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Was alles auf der Autobahn verloren geht

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Matratze, Kochgeschirr, Kinderspielhaus, Gießkanne, Teppich, Kotflügel, Auspuff, Leiter, Stuhlpolster: Von den Gegenständen, die die Weinsberger Autobahnpolizei haufenweise von der A 6 und A 81 räumen muss, könnte sie sich einen eigenen Haushalt einrichten – oder einen Schrottplatz auffüllen. "Es gibt praktisch nichts, was wir noch nicht auf der Fahrbahn eingesammelt haben“, sagt Dienstgruppenleiter Alexander Niklaus (44). Was Auto- und Lastwagen-Fahrer von ihren Fahrzeugen verlieren und rund ums Weinsberger Kreuz auf der Fernstraße liegen bleibt, hält die Autobahnpolizei ganz schön auf Trab. 

Verlorene Ladung

In den letzten sechs Monaten mussten die Ordnungshüter insgesamt 584 Mal ausrücken, um Ladungsteile oder anderes einzusammeln – darunter auch 35 überfahrene Tiere und Baustellenmaterial, das der Sturm auf die Straße geweht hat. Im Schnitt sind das rund drei Einsätze pro Tag. "Diese Hindernisse wegzuräumen, ist bei uns die häufigste Einsatzart überhaupt bei der Autobahnpolizei“, erklärt Niklaus. Bei den "Aufräumarbeiten“ gefährden die Polizisten nicht selten sich selbst.

Verlorene Ladung ist auf der Autobahn ein echtes Sicherheitsrisiko. Meist bleibt es jedoch bei Sachschäden. "Über so ein Kleinteil sind schnell mal zehn oder 15 Autos drüber gefahren“, berichtet Alexander Niklaus. Allerdings verursachte das "Strandgut“ im letzten halben Jahr auch rund 45 Unfälle. Die überfahrenen Teile können Löcher in Tanks reißen wie Mitte September, als ein Sattelzug dadurch 200 Liter Diesel verlor. Die Folge: Ein Großeinsatz der Rettungskräfte und kilometerlange Staus. Schwerverletzte oder gar Tote habe es aber in den vergangenen Jahren bei solchen Vorfällen nicht gegeben, so Niklaus. 

Verschleiß und Überlastung

Am häufigsten müssen die Autobahnpolizisten die Reste von geplatzten Lkw-Reifen beseitigen. Allein 129 Mal war dies in den vergangenen sechs Monaten der Fall. Als Grund für die Reifenplatzer gibt Niklaus "Verschleiß“ und "Überbelastung“ an. Dass die Reifen schlapp machen, sei sozusagen der Tribut an den zunehmenden Lkw-Fernverkehr. Das werde eben an einer der meistbelasteten Fernververkehrsverbindungen in Europa wie dem Weinsberger Kreuz deutlich, das täglich rund 150 000 Fahrzeuge passieren. Die Reifenplatzer hätten aber auch etwas mit dem Preisdruck in der Güterverkehrsbranche zu tun. Niklaus: "Ein Lkw muss ja immer fahren, sonst rechnet sich das nicht. Also werden die Reifen auch bis zum Minimum heruntergefahren, bis man sie wechselt.“ Die Folge seien häufige Reifenplatzer.

Immer mehr Billigreifen

Roland Rüdinger widerspricht dieser Darstellung energisch. Der Krautheimer Spediteur und Vizepräsident des württembergischen Verbands Spedition und Logistik räumt ein, "dass es einen Preisdruck in der Branche gibt“. Deswegen seien auch "immer mehr Billigreifen unterwegs“. Aber diesen Preisdruck habe es auch schon vor 50 Jahren gegeben. Rüdinger macht vielmehr zu enge Ausfahrten von Kreisverkehren verantwortlich, die die Straßenbauverwaltungen "mutwillig“ bauen würden, um Autofahrer zu bremsen. Die Lkw-Fahrer würden sich in diesen Kreiseln die Reifen an den Flanken abreiben. So seien die häufigen Platzer zu erklären. Wer aber haftet für den Schaden am Fahrzeug, wenn ein Fahrer über einen liegengebliebenen Gegenstand fährt? Grundsätzlich der, der den Gegenstand verloren hat, antwortet der Heilbronner Verkehrsrechtsanwalt Dieter Roßkopf. Da die "Schädiger“ aber meist nicht ermittelbar sind, springe die eigene Kaskoversicherung ein.

 

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