Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Die "Geschichte hinter deinem T-Shirt"

zurück zur Übersicht

Das Foto von Taslima Akhter könnte kaum eindringlicher sein. Ein Mann klammert sich an eine Frau, von der man nur den abgewendeten Oberkörper sieht. Beide stecken tief fest in einem Trümmerfeld aus Beton und Stahlstreben, in dem die himmelblau getupfte Stoffbahn surreal wirkt. Inmitten der verzweifelten Umarmung sind beide mit Staub bedeckt: Es zeigt den Tod, der 2013 beim Zusammenbruch des Rana Plaza-Gebäude mit fünf Nähfabriken insgesamt 1134 Menschen mit sich gerissen hat. 

Billige Textilproduktion

Für ihr Zeitdokument wurde der Fotografin und Aktivistin aus Bangladesch ein Jahr später der dritte Preis des World Press Photo zuerkannt. Das erschütternde Ereignis ging in Verbindung mit der Diskussion um billige Textilproduktion und schlechtesten Arbeitsbedingungen der jungen Näherinnen um die Welt. Grundlegendes geändert hat sich seitdem aber nicht, wie Taslima Akhter bei ihrem Besuch am Friedrich-von-Alberti-Gymnasium zu bedenken gab.

Textilbox

"2016 hatten wir die Idee, etwas zum Thema Textilien zu machen“, erläuterte Lehrer Axel Schütz die Intention seines Neigungskurses Geografie. Daraus war nicht nur die Textilbox entstanden, die auf drei mal zwei Metern von außen "Mode zum kleinen Preis“ anpreist, von innen auf Bannern zeigt, was das wirklich bedeutet und mittlerweile auf der Modefashion und der Fairhandeln in Stuttgart zu sehen war.

Ungerechtigkeit

"Vor zwei Monaten haben wir Taslima Akher für authentische Informationen eingeladen und sie hat sofort zugesagt.“ Im Neckarsulmer Weltladen, in Rothenburg oder in Stuttgart machte sie Station. Die Ausstellung, die in Bad Friedrichshall von Bürgermeister Timo Frey eröffnet wurde, wird auch in der Fair-Trade-Stadt St. Georgen zu sehen sein.

Im Gymnasium erzählte die Präsidentin der Gewerkschaft "Bangladesh Garment Workers Solidarity“ unter Übersetzung von Alice Baumbusch vielen Klassen mit dem Vortrag "Die Geschichte hinter deinem T-Shirt und meine Reise“ von der sozialen Ungerechtigkeit. 

Todesfallen

Sie unterstrich, dass der Zusammensturz des Rana Plaza kein Unfall oder Sonderfall gewesen sei, wie der Brand in einer anderen Nähfabrik 2012 beweise: "Sie zwingen die Menschen, in Todesfallen zu arbeiten.“ Wer "sie“ ist, machte sie mit Zahlen deutlich: Nur 0,6 Prozent erhält eine Näherin vom T-Shirt-Preis. Zwei Prozent gehen an den Fabrikbesitzer, zwölf Prozent kostet der Transport. "59 Prozent gehen an die Modeproduzenten und noch einmal zwölf Prozent, wenn sie ihr Logo selbst vermarkten.“ 

Westliche Solidarität

80 Prozent der 4,4 Millionen Arbeiter seien Frauen und Mädchen ab 13 Jahren. Wie die Aktivistin ausführte, sei der Monatslohn von 67 Dollar so gering, dass sie gezwungen seien, bis zu 16 Stunden am Tag zu nähen. "Nach zwei Jahren sind sie blass, dünn und haben ihre innere Stärke verloren.“ Um Veränderungen herbeizuführen, sei die Solidarität der westlichen Verbraucher gefragt. Wie das geht, zeigte die Modeschau der Gymnasiasten mit fair hergestellter Kleidung aus Deutschland.

 

Galerien

Regionale Events