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Schüler bringen Stolpersteine zum Glänzen

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Es ist Freitagmorgen kurz nach 8 Uhr, noch duster und es regnet. Doch das macht den 17 Schülern der Klasse 10d des Hohenlohe-Gymnasiums Öhringen (HGÖ) nichts aus. Zusammen mit ihrer Lehrerin Anja Szkalski haben sie sich bei den Stolpersteinen von Dr. Julius Merzbacher und seiner Frau Hilde vor dem Haus Marktstraße 3 versammelt. Hier lebte einst der jüdische Arzt mit seiner Ehefrau, bevor beide ab 1933 von den Nationalsozialisten geschmäht, entrechtet, verfolgt, deportiert und 1943 in Majdanek ermordet wurden. Zwei Stolpersteine erinnern an ihr Schicksal, genau wie 38 weitere kleine Mahnmale für die von den Nazis ermordeten jüdischen Opfer aus Öhringen, die vor deren einstigen Wohnhäusern über das ganze Stadtgebiet verteilt sind. 

In Schuss-Haltung der Stolpersteine

2011, 2013 und 2017 hat der Kölner Künstler Gunter Demnig die Messingsteine verlegt. Sie sollen die vorbeilaufenden Menschen erinnern, zum Nachdenken anregen und mahnen. Doch im Lauf der Monate wird das Messing unansehnlich, die Schrift ist nur schwer zu lesen. So wollen die HGÖler, die derzeit im Geschichtsunterricht eine Ausstellung "Die Öhringer Juden in der NS-Zeit“ vorbereiten, an diesem Morgen 20 Stolpersteine mit Lappen und Messing-Putzmittel wieder auf Hochglanz bringen. Die anderen 20 haben bereits einen Tag zuvor 30 Schüler der Klasse 10a der Öhringer Realschule um ihren Lehrer Martin Lerchenfeld gereinigt. Und alle haben dabei einiges über das Leben und den grausamen Tod der jüdischen Bürger Öhringens erfahren.

Dass die Öhringer Schüler kurz vor den jüdischen Erinnerungstagen im November die Stolpersteine wieder zum Glänzen gebracht haben, freut besonders auch den Arbeitskreis ehemalige Synagoge Öhringen im Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie, Sektion Hohenlohe/Franken. Zum vierten Mal organisieren die neun Mitglieder die mehrtägige Reihe zu einstigem und heutigem jüdischem Leben, Geschichte, Religion und Kultur. Auftakt ist wie in jedem Jahr die Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht am 9. November 1938. In Zusammenarbeit mit dem ökumenischen Arbeitskreis und unter Mitwirkung von Zehntklässlern der Realschule Öhringen, Pfarrer Dr. Jörg Dinger mit Konfirmanden und Pastor Martin Brusius von der evangelisch-methodistischen Kirche trifft man sich am Donnerstag, 9. November, 18 Uhr im Kreuzgang der Stiftskirche an den Gedenktafeln für die ermordeten Juden. Dann geht es gemeinsam in die Marktstraße zu den Stolpersteinen des Ehepaars Merzbacher. Dort wird Vereinsmitglied Kurt Steinbacher über das Schicksal der Familie und die Zerstörung der Öhringer Synagoge sprechen. In deren ehemaligen Räumlichkeiten in der Unteren Torstraße 23 gibt es dann bei Tee und Gebäck noch die Möglichkeit zum Gedankenaustausch. 

Vorträge zum Gedenken

Die ehemalige Synagoge, heute Haus der Jugend, ist auch der Ort für die weiteren Veranstaltungen. Bereits am Freitag, 10. November, schließt sich um 19.30 Uhr ein musikalisch-literarischer Abend über das Thema "Jüdischer Widerstand“ an. Gestaltet wird er wie in den Vorjahren von Schülern, ehemaligen Schülern und Lehrern der Richard-von-Weizsäcker-Schule.

Was es mit dem Spruch "Da geht’s zu wie in einer Judenschul’“ auf sich hat, will der Abend am Dienstag, 14. November, ab 19.30 Uhr klären. Vereinsmitglied und Pfarrerin Karina Müller-Aichelin wird über das religiöse Lernen und das Verhältnis von Torah, Talmud und heiliger Schrift sprechen. Auf die Spurensuche der Öhringer Familien Thalheimer haben sich die Vereinsmitglieder Eva Diem und Dieter Kaufmann begeben. In ihrem Vortrag mit Bildern am Donnerstag, 16. November, 19.30 Uhr werden sie über das Schicksal der vier Brüder und ihrer Familien sprechen. Während einem Teil der Familien die Emigration in die USA gelang, fiel der andere der Mordmaschinerie der Nazis zum Opfer. Abschluss der vierten jüdischen Erinnerungstage wird am Sonntag, 19. November, um 15.30 Uhr ein Vortrag von Dr. Wolfgang Haible über das Leben und Wirken der Geschwister Bertha und August Thalheimer aus Affaltrach, Landtags- und Reichstagsabgeordnete der Weimarer Republik, sein. 

 

 

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