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"Knöllchen" für mangelhafte Fahrräder

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Auf den ersten Blick ist an dem Fahrrad alles dran, auf dem Sandra am Mittwochmorgen zur Schule geradelt ist. Es ist noch dunkel, aber den beiden Polizeibeamten entgehen die fehlenden Katzenaugen und das defekte Licht nicht. "Warum ist denn dein Licht aus?“, fragt Polizeihauptmeister Armin Wohlbach. Es sei kaputt, erzählt Sandra, aber ihr Vater wisse schon Bescheid. Die heutige Kontrolle in Böckingen ist eine Präventionsmaßnahme, die die Heilbronner Polizei jährlich an Schulen veranstaltet. "Wir machen das zur Zeitumstellung im Herbst, denn dann ist es morgens dunkel und das Fahren mit Licht Pflicht“, erklärt Roberto Monaci vom Referat Prävention. Seine Abteilung hat die Aktion eingeleitet, zu der am Mittwoch zehn Beamte zur Elly-Heuss-Knapp-Gemeinschaftsschule und dem gleichnamigen Gymnasium angerückt sind. Die gefundenen Mängel tragen die Beamten in eine Liste ein, die den Eltern zugeschickt wird – mit der Bitte, das Rad in einen verkehrssicheren Zustand zu versetzen. "Die Eltern sollen wissen, dass das Rad ihrer Kinder nicht verkehrssicher ist“, erklärt Monaci. 

Helmpflicht

14 Schüler wurden im Jahr 2016 bei Unfällen im Stadt- und Landkreis Heilbronn verletzt, drei davon schwer. "Jedes verletzte Kind ist eines zu viel“, so Monaci. Ein verkehrssicheres Fahrrad könne Unfälle vermeiden. Zusätzlich plädiert Monaci für eine Helmpflicht: "Durch das Tragen des Fahrradhelms wird das Risiko für Kopfverletzungen deutlich reduziert.“ Aber nicht immer sind die Radfahrer das Problem, weiß Harald Schröder, Schulleiter der EllyHeuss-Knapp-Gemeinschaftsschule: "Morgens ist die Verkehrssituation besonders kritisch.“ Eltern würden Autotüren aufreißen und Radfahrer so gefährden. Es ist ein generelles Problem, wie Volker Geis, Sprecher vom Kreisverband des ADFC, bestätigt: "Das Fahrrad wird als Verkehrsmittel nicht ernstgenommen. Man wird angehupt und fast von der Straße gedrängt.“ Präventionsmaßnahmen, die Aufmerksamkeit auf das Thema lenken, seien daher sinnvoll. 

Keine Mängel an Bremsen

Laut Harald Lepple, dem Vorsitzenden der Kreisverkehrswacht Heilbronn, gefährden auch fehlende motorische Fähigkeiten die Sicherheit: "Kinder werden immer unbeweglicher. Das wirkt sich auf das Radfahren aus.“ Denn beim Radfahren sei es wichtig, die Balance zu halten. Monaci bestätigt das Problem: "Wir erleben in der vierten Klasse Kinder, die gar nicht oder nur schlecht Radfahren können. Daher ist es wichtig, die Motorik von Kindern zu fördern.“ 

Bis Unterrichtsbeginn haben die Beamten 55 Fahrräder an beiden Schulen kontrolliert. 25 davon waren mangelhaft. Bei 14 Rädern war das Licht defekt oder fehlte, bei 15 Rädern betraf dies das Rücklicht. An zwölf Rädern fehlte der weiße Frontreflektor, elf Räder hatten keine oder zu wenige Speichenreflektoren. Zwei Räder hatten keine Pedalrückstrahler, vier Räder keine Klingel. Die Beamten sind dennoch zufrieden. "Mich hat es überrascht, dass so viele einen Helm getragen haben. Das ist sehr gut“, so Monaci. Zudem gab es keine Mängel an Bremsen. Die Aktion habe auch eine symbolische Wirkung, betont Wohlbach: "Es ist gut, wenn die Schüler sehen: Die Polizei ist da und macht etwas.“ 

 

 

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