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Geschichte über Sterben, Träume und Sterne

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Benita Jochim sitzt am hölzernen Ecktisch im Wohnzimmer. Das ist der Ort, an dem sie auch gerne schreibt. Sie trägt eine Kette mit einem blau schimmernden Herz. Ihre Haare hat sie über die rechte Schulter gekämmt, Aus der Küche nebenan riecht es nach frischem Kaffee. 

Erstlingswerk

Fast ein Jahr dauerte es, bis sie ihr Erstlingswerk "Der Schlüssel zu unserem Leben“ zu Papier gebracht hatte. Jetzt ist der Roman im Papierfresserchen-Verlag erschienen. Die Geschwister Ezra und Heaven, deren Leidenschaft das Tanzen ist, bekommen die schreckliche Nachricht, dass Ezra nur noch ein Jahr zu leben hat. Nach dem ersten Schock beschließen sie, das Beste daraus zu machen und diese schwere Zeit gemeinsam zu meistern. Eine Liste mit fünf Zielen hilft ihnen, das Jahr zu planen – und Ezra eine Aufgabe zu geben.
Einige Details musste die 17-jährige Autorin nachlesen, etwa die Symptome und den Verlauf der Lungenfibrose, an der Ezra erkrankt. Auch am Schauplatz, in London, war sie persönlich und machte sich vor Ort Notizen, um in ihrem Buch authentisch zu sein.

Bei einem Vortanzen war sie allerdings noch nie. Sie glaubt aber, dass die Realität härter ist, als sie es im Roman beschrieben hat. "Wenn du nicht hundert Prozent geben kannst, bist du nicht tragbar“, glaubt sie. Überhaupt würde sie manche Passagen des Buches im Nachhinein ändern. "Mir ist einiges aufgefallen, das ich anders machen würde. Aber man ist mit seinem Buch nie völlig zufrieden“, stellt sie fest.

Die Idee zum Buch hatte Jochim, als vor Jahren ein Kollege ihrer Eltern an einer Lungenkrankheit litt. Eigene Kindheitserinnerungen sind nur teilweise eingeflossen. Erinnerungen spielen aber eine große Rolle im Roman: "Sie sind das, was bleibt“, sagt sie. Die Charaktere handeln oft widersprüchlich und aufbrausend. "Das ist ein bisschen an mir orientiert“, gibt sie zu. So ist der todkranke Ezra Optimist, verfällt aber immer wieder in Phasen, in denen ihm alles egal ist. "Ich habe versucht, ihn so facettenreich wie möglich zu gestalten“, erklärt sie. Seine jüngere Schwester Heaven, die sogar das Tanzen aufgibt, um sich ganz um den Bruder zu kümmern, baut ihn immer wieder auf.

Klischees und Zukunftspläne

Auch so manches Klischee hat es in das Werk der Jungautorin geschafft. So meint sie an einer Stelle: "Frauen müssten Kinder gebären, kochen und putzen“. Ironisch sei das nicht gewesen, erklärt Jochim. "Dieses Klischee gibt es ja noch.“ Über ihre persönliche Lieblingsstelle muss sie eine Weile nachdenken. „Es ist die Passage mit den Himmelslaternen“, sagt sie. Diese brennenden Papierlaternen, die man in den Himmel steigen lassen kann, sind Punkt drei auf der Prioritätenliste der Geschwister. "Das ist ein Highlight, das ich auch gern machen würde. Aber in Deutschland ist dieser Brauch ja verboten.“ 

Am schwersten fielen Jochim Anfang und Ende des Buches. "Zum Beginn wollte ich ein richtiges Bam. Das Ende habe ich vier Mal neu geschrieben.“ Auch, sich in einen Todkranken hineinzuversetzen, ist ihr schwer gefallen. "Ich habe mich oft gefragt, wie würde der jetzt wohl handeln?“

Das Schreiben hat Benita Jochim in der dritten Klasse angefangen. "Meine Figuren basieren auf Menschen, die mir viel bedeuten“. Ihr zweiter Roman ist schon in Arbeit. "Es geht um eine Journalistin, die versetzt wird und sich verliebt.“ Mehr will Benita Jochim aber noch nicht verraten. Sie selbst muss jetzt die Entscheidung treffen, was sie später mal studieren will. "Vielleicht Medien- und Kommunikationsmanagement“, sagt sie.
Ansonsten will sie sich in Zukunft auf das bevorstehende Abitur konzentrieren und die Jugendgruppen bei der Feuerwehr trainieren. Dem Schreiben wird sie aber treu bleiben. "Es gibt so viele schöne Dinge im Leben, direkt vor deiner Nase. Du musst sie nur anpacken“, lautet dabei ihr Lebensmotto.

 

 

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