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Nächstenliebe steht im Mittelpunkt

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"Damit aus Fremden Freunde werden“: Das Gemeindelied gleich zu Beginn des Gottesdienstes in der Martin-Luther-Kirche, bei dem das 25-jährige Bestehen des Freundeskreises Asyl im Mittelpunkt stand, machte das Anliegen klar: Humanitäre Hilfe leisten, sich der sozialen Verantwortung stellen und Fremde in christlichem Sinne integrierend aufnehmen. "Es tut gut, wenn wir jemanden haben, dem wir uns anvertrauen können“, würdigte Pfarrer Dieter Steiner das Engagement des einstigen Arbeitskreises, der sich im Februar 1992 im Anschluss an einen Gottesdienst zum Diakoniesonntag mit dem Thema "Fremde unter uns“ gegründet hatte. "Mittlerweile ist er ein selbstständig arbeitender überkonfessioneller Kirchengemeindeverein unter dem Dach der Martin-Luther-Kirche, der in ganz Neckarsulm aktiv ist.“ 

Gegen Fremdenfeindlichkeit

Wie Margit Hansen als Vorsitzende des Kirchengemeinderats und Koordinationsmitglied im Freundeskreis Asyl ausführte, war vor 25 Jahren die ehemalige US-Kaserne zur Flüchtlingsunterkunft geworden und unter katastrophalen Bedingungen teilweise mit mehr als 600 Asylbewerbern vorwiegend aus dem ehemaligen Jugoslawien belegt. "Die Diakonie konnte die Sozialarbeit mit dem vorgegebenen Betreuungsschlüssel nicht leisten: Da war Hilfe angesagt.“ 

Etwa in Form von Kinderbetreuung, Sprachförderung, Kleiderkammer oder Teestube. Unter anderem sei auch das Recht auf Schul- oder Kindergartenbesuch erkämpft worden. Weiteres wichtiges Thema sei die Akzeptanz der Flüchtlinge in der Neckarsulmer Bevölkerung gewesen: Es habe gegolten, viel Überzeugungsarbeit zu leisten, etwa durch eine Podiumsdiskussion.

Mit Zitaten aus einem Gemeindebrief der Landeskirche gegen Fremdenfeindlichkeit machte Pfarrer Steiner die aufgeheizte Stimmung, in der "manche nicht mehr erreichbar“ gewesen seien, deutlich. "Hass, Ablehnung und Ausgrenzung“, die sich in Behauptungen über "Asylflut“, fragwürdige Motive der Geflüchteten oder Befürchtungen, dass "unser Land zu klein“ sei, geäußert hätten: Was wie derzeitige "Rechtfertigungsversuche der AfD klinge, ist aber tatsächlich schon 25 Jahre alt.“

Nächstenliebe siegt

Ängste dürften auch heute nicht über die Nächstenliebe siegen, wie sie als Handlungsanweisung im Matthäusevangelium verankert sei. "Das Gebot der Stunde ist, das Gespräch mit denen zu suchen, die Angst vor Fremden haben.“ Angesichts einer "Selbstverständlichkeit der reinen Menschlichkeit“ fragte er: "Warum streitet das christliche Abendland über den richtigen Weg?“ Er dankte dem Freundeskreis für sein Durchhaltevermögen, der in der Zwischenzeit mit sporadischen Treffen weitergeführt worden war: 2012 wurde er sofort wieder aktiv, als neue Flüchtlingsunterkünfte in der Binswanger Straße und im Wildacker sowie später in der Rötelstraße und Odenwaldstraße entstanden seien. "Durch die tragischen Ereignisse auf dem Mittelmeer war die Hilfsbereitschaft groß, und so wuchs der Kreis auf 65 Helfer an“, sagte Margit Hansen.

Kinderbetreuung und Deutschunterricht, Sports-Day, Familienbegleitung und Hausaufgabenbetreuung, Kochen mit Flüchtlingen oder Hilfe bei Wohnungs- und Arbeitssuche würden mit ehrenamtlichem Engagement umgesetzt. In ihrem schriftlich übermittelten Grußwort unterstrich Kathinka Kaden, die vor 25 Jahren als Vikarin die ersten Treffen organisiert hatte und heute Pfarrerin ist: "Wenn ich lese, was der Freundeskreis alles tut, geht mir das Herz auf, und mir ist um diese Gesellschaft nicht bange.“ 

 

 

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