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Rasantes Rätselraten um den Reformator

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Krachend fliegt die Tür auf. Vier Leute stürmen ins Schlafzimmer und nehmen es sprichwörtlich auseinander. Kissen fliegen umher, Schranktüren knallen, Schubladen werden ausgeleert. Ob unterm Schreibtisch, im Bett oder auf dem Kleiderschrank – irgendwo muss es doch einen Hinweis geben! Einen Hinweis darauf, wo sich Martin Luther versteckt hält. Wenn der Reformator nicht binnen einer Stunde gefunden und entführt wird, droht dem von der Inquisition für schuldig befundenen Häretiker der Tod. Agnes Kunz, Ursula Teubler, Renate Breuninger und Alexander Schmutz stehen die Schweißtropfen im Gesicht.

Luther darf nicht Entkommen

Zum Glück ist alles nur ein Spiel. "Exit Game“ heißt es, das Spiel zum Entkommen. Eine Stunde lang hat das Team Zeit, um in einem kleinen Zimmer Rätsel zu lösen. Üblicherweise, um aus dem verschlossenen Raum, dem "Escape Room“, zu entkommen. Abgeschlossen ist die Zimmertür im Haus der Kinderkirche im Beilsteiner Schloss aber nicht. Hier wird dem Leben von Martin Luther nachgespürt, der vor 500 Jahren mit seinem Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg eine Epochenzäsur einläutete. Im römischen Prozess 1518 drohte Luther die Auslieferung an den Papst. In der Nacht vom 20. auf 21. Oktober 1518 entzog er sich dem Zugriff durch Flucht aus Augsburg.

Diese Szene ist der historische Hintergrund zum Spiel. In einer nachempfundenen Schreibstube Luthers hängen Fahnen und Thesen an der Wand. Welche These enthält den entscheidenden Hinweis? Koffer und Taschen tauchen auf, doch alle sind mit Zahlenschlössern verriegelt. Rätsel, die den Adrenalinpegel steigen lassen. 

Im Zimmer wird es heiß und eng. Hausleiterin Brigitte Schober-Schmutz hat den Spielraum präpariert und ist pausenlos in Bewegung, um den Spielern auszuweichen und bei Denkblokaden Tipps zu geben. Ursula Teubler hält ein Buch hoch: "Schaut mal, ich habe eine Bibel gefunden!“

Unter Bett und Schreibtisch kommen weitere Hilfsmittel zum Vorschein: Gesangstexte, eine Taschenlampe und ein lateinisches Wörterbuch. Das wird gebraucht, als Renate Breuninger eine schwarze Schatulle findet: das Ablasskässchen. Zig rote Pfennige klimpern auf den Schreibtisch. Sogar im Kerzenständer sind welche versteckt. Jede einzelne muss gezählt werden, denn die Aufgabe dazu lautet: "Pretium Nummi Germanici X Nummerus Eorundem Nummorum“. Fieberhaft wälzt Agnes Kunz das Dictionarium und entziffert ein Wort nach dem nächsten, bis klar wird: Die einzelnen Münzwerte, multipliziert mit der Anzahl der jeweiligen Münzen, ergeben eine Zahlenfolge. Die öffnet das Schloss eines großen Koffers. Versteckt sich da drin Martin Luther? Voll Vorfreude gibt Renate Breuninger die Ziffern ein, öffnet klickend den Riegel und erstarrt: "Da ist ja noch ein Koffer drin!“ Verschlossen, versteht sich.

Versteck

Rasch verrinnt die Zeit. Noch 30 Minuten. Die Hälfte ist verstrichen, und die Gruppe hat zahlreiche Zahlen enträtselt, zu denen auch das Lutherjahr 1517 gehört. Nun stehen die vier ratlos vor Fragmenten des Luther-Lieds "Ein feste Burg ist unser Gott“. Bis Alexander Schmutz die rettende Idee hat: "Wir haben die Taschenlampe gar nicht benutzt.“ Die ist in Wahrheit eine Schwarzlichtlampe. Unter ihrem Strahl erscheinen auf den Liedtexten Markierungen. Wieder ein Hinweis auf eine Zahlenfolge? Tatsächlich: In der letzten ungeöffneten Tasche hat sich der Angsthase Martin Luther versteckt, als Plastikfigur. Die vier haben es geschafft, in 39 Minuten und 40 Sekunden.

"Das ist unheimlich spannend“, resümiert Agnes Kunz. "Aber es war ganz schön schwierig, herauszufinden, dass wir UV-Licht einsetzen müssen“, gibt Ursula Teubler zu. Und ganz so firm in mittelalterlichem Latein sind die drei auch nicht. Gut, dass sie Alexander Schmutz dabei hatten. Der 18-Jährige hat schon in Stuttgart einen Escape Room bespielt und kennt den Trick mit dem Schwarzlicht. "Mit unserer Zeit bin ich sehr zufrieden“, sagt der erfahrene Spieler.

 

 

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