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In Heilbronn bald so warm wie in Italien

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Der Klimawandel macht auch vor Heilbronn nicht Halt. Bis zur Jahrhundertmitte wird die Jahresdurchschnittstemperatur von derzeit 9,9 Grad auf 11,6 Grad (+ 1,7) ansteigen. Dies entspricht Klimaverhältnissen, wie sie bereits heute im französischen Lyon herrschen. Bis zum Ende des Jahrhunderts wird mit einer Durchschnittstemperatur von 13,2 Grad die Annäherung an mediterrane Verhältnisse, wie man sie zum Beispiel in Mailand antrifft, immer größer. Das geht aus der gesamtstädtischen Klimaanalyse für Heilbronn hervor, die vom örtlichen Ingenieurbüro Rau in fast zweijähriger Arbeit erstellt und jetzt im Bauausschuss der Gemeinderats vorgestellt wurde. 

Klima von innen verbessern

"Bei den erst seit 1947 in Heilbronn gemessenen Lufttemperaturen ist zunächst ein abnehmender Trend bis 1956 zu beobachten. Seit 1957 ist jedoch bis heute ein deutlicher Temperaturanstieg auf zuletzt 10,7 Grad zu verzeichnen“, zeigte Matthias Rau im Rathaus die Entwicklung auf. Allein die beinahe Verdoppelung der Sommertage von heute durchschnittlich 49 auf 82 bis 91 Tage in der Dekade 2091 bis 2100 bedeutet nach den Worten des Heilbronner Diplomingenieurs, dass aufaddiert rund zwei bis drei Monate lang die Tageshöchsttemperaturen von mindestens 25 Grad überschritten werden. Die heißen Tage (30 Grad und mehr) werden von aktuell 18 Tage auf 37 Tage im Jahr 2050 und auf 60 Tage im Jahr 2100 ansteigen. "Der relativ größte Zuwachs ist bei den Tropennächten, in denen die Lufttemperatur nicht unter 20 Grad sinkt, zu beobachten“, merkte Rau weiter an. Bis zur Jahrhundertmitte werde die Anzahl zunächst langsam auf vier Nächte, bis zum Ende des Jahrhunderts auf 23 Tropennächte im Jahr anwachsen. Auch die schwülen Tage und mehrtägige Hitzewellen würden deutlich zunehmen.

Bei den Niederschlägen ist laut Klimaanalyse in Heilbronn ein Anstieg von derzeit 876 Liter pro Quadratmeter auf 965 Liter/Quadratmeter (vier Prozent) jährlich zu erwarten. Allerdings: Bis 2100 soll die Regenmenge in den Sommermonaten um 23 Prozent zurückgehen, während es in den Wintermonaten ein Plus von mehr als 47 Prozent geben soll, allerdings mit wenig Schnee. "Mit einer Zunahme von Überflutungen durch Starkregen muss deshalb im Winter gerechnet werden“, sagte Rau. Weniger werden sowohl die Eis- als auch die Frosttage. Um das Klima mittel- bis langfristig zu verbessern, rät Diplomingenieur Rau den politisch Handelnden unter anderem zu folgenden Maßnahmen: Entsiegelung von Flächen, Bau von Vegetations- und Gewässerflächen sowie Parks und Stärkung von Dach- und Fassadenbegrünungen. "Vor allem im Innenstadtbereich besteht dringender Handlungsbedarf“, zeigte Rau die Brisanz auf. Das Kernstadt-Klima könne nur von innen verbessert werden. Einflüsse von außen zeigten aufgrund der ungünstigen Durchlüftungsbedingungen kaum Wirkung.

Dass die Inhalte der städtischen Klimaanalyse künftig bei Bebauungsplänen und Baugesuchen berücksichtigt werden, forderten die Stadträte Thomas Randecker (CDU), Marianne Kugler-Wendt (SPD), Fritz Kropp (FWV) und Alexander Habermeier (Grüne). Sie stießen damit bei Baubürgermeister Wilfred Hajek auf offene Ohren: "Bei allen Baumaßnahmen werden wir die Erkenntnisse einfließen lassen. Sonst macht die Analyse keinen Sinn.“ Randecker und Gottfried Friz (FDP) warnten aber auch davor, die Bürokratie "unnötig aufzublähen“ und das Bauen zu erschweren. Grünen-Stadtrat Wolf Theilacker regte an, die Klimaanalyse auf die Stadtteile herunterzubrechen. 

 

 

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