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Heimat - ein zerbrechlicher Begriff

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Sakib Hadzic weiß, wie zerbrechlich der Begriff Heimat ist, und er weiß, wie es ist, wenn ein Krieg Lebenspläne zerschlägt. Der 43-Jährige gehört schon seit 2013 zum Team des Ilsfelder Kinder- und Jugendreferats. Eingedenk dessen, was Hadzic erlebt hat, blickt er auf die Flüchtlinge, die in den letzten Jahren aus dem Nahen Osten ins Land gekommen sind, mit anderen Augen. Auch er ist Anfang der 90er Jahre geflohen, gemeinsam mit vielen anderen. Damals haben um die 400 000 Menschen die Grenzen des ehemaligen Jugoslawien verlassen. 

Geflüchtet

Hadzic war 17 Jahre alt, als er in Bosanska Dubica, seiner Heimatstadt, in den Krieg hineingezogen wurde. Er sei ein guter Schüler gewesen, der für sein Leben gerne Handball gespielt habe. Die Familie sei auf einem guten Weg gewesen, der Vater, ein Maschinenbauingenieur, hatte den Plan, sich selbstständig zu machen. Heute hat der Freizeitpädagoge drei Kinder: elf Monate, vier und sieben Jahre alt.

Gewalt und Tod, in Brand gesteckte Häuser, Flüchtlingstrecks: Das waren die Bilder, die in den 90er-Jahren immer wiederkehrendes Thema im Fernsehen waren. Hadzic war mit seinem Vater und Onkel mittendrin. Sie reisten in einem Konvoi, wurden Zeugen von "ethnischen Säuberungen, alles, was man sich in einem Krieg vorstellt, habe ich erlebt. Manchmal kommen die Sachen hoch, belasten einen. Doch ich habe gelernt, damit umzugehen.“ 

Vater und Sohn landeten in München, es war das Jahr 1993. Die Situation für die Jugoslawienflüchtlinge war anders als heute, sagt Hadzic. "Wir mussten alles selbst organisieren.“ Er belegte über drei Monate einen Kurs bei der Volkshochschule und lernte Deutsch. Später schloss er eine Ausbildung zum Krankenpfleger ab, arbeitete fünf Jahre auf der Intensivstation. "Wir sind gut empfangen worden, konnten uns integrieren.“ Dann stand die Rückführung der bosnischen Kriegsflüchtlinge an. Sakib Hadzic kehrte also in die Heimat zurück, studierte ab 2001 Sport in Bihac. 2005 startete er als Sportlehrer, zwischendrin jobbte er und spielte Handball in der ersten und zweiten Liga. "Ich wollte helfen, mein Land wieder aufzubauen.“ 2009 kehrte Hadzic nach Deutschland zurück, dieses Mal nach Baden-Württemberg. Die Wahl fiel deshalb auf Heilbronn, weil seine Frau, die ebenfalls fliehen musste, die Stadt kannte. Hadzic arbeitete bei der katholischen Schule als pädagogischer Mitarbeiter, bis er 2013 im Ilsfelder Kinder- und Jugendreferat eine Vollzeitstelle bekam. An der Förderschule unterrichtet der 43-Jährige Sport, ebenso an der Auensteiner Grundschule.

Was läuft falsch auf der Welt

Mit dem Krieg in Jugoslawien können viele Jüngere nichts mehr anfangen. "Heutzutage ist Syrien Nummer eins“, sagt Hadzic. Damals im Jugoslawienkrieg kamen weniger Menschen, doch deren Not und Elend sei ebenfalls groß gewesen. Aber: "Wir sind Europäer, viele von uns haben Deutsch in der Schule gehabt.“ Wenn sich Gespräche über das Thema Flüchtlinge entwickeln, kann es passieren, dass sich Hadzic einschaltet. "Mich erinnert das immer an meine eigene Geschichte“, sagt er. Angesichts der vielen Kriege in vielen Ländern findet er, sei es angebracht, sich zu überlegen, "was wir auf der Welt falsch machen“.

Wenn er mit Menschen über Flüchtlinge spricht, versucht er keine Kritik an deren Meinung zu üben, sondern ihnen mit Infos zu helfen. Die meisten Flüchtlinge, so glaubt Sakib Hadzic, würden versuchen, sich zu integrieren. "Sie sind willig, aber es ist wichtig, dass die Umgebung ihnen mit Einweisungen hilft.“ Trotz allem ist er zufrieden, wie es gelaufen ist. "Wir sind viele Wege gegangen“, sagt Hadzic, "haben viel dafür getan, um positiv eingestellte Menschen zu bleiben“.

 

 

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