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Lass uns die Giraffe satteln

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Schon einmal von Loranga gehört? Dem knuffigen Loranga, der mit seinem Sohn Lollipop in einem abgewrackten Haus irgendwo in Schweden haust? Nein? Wirklich nicht? Das Haus selbst wäre jedenfalls kinderleicht am fehlenden Dach zu erkennen, jüngst wurde es von der Hausgiraffe weggefuttert. Loranga selbst erkennt man an seiner gemütlichen Faulheit: Er würde halt lieber nicht arbeiten müssen, weil er dann mit seinem Sohn in der Küche Hockey spielen könnte. Mit Tomaten, versteht sich, sie geben so einen schönen Matschlaut von sich. Fantastisch, surreal, anarchisch? All das ist die Geschichte aus den späten 60er Jahren ganz zweifellos, die einst von Barbro Lindgren-Enskog – nicht verwandt und nicht verschwägert mit der großen Astrid – für Kinder geschrieben worden ist und wie jede gute Kindergeschichte auch bei älteren Semestern verfängt. 

Loranga und Lollipop

Twens, die in der Boxx einfach nur feiern möchten. Fourty-Somethings, die sich bei einem Gläschen Wein, beseelter Musik von DJ Jean-Sol Partre und gedämpften Licht auf den Sofas unterhalten möchten, Theaterfans aus der Generation 70 plus, die neugierig sind auf das neue Theaterformat  "Boxx@Night“ , ein später Nachkömmling aus der Generation der "Nachtschatten“-Partys. Lang, lang ist’s her. 
Doch vor der Party geht es erst einmal in die Boxx, die Schauspieler Tobias D. Weber für diese Nacht gekapert hat. Vor vielen Jahren, bei einem Engagement am Theater Chemnitz, hatte er die anarchische Geschichte "Loranga, Lollipop und lauter Tiger“ schon einmal als Live-Hörspiel auf die Bühne gebracht. Jetzt hat er sie für seine Kollegen Stella Goritzki, Gabriel Kemmether, Frank Lienert-Mondanelli, Oliver Firit und Sascha Kirschberger neu eingerichtet. An Arbeitstischen sieht man sechs Schauspieler in einträchtiger Runde: Sahne sprühen, Rohre malträtieren, Türe knarzen lassen. Es muss viel gewerkelt werden bei so einem Live-Hörspiel. Einsprechen schön und gut, auch das Einsingen von Pausenmusik, darunter die schrecklich schöne deutsche Interpretation "Tanze Samba mit mir“, ein Hit von Raffaella Carrà: geschenkt.

Hintersinnige Anarchie

Bei den Geräuschen wird’s schon kniffliger. Die Giraffe, die eigentlich gerade gesattelt werden sollte, knuspert gerade das Dach weg, was tun? Was tun, wenn man seinen Freund vor den Tigern retten möchte? Gemach, gemach: Auch Tiger müssen schlafen. 

Es ist eine Schau. Wie die ganze Geschichte von Loranga (Tobias D. Weber), einem der interessantesten Arbeitsverweigerer seit Herman Melvilles "Bartleby“, süchtig macht. Wenn Barbro Lindgren-Enskog (1937) einen Dieb höflich anfragen lässt, ob er jetzt, da er schon einmal da sei, vielleicht etwas stehlen dürfe, dann ist auch das Publikum geneigt, aufzuhorchen. Doch Papa Loranga hat so seine ganz eigenen Einsichten, wenn er seinen noch nicht gar so lässigen Sohn Lollipop (Gabriel Kemmether) zur Räson ruft. "Reg dich nicht auf, es ist schließlich sein Beruf“, so seine Einschätzung. Und an den Dieb gewandt: Er möge das Diebesgut bitte am nächsten Sonntag retour bringen.

Die Situation ist von so einer hintersinnigen Anarchie, die Lust macht: Verwirre deinen Nächsten, sei widerständig. Ein köstlicher Gesprächsstoff für die Party danach.

 

 

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