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Weißer Fleck bei Google Maps

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Bus Linie 1, von Klingenberg zur Harmonie. Wenn man den Bus des Heilbronner, Hohenloher und Haller Nahverkehrs (HNV) beim Navigationsdienst Google Maps sucht, scheint es so, als gäbe es ihn nicht. Abfahrtszeiten oder Fahrweg zeigt die Handy-App nicht an. Matthias Lieb, Vorsitzender des Fahrgastbeirats Baden-Württemberg, sieht Nachholbedarf: "Jeder soll wissen, dass es ein ÖPNV-Angebot gibt.“ Wenn jemand hauptsächlich Google Maps nutzt, sei es "unbefriedigend“, wenn Busse nicht angezeigt werden. 

Übermittlung der Daten

In Stuttgart, Karlsruhe, Ulm oder Heidelberg ist das anders: Dort zeigt der Navigationsdienst, wann der nächste Bus fährt, wo Haltestellen zu finden sind und welchen Weg der Bus nimmt – unabhängig von Grenzen einzelner Verkehrsverbünde. All diese Informationen liegen als Daten vor. "Die Daten, die Google von uns haben will, sind zwar leistbar, aber nicht verfügbar“, sagt Gerhard Gross, Geschäftsführer des HNV. Denn Google möchte die Daten in einem speziellen Format aufbereitet haben: General Transit Feed Specification (GTFS). Während dieses Format international weit verbreitet ist, gibt es in Deutschland keinen einheitlichen Standard. So nutzt der HNV zum Beispiel drei verschiedene Programme. Die Daten ins "Google-Format“ umwandeln ist für den HNV ein Mehraufwand, sagt Gross. "Bei Sonderwünschen muss man sich schon fragen, wer sie bezahlt.“

Würde Google eines der deutschen Formate akzeptieren, könnten die HNV-Busse bereits jetzt in der Navigation auftauchen. Gross: "Google könnte das von heute auf morgen ändern.“ Dass der Prozess kompliziert ist, räumt ein Google-Sprecher ein. Die Übermittlung der Daten sei "sehr aufwendig“. Dennoch wolle man die ÖPNV-Daten "aller deutschen Städte“ bei Google Maps einbeziehen. Der Nutzen für den Konzern: Geld mit regionaler Werbung verdienen. 

Unterschiedliche Datenformate

Die unterschiedlichen Datenformate sind aber nicht das einzige Problem. "Die Daten gehören den Busunternehmen“, erklärt Gross. Die Bus- und Bahnunternehmen übermitteln ihre Informationen nicht direkt an den HNV, sondern an die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg. Diese sammelt sie und stellt sie im Internet zur Verfügung, zum Beispiel damit Fahrpläne gedruckt werden können. Weitergeben darf der HNV sie nicht. Sie kommerziell zu nutzen, so wie das bei Google der Fall wäre, ist nicht vorgesehen. In Karlsruhe hat der Verkehrsverbund deshalb eigene Verträge geschlossen und zeigt seinen ÖPNV seit Oktober bei Google. 
7000 Euro kostete die Schnittstelle, eine Software, die für den digitalen Daten-Austausch notwendig ist. "Vom Einkauf der Schnittstelle bis zu den ersten Daten auf Google Maps hat es ein dreiviertel Jahr gedauert“, sagt Michael Krauth, Sprecher der Karlsruher Verkehrsbetriebe. Zwei Mitarbeiter waren damit beschäftigt. "Wir wollen die erreichen, die keine unserer Apps installiert haben“, so Krauth. Das seien Touristen oder Menschen, die zu Gast in der Stadt sind. "Autofahrer sollen sehen, dass sie auch die Bahn nehmen können.“

Matthias Lieb vom Fahrgastbeirat begrüßt das: "Ich sehe bei Google Maps direkt, wo die Haltestellen sind. Das ist ein Mehrwert.“ Das Fehlen der Daten kommt beim Fahrgastbeirat nicht gut an: Dort würde man die ÖPNV-Infos gerne öffentlich verfügbar machen: "Wir sehen es als notwendig an, dass alle Fahrplandaten als Open Data zur Verfügung stehen.“ Dem stimmt der HNV-Chef zu: "Das Ziel muss sein, ein einheitliches Datenformat zu realisieren, das jedem zur Verfügung gestellt werden kann.“ Man müsse aber klären, wer für falsche Informationen hafte: "Wir können niemandem eine Entschädigung zahlen, der wegen einer Angabe bei Google zu spät kommt.“ Bis alle Fragen geklärt sind, bleiben HNV-Busse in der Navigations-App unsichtbar. 

Andere Verbünde sind weiter und planen bereits, wie sie Echtzeitdaten zur Verfügung stellen können. Fahrgäste könnten dann sehen, wo sich ihr Bus befindet oder ob die Bahn sich verspätet. Einen Zeitraum wollen die meisten nicht nennen, der Verkehrsverbund Stuttgart rechnet mit Ende 2018 oder 2019. 

 

 

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