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Tipps für die Bühne

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Sie sind 13 junge Leute zwischen 16 und 24 Jahren. Deutsche ebenso wie Menschen mit Migrationshintergrund. Was sie zusammenbringt, ist die Begeisterung fürs Theater. Ein Workshop bietet ihnen Gelegenheit, Schauspiel-Erfahrungen zu sammeln. Erstmals veranstaltet das Eppinger Figurentheater einen Jugendtheater-Tag. Zwei junge Leute sitzen sich auf Stühlen gegenüber. Sie dürfen aber nur einen Satz sagen: "Du hast eine blaue Hose an.“ Aus wenigen Worten entwickelt sich eine Szene. Aufgabe der Akteure ist es, zu variieren, verschiedene Emotionen zu zeigen und sich dazu auch zu bewegen. „Das ist eine Herausforderung“, sagt die freischaffende Theaterpädagogin Julia Moosmann aus Frankfurt, die den Kurs leitet.

Phantasie freien Lauf lassen

Improvisieren, spontane Ideen einbringen, der Phantasie freien Lauf lassen, sich körperlich und durch die Stimme ausdrücken – das sollen die Teilnehmer an diesem Samstag. Einige sind schon auf der Bühne gestanden, andere gar nicht. "Das merkt man am Anfang ein bisschen“, schildert Julia Moosmann. Dehnen, strecken: Verkrampfungen löst sie zunächst mit kleinen Lockerungsübungen. Die Kursleiterin setzt auf Spiele, die Freiraum lassen, aber ihre Regeln haben. Alle stehen im Kreis. Einer in der Runde beginnt mit einer Geste und einem Geräusch. Der Nächste muss beides steigern, größer und lauter machen.

"Eigentlich waren nachher alle gut dabei und haben sich etwas getraut“, zeigt sich die 27-jährige Kursleiterin zufrieden. In Ludwigsburg hat sie Kultur- und Medienbildung studiert, an der Theaterakademie in Mannheim ein Jahr im Fach Schauspiel belegt und unter anderem an der Jungen Bürgerbühne in Heidelberg gearbeitet.
Den Anstoß für die Veranstaltung hat das Eppinger Jugendzentrum gegeben. Der Treff kam auf das Figurentheater zu. "Da fehlt die große Bühne, um spielen zu können“, erläutert Leiterin Heidi Callewaert-Zotz. Gerne griff das Theater die Idee auf und machte einen Thementag daraus. Workshops in Schauspiel und Tanz – und als Höhepunkt am Abend die Premiere des Stücks "...und wenn Heimat?“ Hier thematisiert das Theatergruppe des Jugendzentrums Flucht und Vertreibung, Hoffnung, Verzweiflung und Integration. 

Jugendtheater-Festival

Wichtige Tipps für die Aufführung hat sich Hauptdarsteller Santi beim Workshop geholt. Der 23-jährige Informatiker ist aus Syrien gekommen, lebt seit zwei Jahren in Deutschland und wohnt in Eppingen. "Theater ist ein kleines Hobby“, erzählt er. Für ihn sei es wichtig, Leute kennenzulernen, "damit ich meine Sprache verbessern kann“. Der Workshop mit Julia Moosmann hat ihm sehr gut gefallen. "Sie hat mich motiviert“, betont Santi in astreinem Deutsch.

Eine Improvisationskurs, in dem es darum geht, reagieren zu können – das war die Zielrichtung des Figurentheaters. Heidi Callewaert-Zotz: "Die müssen keine Shakespeare-Monologe aufführen.“ Vielmehr habe die Kursleiterin versucht, sehr stark in die Körperlichkeit zu gehen. Macht der Jugendtheater-Tag Lust auf mehr? "Jetzt kriegen wir das erst mal über die Bühne“, will Theaterleiter Thomas Zotz in Ruhe überlegen und dann entscheiden. Zwölf Plätze und 13 Teilnehmer im Schauspiel-Workshop: Das Interesse sei da, findet seine Frau. "Das motiviert uns natürlich.“ Grundsätzlich sei das Figurentheater immer offen für solche Veranstaltungen und nicht abgeneigt, sie zu wiederholen. Heidi Callewaertz-Zotz vermag sich sogar ein Jugendtheater-Festival in Eppingen durchaus vorzustellen: "Das könnte funktionieren.“ 

 

 

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