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Königsweg bei Bildung gibt es nicht

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Auch wenn die Sofas in der Aula der Helmbundschule Neuenstadt gemütlich wirkten, eine Kuschelrunde wurde die Podiumsdiskussion unter der Fragestellung "Studieren um jeden Preis?“ nicht. Das lag zum einen an dem zahlreich erschienenen, interessierten Publikum, das auch kritische Fragen stellte. Zum anderen verstanden es die beiden Moderatoren geschickt, ihre Gäste aus der Reserve zu locken. 

Immer am Ball bleiben

Diese Rolle hatten die beiden Schulleiter, Roland Götzinger vom Eduard-Mörike-Gymnasiums und Eric Rau von der Helmbundschule, übernommen. Die Diskussionsrunde bestand einmal aus Wirtschaftsvertretern, die alle in Neuenstadt ansässig sind: Christina Bader von der Firma Förch, Ulrich Schrameyer von der MS Motorservice International sowie Paul Spohrer von der Firma Neumeister Hydraulik. Politische Farbe brachten die Abgeordneten Dr. Bernhard Lasotta (CDU) und Josip Juratovic (SPD) in die Runde.

Zur Themenfrage nach Studium oder Ausbildung erklärte Betriebswirtin Christina Bader: "Wir brauchen beides, Leute mit Studium und mit einer soliden Berufsausbildung.“ Sie selbst hat die Duale Hochschule durchlaufen: "Hier ist die Verknüpfung von Theorie und Praxis wichtig.“ 

Von den Diskutanten haben Ausbildungsmeister Paul Spohrer und Josip Juratovic (ehemals Kfz-Mechaniker) kein Studium absolviert. Wirtschaftsingenieur Ulrich Schrameyer zeigte sich von der Durchlässigkeit des Bildungssystems überzeugt. Wie wichtig lebenslanges Lernen ist, betonte Werkstattmeister Paul Spohrer, der sich vom "Lernenden über Gesellen- und Meisterbrief zum Lehrenden“ entwickelt hat. "Um den jungen Leuten den neuesten Stand zu vermitteln, muss man immer am Ball bleiben.“

Voraussetzungen 

Gefragt nach den Voraussetzungen der jungen Leute für den Beruf, betonte Christina Bader: "Schüler sind für mich am besten vorbereitet, wenn sie ein Praktikum gemacht haben und Engagement in einem Verein zeigen.“ Ihr Kollege Schrameyer forderte gar einen "proaktiven“ Menschen, also jemanden, der mit einer interessierten Einstellung in die Firma kommt. "Dann schauen wir nicht so sehr auf die Noten.“

"Bilden die Schulen falsch aus?“ Diese Frage beantwortete Ulrich Schrameyer mit einem glatten Nein. Gleichwohl forderte er, mehr darauf zu achten, "dass die Azubis Komplexität im Denken bekommen“. Bei Schülern mit schlechten Noten gab Christina Bader zu bedenken: "Ganz oft ist solch ein Schüler auch nicht bereit, sich an die Regularien zu halten.“ Einig waren sich alle, dass man auf die Veränderungen der Gesellschaft reagieren müsse. So seien heute häufig beide Elternteile berufstätig, was eine Ganztagesschule notwendig mache. Für Christina Bader, die sich selbst als "Neigschmeckte“ aus dem Erzgebirge bezeichnete, war in ihrer Heimat die Ganztagsbetreuung etwas Normales. "Für mich war es schon eine Herausforderung, dieses hier nicht vorzufinden.“

Dabei sei es für eine Frau wichtig, die im Beruf vorankommen wolle. Als der Bundestagsabgeordnete Juratovic die Aufhebung des Kooperationsverbotes forderte, widersprach Landespolitiker Lasotta vehement: "Vieles hat sich für das Land nachteilig erwiesen, was bundespolitisch geregelt wurde.“ Das unterstützte Meister Spohrer aus seiner beruflichen Erfahrung: "Wenn Vereinheitlichung, dann aber bitte auf unserem Niveau!“ Alle Diskussionsteilnehmer teilten Juratovics Statement: "Von der Schule wird oft zu viel abverlangt, sie kann nicht das Elternhaus ersetzen.“ 

 

 

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