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Südasien zu Gast

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"Während Hurrikan Harvey durch die USA gefegt ist, gab es auch woanders ein Unglück. In Bangladesch wurden Häuser und Felder vom Monsunregen überschwemmt. Dadurch sind über 2000 Personen ums Leben gekommen“, berichtet Sabrina Syben, hauptamtliche Mitarbeiterin von Netz, einem Verein aus Wetzlar, der sich gegen Armut und für mehr Selbsbestimmung und Bildung in Bangladesch einsetzt. Im Theaterkeller des Hohenstaufen-Gymnasiums halten die Schüler der drei siebten Klassen geschockt den Atem an. 

Unterschiede

Seit drei Jahren unterstützt das Hohenstaufen Gymnasium mit Spenden aus dem Lebenslauf den Netz-Verein. "Auch nächstes Jahr findet wieder ein Benefiz-Lauf statt. Dafür ist es immer wichtig, dass unsere Schüler wissen, wofür sie sich einsetzen“, findet Schulleiter Josef Knoblauch. Deshalb lernen sich beide Seiten nun persönlich kennen. Mit Unterstützung von Sabrina Syben berichten Lehrerin Bira Rani Sarko und die Schülerinnen Lipi und Tasmin Ahter sowie Sheta Roy eine Woche lang den Klassen des Gymnasiums von ihrem Leben im Norden von Bangladesch – vom Schulalltag, aber auch von Überschwemmungen und Kinderheirat.

"Die Zimmer sind bunt gestaltet, das gefällt mir gut“, stellt Silas fest, als er an der Leinwand Bilder von den Klassenzimmern in Nilpharmari sieht. Dort an den Wänden hängen auf bunt bedrucktem Papier die Buchstaben des Alphabets – auf Englisch und auf Bangla. "Um Englisch zu lernen, müssen sich die Schüler eine ganz neue Schrift aneignen“, berichtet Lehrerin Bira Rani Sarko, Syben übersetzt. Mit Rollenspielen und Sportübungen unterscheidet sich der Unterricht teilweise nicht so sehr von dem der Hohenstaufen-Schüler. Getanzt wird viel in Bangladesch. In traditionelle, goldene Gewänder gehüllt zeigen die Gäste aus Südasien den Schülern gekonnt einen Trommel-Tanz aus der Heimat. 

Überschwemmungen und Kinderheirat

Dann geht es in den Austausch. "Wie oft schreibt ihr denn Klassenarbeiten?“, fragt Cheyenne. "Einmal im Monat. Aber das finden wir zu viel“, antwortet Tasmin Ahter und grinst. Klassenfahrten werden in Bangladesch keine gemacht. "Das ist zu teuer. Deshalb gehen wir Lehrer allein und erzählen den Kindern anschließend von den Erlebnissen“, erklärt Sarko. Anders als in Bad Wimpfen kann die Grundschule in Nilpharmari einfach abgebaut werden. "Das ist wichtig, denn es gibt oft Überschwemmungen“, berichtet Schülerin Sheta Roy. Dann werden Dach und Wände auf ein Boot geladen und an anderer Stelle wieder aufgebaut. Bangaldesch ist aufgrund seiner geografischen Lage besonders von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen, der Großteil des Landes liegt nur wenig höher als der Meeresspiegel. "Durch die vielen Flussläufe ist bei starken Regenfällen schnell alles überflutet.“

Diese Katastrophen beflügeln auch die Kinderheirat, gegen die der Verein sich stark macht. "Durch die Überschwemmungen verlieren Familien ihre ganze Existenz. Um die Tochter versorgt zu wissen, arrangieren sie schnell eine Heirat. Es ist nicht selten, dass eine Elfjährige mit einem 30-Jährigen verheiratet wird“, erklärt Netz-Mitarbeiterin Manjusree Mitra. Ein Raunen geht durch die Reihen. "Das könnte ich mir nie vorstellen“, stellt eine Schülerin entsetzt fest. "Lebt das Mädchen trotzdem noch zu Hause oder bei dem Mann?“, will Fabian wissen. "Sie lebt bei der Familie des Mannes“, antwortet Mitra. Lipi (15), Tasmin und Sheta (beide 14) sind noch nicht verheiratet. 

 

 

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