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Berufsorientierung in der Flammerie

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Ungläubig schaut sich das ältere Ehepaar in der Heilbronner Flammerie Pier 58 um, als es kurz vor 12 Uhr das Lokal in der Unteren Neckarstraße betritt. Statt leckerer Flammkuchen beherrschen Computermonitore und Kabelgewirr die Szenerie, statt hungriger Gäste sitzen Schüler an den Tischen. Das Ehepaar macht wieder kehrt, denn irgendetwas stimmt hier nicht. Das zeigen schon die Klappschilder vor der Tür, auf denen das Heilbronner IT-Unternehmen Indeca um Fachkräfte wirbt.

Eine Woche Programmieren und leckere Flammkuchen

Das Pier 58, das normalerweise erst um 17 Uhr öffnet, ist in dieser Woche Schauplatz eines ungewöhnlichen Bogy-Projekts. Bogy steht für Berufs- und Studienorientierung am Gymnasium, an den Bistrotischen sitzen Zehntklässler aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn. Von 9 bis 16 Uhr werden sie unter der Anleitung von Indeca-Entwickler Stephan Weißenberger in die hohe Kunst des Programmierens eingeführt. Die neun Jungs und ein Mädchen sind ausgestattet mit einem Minicomputer, mit dessen Hilfe sie zum Beispiel lernen, wie man eine Ampelschaltung programmiert oder LEDs zum Leuchten bringt. In der Gaststätte herrscht eine konzentrierte, arbeitsame Atmosphäre, jeder hilft jedem, und bei Bedarf greift Programmierprofi Weißenberger ein.

Die Schüler, die außer Interesse am Thema keine Vorkenntnisse brauchen, sind sichtlich begeistert von dem Projekt. "Ich interessiere mich schon immer für Computer und finde, im 21. Jahrhundert kann es nicht schaden, wenn man programmieren kann“, sagt Luke Lips vom Mönchsee-Gymnasium in Heilbronn. Die Atmosphäre im Pier 58 findet er "total geil und entspannt“, und, viel wichtiger: "Man lernt ordentlich was hier“. Und in den Pausen serviert Wirt Simon Reinhardt Flammkuchen und gesunde Drinks.

Anreize für eine Karriere in der IT-Branche

Auch Sophie Buller vom Lauffener Hölderlin-Gymnasium hat ihre Bewerbung für das Bogy-Projekt nicht bereut. "Es ist spannend und macht Spaß.“ Sophie, die auch die Informatik AG an ihrer Schule besucht hat, kann sich durchaus vorstellen, später etwas in Richtung IT zu machen. "Technik interessiert mich, da hat man viele Möglichkeiten“, sagt sie.

Fachkräfte gesucht Das wird Marcel Appolt gerne hören. Der Indeca-Geschäftsführer hat das ungewöhnliche Bogy-Projekt auf die Beine gestellt, um Schüler auf IT-Berufe aufmerksam zu machen – und zwar nicht im stillen Kämmerlein, sondern möglichst öffentlichkeitswirksam. Denn der Fachkräftemangel ist in der regionalen IT-Branche bereits so groß, dass mit Prämien und Kopfgeldern gearbeitet wird, um Mitarbeiter zu gewinnen.

Appolt, der sich das Bogy-Projekt rund 10 000 Euro kosten lässt, legt Wert darauf, dass der einwöchige Programmier-Crashkurs den Arbeitsabläufen bei Indeca folgt und den Schülern etwas bringt. Schließlich müssen die Teilnehmer dokumentieren, was sie in der Woche gelernt haben. Mit dem Engagement der zehn ausgewählten Schüler sind Appolt und Weißenberger hochzufrieden. "Ich würde mich freuen, wenn später einer von ihnen eine Ausbildung bei uns machen würde“, sagt der Geschäftsführer. Aktuell beschäftigt Appolt 54 Mitarbeiter, brauchen könnte er angesichts der guten Auftragslage aber viel mehr.

 

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