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Tohuwabohu Luther zu Ehren

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Springt da nicht der Dr. Luther mit Barett und schwarzem Umhang durch die Nacht und spielt Fangen? Vor und in der Alten Kelter ist Trubel. Lauter gut gelaunte Leute in einem Riesendurcheinander. Laut, stickig, auf den ersten Blick irgendwie unübersichtlich. Das reinste Tohuwabohu. Luther zu Ehren stellen Mönchsee-Gymnasiasten und ihre Lehrer eine kleine Reformationsfeier auf die Beine. Dabei geraten sie vom 100. ins 1000., wie einst der gute Luther, von dem diese schöne Redewendung stammt. Sie stehen zwar nicht, sondern wirbeln temperamentvoll durcheinander. Doch sie können nicht anders. Ganz Deutschland feiert ein Jahr und länger Reformationsjubiläum. Das Mönchsee-Gymnasium Heilbronn stemmt die 500 Jahre an einem Abend. 

Auf Luthers Spuren

Natürlich gehörte Martin Luther nicht nur dieser Abend. Seit Schuljahresbeginn befanden sich Kinder und Jugendliche aus allen Jahrgangsstufen (außer den Anfängern) auf Luthers Spuren: in Deutsch und Kunst, Religion, Geschichte und Musik ersannen sie ihre Programmbeiträge und studierten sie ein. Axel Grau, der aus allem dann ein stimmiges Luther-Mosaik zusammensetzte, gesteht offen, doch ein Lutherjahr hinter sich zu haben.

Da sind die Siebtklässler von Charlotte Häusinger. Sie setzen Luthers Leben in kurze Szenen, inklusive demonstrativem Thesenanschlag. Ihre Neuner stanzen einen Luther-Rap. Die Anfänger im Seminarkurs Darstellendes Spiel entfachen in Straßenaufläufen Reformationsstimmung: "Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Allein durch Gnade, allein durch die Schrift. Aufmerksam haben Schüler nach Luther-Wörtern und Sprichwörtern gesucht: Ihre Fundstücke präsentieren sie als Klappkarten an der Wand. Lästermaul und Lückenbüßer haben ihnen gefallen. Genauso: etwas ausposaunen, ein Machtwort sprechen, der Wolf im Schafspelz.

Licht und Schatten

Mit Franziska Heyer haben Neuntklässler im Kunstunterricht Bilder von Lucas Cranach und Co. nachgestellt und sich so in andere Zeiten eingefühlt. Die Fotos sind bezaubernd: Frau Luther, Katharina von Bora, mit Haube und roter Bauchbinde. Ein Gelehrter mit Buch und Stift. Auch das: Martin Luther King mit großer Geste.

Christiane Eitzenhöffer und Agnes Karasek singen mit den Gymnasiasten Luther-Lieder, die die Kinder fremd anmuten: "Aus tiefer Not schrei ich zu dir“, zum Beispiel. Was evangelischen Kirchgängern geläufig und selbstverständlich ist, lernen die Gymnasiasten als unsere, von Luther geprägte Kultur kennen. Damit der Herr Luther nicht zum Säulenheiligen erstarrt, mischt Axel Grau dem allgemeinen Lobgesang ein paar kritische Töne bei. Der Reformator war eben nicht nur der selbstbewusste Verteidiger von Freiheit und Gewissen, sondern auch ein Bauern- und Judenfeind und machtberauschter Glaubensdespot

 

 

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