Stimmt.de

Titelseite.indd
Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Rumhängen im Selbstversuch

zurück zur Übersicht

Warum diese Übung "Skorpion“ heißt? Riecht nach Gefahr und Eleganz. Ich hänge momentan leider eher wie eine traurige Raupe kopfüber von der Decke – in der Hüfte gehalten von einem pinken Tuch, das an der Haut pikst. DAS soll ich auch schaffen? Trainerin Nici Tannert dreht sich elegant wie eine Zirkusakrobatin in einen Unterarmstand, bei dem sie die Füße langsam in Richtung Kopf fallen lässt, ähnlich einem giftigen Stachel. Stark! Viele Gedanken habe ich mir nicht gemacht, bevor ich mich zu dieser Probestunde Aerial-Yoga angemeldet habe. Ich wollte testen, ob auch Anfänger wie ich einen Zugang zum Trendsport finden – oder nur planlos in den Seilen hängen. Ob das mal gut geht. 

Schwerelos

Aerial heißt so viel wie schwerelos. Die Yogis trainieren ihre Asanas, also Stellungen, in einem trapezförmigen Lycra-Tuch, das an einem dicken Bergsteiger-Haken baumelt. Etwa 3,7 Meter lang und 2,8 Meter breit, gäbe es auch eine gemütliche Hängematte ab. Von gemütlich kann gerade aber keine Rede sein, das kommt später. Jetzt ist Beweglichkeit angesagt. 

Artisten aus Amerika hatten vor rund zehn Jahren als erste die Idee, Yoga und Akrobatik zu verbinden, erklärt mir Nici Tannert. 2009 gingen dann hiesige Trainer in die USA, um sich von den Zirkusleuten ausbilden zu lassen. "Ich habe bei einem dieser Deutschen gelernt“, sagt die frühere TV-Producerin, die vor ein paar Jahren von München nach Bad Friedrichshall gezogen ist und dort 2015 das Yogakraftwerk eröffnet hat. Hier gibt sie ihre Kenntnisse an Teilnehmer aus der ganzen Region weiter. Am Wochenende stehen auch mal Autos aus Stuttgart und Heidelberg vor der Tür – Aerial gibt es nämlich nicht in jedem Studio.

Mir wird jetzt doch ein bisschen mulmig. Was, wenn ich aus dem Stoff rutsche und mit dem Kopf aufschlage? Auch einen halben Meter über dem Boden wirken Fliehkräfte. "Warte, ich komme zu dir rüber“, beruhigt mich Nici Tannert. Sie zeigt mir nochmal, wie ich Arme und Beine mit dem Tuch verschränken muss. Und Tatsache, nach ein bisschen Strampeln gleite ich fast wie von selbst in die richtige Position. Wow! Ich bin stolz. Und habe schon vergessen, dass ich eben noch mit dem Po nach unten so unplanmäßig hin und her geschaukelt bin, dass die Trainerin mich unter dem Gekicher der anderen Teilnehmer anhalten musste. Die sehr nett sind – schließlich war hier jeder mal Einsteiger.

Skorpion und Fledermaus

Tatsächlich ist nicht festhalten, sondern loslassen das Thema der Stunde. Überkopfhängen bedeutet nämlich auch Kontrollverlust, mit dem die Teilnehmer zurechtkommen müssen. Aerial-Yoga ist außerdem sehr spielerisch: Das bunte Tuch, das Schaukeln, das Ausprobieren bieten einen tollen Ausgleich zum durchorganisierten Alltag. Der Stress fällt ganz schnell ab. "Geeignet ist es für Einsteiger genauso wie für Trainierte“, erklärt Nici Tannert, denn man kann sein Körpergewicht einfach abgeben und sich besser auf die Dehnungen einlassen. "Übungen wie den Skorpion gibt es auch im normalen Yoga“, weiß die Trainerin. "Mit dem Tuch sind sie leichter zu schaffen. Andere dagegen sind herausfordernder.“ 

Nacheinander üben wir Asanas wie die "Marionette“, bei der wir Kopf und Arme einfach hängen lassen, oder die "Fledermaus“. "Krass“, denke ich, als die anderen sich ins Tuch legen, die Beine mit dem überstehenden Rest zudecken und dann eine Rolle rückwärts vollführen, so dass sie plötzlich wie in einem Sack unter dem Tuch hängen. Und schaffe es sogar selbst – wenn vielleicht auch ein bisschen weniger elegant als ein echter Flattermann. 

Dann ist Entspannung angesagt. Wie in einem Kokon liegen wir in unseren Tüchern. Ich habe mich für pink entschieden, das sieht nach Power aus. "Viele nehmen dunkelrot“, weiß Nici Tannert. "Wegen der Mutterleibsatmosphäre sind sie dann sehr gerührt.“ Wer zu viel geschaukelt ist, der läuft jetzt allerdings Gefahr, einen Schwindelanfall zu bekommen. Auch bei mir kreiselt der Kopf. "Deshalb rate ich dazu, vorsichtig zu sein, bis man sich besser einschätzen kann.“

Am nächsten Tag begutachte ich vor dem Spiegel die kleinen blauen Flecken an Oberarmen und Beinen, die das Tuch in den Hängepositionen hinterlassen hat. Und muss trotzdem grinsen. Denn mein Rücken fühlt sich so gut an, wie lange nicht mehr. Gut rumgehangen: Skorpion und Fledermaus sei dank.

 

 

 

 

Galerien

Regionale Events

Digitale Azubimesse

Mehr als 50 Unternehmen stellen von 14. bis 20. Februar 2022 ihr Aus- und Weiterbildungsangebot digital vor.

Neuer Impfpunkt

Die Stadt Heilbronn ergänzt ihr Impfangebot um die Harmonie.