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Das Ziel: Kriminelle Karrieren verhindern

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Was von außen aussieht wie ein älteres Bürogebäude, soll in Zukunft helfen, junge Menschen vor dem Abrutschen in die Kriminalität zu bewahren. Das ist jedenfalls das anspruchsvolle Ziel, das das Haus des Jugendrechts hat, das gestern im dritten und vierten Stock der alten Hauptpost in der Heilbronner Allee offiziell eröffnet wurde. Es ist nach Stuttgart, Mannheim und Pforzheim das vierte Projekt seiner Art der Justiz- und Ermittlungsbehörden in Baden-Württemberg. Im Haus des Jugendrechts arbeiten seit Anfang September 14 Polizisten, Staatsanwaltschaft, städtisches Jugendamt und Jugendrichter Hand in Hand, um junge Straftäter zurück auf den rechten Weg zu bringen. Die kurzen Wege lassen eine schnelle Reaktion zu. 

Mehr Effizienz und Nähe

So können lange Verfahren vermieden werden. "Läuft nachts irgendetwas auf, können wir uns schon morgens zusammen an einen Tisch setzen und überlegen, was wir machen können“, erklärt Hausleiter Dieter Ackermann die Idee. Der schnelle Informationsfluss funktioniert gut“, sagt der Beamte, der bei der Kriminalpolizei den Arbeitsbereich Jugend leitete. Hemmende Bürokratie falle weg. "Das Flurtelefon ersetzt zum Beispiel die Anträge auf Prüfung eines Sachverhalts, die wir früher stellen mussten“, so Ackermann. Alle erhoffen sich so mehr Effizienz und Nähe zum – wenn man so will – Kunden, dem jugendlichen Delinquenten. Ackermann rechnet mit rund 1000 Fällen pro Jahr.

Die Erwartungen in Heilbronn sind nach den guten Erfolgen des Hauses in Stuttgart, das als Pilotprojekt 1999 startete, groß. Zwar nehme die Jugendkriminalität statistisch ab, berichtet Landespolizeipräsident Gerhard Klotter bei der Hauseinweihung. "Doch der Umgang mit den jungen Menschen ist schwieriger geworden.“ Mit dem Jugendrechthaus würden Berührungsängste abgebaut. "Junge Täter fühlen sich mitgenommen. Mit dem Konzept können wir Rückfallquoten reduzieren.“ Klotter unterstreicht, dass "hier nicht die Straftat, sondern der Täter im Mittelpunkt stehen muss“. Hilfsangebote könnten schon früh greifen. Maßnahmen "erfolgen lebensnah und individuell“.

"Quantensprung"

Für Oberbürgermeister Harry Mergel passt das Haus zum Heilbronner Weg. "Ziel ist, dass alle Kinder die gleichen Lebenschancen bekommen, egal welcher Herkunft sie sind.“ Amtsgerichtspräsident Till Jakob verbindet mit dem Projekt die Innovationskraft der Gerichte. Das Haus in Stuttgart sei längst eine Marke geworden. Laut Frank Rebmann, Leiter der Staatsanwaltschaft, sei nun "eine maßgeschneiderte Reaktion möglich, die den Jugendlichen gerecht wird“. Die Ermittlungen "werden gestrafft und konzentriert“. So könne die Strafe auf den Fuß folgen, wie es ja eigentlich auch sein sollte. Für Polizeipräsident Hans Becker ist das Haus des Jugendrechts gar ein "Quantensprung“ mit einer "ganzheitlich, kreativen Arbeitsweise“. Vom Haus sollten weitere vorbeugende Impulse ausgehen. Angedacht seien Jugendschutzstreifen.

Vor der Eröffnung hatte es heftige Kritik innerhalb der Polizei gegeben, weil die 14 Beamten, die jetzt im Haus arbeiten, zum Beispiel im Revier Heilbronn fehlen. "Die Beamten nehmen ja auch Fälle mit, ich erwarte mir durch das Haus Entlastungseffekte“, sagt Becker. Ein erster Anlauf für das Projekt war 2010 noch am Personalmangel der Polizei gescheitert. Die Personalausstattung ist heute kaum besser.

 

 

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