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Ein Interview mit Fil tha Elephant

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Zum achten Gebot hat Martin Luther geschrieben, "dass wir unseren Nächsten nicht verraten, verleumden oder seinen Ruf verderben, sondern Gutes von ihm reden sollen."

Martin Luther und die Bibel ist gegen Mobbing, oder? 

Fil tha Elephant: 200 % Prozent Zustimmung ja, weil wir nicht schlecht oder falsch von unserem Nächsten reden sollen sondern weil wir unseren Nächsten lieben sollen und zwar wie uns selbst. Sowohl Selbsthass wie auch Mobbing sind in der Bibel. 

Jesus hat mit denen gefeiert auf die keiner geachtet hat und hat, und  ihnen einen VIP Status gegeben. Wenn wir nicht anfangen, jeder mit seiner persönlichen Art und Leidenschaft, die Welt um uns herum zu SEHEN und zu handeln- wer sonst könnte das tun? Wie siehst du das? 


Fil tha Elephant: Wenn es jemanden gibt im Laufe der Menschheitsgeschichte der Menschen bedingungslos geliebt hat, dann war es Jesus, und er hat es vorgemacht. Das ist uns als Christen ins Stammbuch geschrieben, für Menschen da zu sein. Sein Erbarmen galt speziell Menschen die woanders nicht die Anerkennung hatten. Das ist unser Job, er ist unser Herr, er ist unser Vorbild. Da haben wir nachzulaufen. Das ist unser Ding. 

Zachäus in der Bibel: Weil er klein gewachsen ist, hat er wegen des Menschenauflaufs aber keine Chance, Jesus zu sehen. Natürlich hat von den anderen auch niemand ein Interesse, den verhassten Oberzöllner nach vorne durchzulassen. Gibt es auch heute noch Menschen die bildlich gesehen bei Christen beziehungsweise in der Gemeinde auf einem Baum sind?


Fil tha Elephant: Zachäus steht ja noch für mehr als nur für einen kleinen Menschen. Den halten ja alle für einen ganz schrecklichen Sünder, für einen ganz schlimmen Menschen. Hassen ihn sehr weil er gerade der Mafia-Oberpate von Jericho ist. Ich glaube, es gibt viele Menschen, die in vielen christlichen Kirchen Schwierigkeiten haben würden. Zum Beispiel wenn ich zu rechts- oder linkslastig bin. Viele Gemeinden haben auch noch mit Homosexuellen ihre Schwierigkeiten. Doch es gibt Leute die halten wir immer noch für das personifizierte Böse und würden sie aus unsere Gemeinden draußen halten wollen, was meines Erachtens nicht die Art von Jesus ist. 

Was können Betroffene bei Mobbing tun? Welche praktischen Ratschläge kann man Mobbingopfer geben? 

Fil tha Elephant: Ich bin kein Psychologen oder Sozialarbeiter. Bin ich leider nicht. Das beste was man immer tun kann ist: Bete und hole dir Hilfe. Wende dich an Vertrauenslehrer oder gehe ins Internet und hole dir da Hilfe. Und bete - du bist nie allein. 

Die Gruppe die Mobbing erst ermöglicht, ist die schweigende Mehrheit, die zuschaut. Sie sehen das was geschieht und unternehmen nichts. Einfach nur wegschauen löst das Problem nicht. Hat jeder die Kraft der Zivilcourage? Oder was meinst du?

Fil tha Elephant: Das Problem ist genau dieses. Nicht die Menschen die das Böse tun, sondern die Ganzen, die das ignorieren und einfach wegschauen. Es ist Feigheit, aber es ist unangebracht. Wenn eine Mobbingsituation stattfindet, dann ist der feigste Mensch im Raum der Täter, der es nötig hat sich am Schwachen zu vergreifen anstatt am Gleichstarken. Und der zweitschwächste Mensch im Raum sind die, die wegschauen, die Angst haben, sich in diese Situation einzumischen. Die sind sich einfach zu gut dazu. Das ist auch ein Zeichen von großer Schwäche. In unserer Wahrnehmung denken wir oft, das Opfer sei der Schwächste. Die Leute die so in einen Scheiß reingekommen sind, sind später oft die Leute die Menschen ganz anders mittragen können. 

Schüler werden gemobbt von anderen Mitschülern. Zum Teil so massiv, so brutal und kriminell, dass es sich ältere Generationen schwer vorstellen können. Wo man früher jemand in den Schwitzkasten nahm und raufte, da wird heute von mehreren auf am Boden Liegende eingetreten. Woher kommt die ganze Aggression? 

Fil tha Elephant: Das "Woher“ dürfen gerne Menschen beantworten, die sich wissenschaftlich damit befassen. Ich weiß auch nicht immer, ob es früher "besser“ war. Ich weiß noch, dass ich einmal den Film "Krieg der Knöpfe“ gesehen hatte. Der ist ziemlich alt und noch in Schwarzweiß. Ich war schon erstaunt von der Brutalität. Vielleicht ist es auch so, dass viele sich heute erstaunt über die Gewalt (die sie in den Medien sehen) zeigen, weil sie früher eher mal weggeschaut haben, wenn in ihren Reihen jemand ausgegrenzt und unterdrückt wurde? 

Gibt es bei dir Leute die nicht in dein Schema passen, um die du einen weiten Bogen machst?

Fil tha Elephant: Nein, eigentlich nicht.

Es gibt auch Ausgrenzung und Mobbing unter Christen. Wir, die an Jesus glauben, sind leider auch nicht die besseren Menschen. Da dürfen zum Beispiel in einen Jugendkreis keine gemeindefremden Jugendliche kommen, weil man Sorge hat, dass die frommen Jugendlichen dann wegbleiben. Oder gemeindefremde Kinder dürfen nicht mehr zu einem Kindergottesdienst kommen, weil sie nicht alle Regeln einhalten, die man in christlichen Kreisen so macht. Wie stehst du dazu?

Fil tha Elephant: Ich bin froh um jede Gemeinde, wo das nicht so ist. Das sind meines Erachtens auch die meisten. 

Es ist manchmal herausfordernd für so manchen Christen, aus den Kirchen herauszuspazieren und draußen Liebe zu versprühen, anstatt nur drinnen. Kümmern sich die Christen zu sehr um ihre eigenen Probleme? 

Fil tha Elephant: So verallgemeinernd würde ich das ungerne sagen. Manchmal glaube ich sogar, dass die Menschen lieber draußen "Liebe versprühen“, als in ihren Kirchen, wo es manchmal doch ein bisschen leer ist. Grundsätzlich ist "Liebe versprühen“, also lieben, helfen, andere wahrnehmen und eigene Ressourcen und Zeit teilen, immer eine Herausforderung. Aber eine, die sich lohnt. So verändere ich die Gesellschaft und so gewinne ich Menschen für Jesus

Leider sehen es einige Lehrer immer noch nicht als ihren Job an, sich mit den potenziell auftretenden zwischenmenschlichen Schwierigkeiten in ihrer Klasse auseinander zu setzen. Manche von ihnen sehen ihre Aufgabe allein in der Wissensvermittlung. 
Ein gutes Klassenklima ist die wichtigste Voraussetzung für gute Lernleistung. Oder was denkst du? 

Fil tha Elephant: Ich bin kein Pädagoge. Wahrscheinlich ist die Lernbereitschaft des Einzelnen auch wichtig und es gibt sicher auch noch mehr Voraussetzungen. Aber grundsätzlich gilt, in der Klasse, der Firma oder der Familie: Ein gutes Gemeinschaftsklima trägt durch viele Situationen. Ein schlechtes Gemeinschaftsklima macht krank und unproduktiv.

Verletzte Menschen verletzen andere. Gewalt entsteht durch eigene Verletzungen, die nicht vergeben wurden. Wer nicht vergeben kann, lässt sich von Wut und Hass treiben. Wer vergeben kann, ist frei. Mobber wollen ihr schwaches Selbstvertrauen kompensieren. Oder wie siehst du das? 

Fil tha Elephant: Oft führen eigene Verletzungen tatsächlich dazu, andere zu verletzen. Manchmal gibt es zum Glück auch Ausnahmen. Menschen, die im Schmerz erst verstehen, wie schlecht es anderen Menschen geht. Ich glaube, aber auch hier bin ich kein Wissenschaftler, viele, die Mobbing betreiben, verstehen sich selbst nicht als "Mobber“. Es fehlt ein grundsätzliches Verstehen, dass jeder Angriff auf die Würde eines Anderen schlimm ist. Nicht erst, wenn der Andere unter der Last zusammenbricht.

Interview mit der Jugendzeitung

Die Muswiese in Rot am See-Musdorf ist eine Hohenloher Herzensangelegenheit seit Jahrhunderten. Wer einmal da war, kommt mit Sicherheit immer wieder. Ein Höhepunkt dieses Jahr war auch der Auftritt des christlichen Hip Hop Künstler Fil tha Elephant auf der Muswiese. Jugendliche aus Ingelfingen und Niedernhall durften nach seinem Auftritt ein Interview mit ihm für eine Jugendzeitung führen.

Fil und andere Rapper machen Gospelrap. Rap, der von Jesus erzählt, der predigt, direkt, ehrlich, provokant. Verträgt sich das mit dem kommerziellen Hip Hop, der für viele vor allem bedeutet, andere möglichst krass und direkt zu beleidigen? Fils Texte entstehen in Gebeten, Begegnungen, in der stillen Zeit. Andere weisen auf Ungerechtigkeit in unserer Welt hin. Der Song "We are N“ entstand aus der Wut und Trauer über die Christenverfolgung in arabischen Ländern. Der Song will ein Zeichen für Solidarität geben. Rap ist für ihn Identität, Fil da Elephant ist auch Fan von Martin Luther.

 

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Hasnain Kazim liest in der Stadtbibliothek im K3 Heilbronn aus „Mein Kalifat“.