren, muss er sein Abiturzeugnis vorlegen sowie einen Nachweis, dass er in Mossul studiert hat. "Ich kann keinen Studiennachweis bringen. Die Universität ist durch den Krieg vollständig zerstört“, sagt Ahmed Salam. Für diesen Fall gibt es eine Regelung: Er muss ein studienvorbereitendes Jahr absolvieren, an dessen Ende eine Feststellungsprüfung steht. Nur wenn er sie besteht, darf er in Deutschland studieren.

Für das studienvorbereitende Jahr muss der Iraker nach Konstanz. Dort hat er seit März im Studienkolleg einen Platz sicher. Einziges Problem: Er wartet noch auf eine Entscheidung seines Asylverfahrens. Solange sein Aufenthalt rechtlich nicht geregelt ist, darf er nicht nach Konstanz umziehen. Ahmed Salam stellte deshalb einen Umverteilungsantrag bei den Ausländerbehörden in Heilbronn und in Konstanz. Nur wenn beide Behörden diesem Antrag zustimmen, darf er nach Konstanz wechseln.

Zum Zeitpunkt des Interviews hat der Iraker nur von der Behörde aus Heilbronn die Zustimmung. Während er auf Rückmeldung aus Konstanz wartet, rennt ihm die Zeit davon. Salam ist verzweifelt: "Ich habe alles gemacht, was von mir gefordert wurde, und sogar die Zulassung vom Studienkolleg ist sicher. Und jetzt darf ich nicht.“

Das dauernde Warten

Wibke Backhaus, Referentin für Gleichstellung und Diversität an der Hochschule Heilbronn, berät Geflüchtete, die ihr Studium fortsetzen oder ein neues beginnen möchten. Sie kennt diese und ähnliche Situationen gut. "Das Problem ist letztlich, dass bei vielen Personen die Asylverfahren so lange dauern. Dafür ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zuständig“, erklärt sie. "Solange von dort keine Entscheidung kommt, hängen diese Leute in der Luft.“ Theoretisch dürften sie zwar studieren, würden aber praktisch scheitern. Sie dürfen nicht umziehen oder Bafög beantragen und können das Studium nicht finanzieren.

Wibke Backhaus weiß aus ihren Beratungsgesprächen: Die größten Hürden für Studieninteressierte aus dem Ausland sind Zulassungsvoraussetzungen des Wunschstudiengangs, Sprachkenntnisse und ungeklärte ausländerrechtliche Fragen.

Daraus ergeben sich viele Folgeprobleme. "Ich zähle die Möglichkeiten auf, die es gibt und biete meine Unterstützung an den einzelnen Stellen an“, sagt sie. Dabei käme es darauf an, realistisch zu informieren und keine falschen Hoffnungen zu wecken. 

Heute ist Ahmed Salam seinem Ziel einen entscheidenden Schritt näher: Die Ausländerbehörden haben seinen Umverteilungsantrag genehmigt. Dank eines Stipendiums lebt er seit wenigen Wochen in Konstanz. Er ist sich sicher, das studienvorbereitende Jahr mit Erfolg abzuschließen. 

 

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