Stimmt.de

Titelseite.indd
Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Fashion oder Statement?

zurück zur Übersicht

Girl Power, Femme vibe oder Feminist: Wohl kaum ein Modetrend ist so aussagekräftig und bedeutungsvoll wie der aktuelle. Auch in der Heilbronner Innenstadt ist er angekommen. Von Shirts, Pullis und Jacken sämtlicher Labels schreit es uns in Großbuchstaben entgegen: Girls can do it. Doch was steckt hinter den Aussagen?

Ursprung

Vorreiterin war Modedesignerin Maria Grazia Chiuri, die Feminismus auf Shirts ihrer ersten Frühjahr-/Sommer-Kollektion 2017 für Dior thematisierte. Vom Laufsteg fand der Slogan "We should all be feminists“ schnell seinen Weg zu Stars wie Jennifer Lawrence oder Rihanna. Die prominenten Frauen zeigten sich mit den T-Shirts stolz in der Öffentlichkeit. Frauenrechte als weltweiter Trend? "Der Feminismus ist mittlerweile keine kleine politische Nische mehr, sondern eine breite Massenbewegung“, schreibt dazu die Modezeitschrift Vogue. "Zu seiner Popularität hat auch die Mode beigetragen, die sich seit dieser Sommersaison besonders outspoken in diesen Belangen zeigt.“

Der Wandel hin zu einem Feminismus 2.0, der schon vor einiger Zeit durch moderne, starke Frauen wie Emma Watson begann, ist nun also in der Mode angekommen. Aber ist es nicht merkwürdig, dass sich mit solchen Shirts plötzlich Mädchen und Frauen als Frauenkämpferinnen bezeichnen, die diesen Begriff bis vor kurzem höchstens mit einer total veralteten Bewegung rückschrittlicher, vollkommen überempfindlicher Frauen und BH-Boykotts in Verbindung brachten. Chantal Louis, Redakteurin des deutschen Feminismusmagazins Emma meint hingegen, dass mehr dahintersteckt und es "den Trägerinnen sicher nicht nur um das Design“ geht.

Louis nennt den "Backlash“, also das momentane "Zurückspringen“ zu vergangenen Ideen und Wertvorstellungen, als Grund für den Hype und erklärt: "Die Modeindustrie greift Trends dann auf, wenn sie sicher sein kann, dass es dafür einen Absatzmarkt gibt. Und offenbar ist der lange so verpönte Feminismus gerade wieder dabei, hip zu werden.“ Vielleicht auch deswegen, weil diese neue Art des Feminismus weiter geht als der Wunsch nach "grundlegender Veränderung der gesellschaftlichen Normen“, die ihm der Duden zuschreibt. Emma Watson beispielsweise definiert jeden als Feministen, der für Gleichberechtigung steht. Und genau daran knüpft auch Louis an: "Gerade junge Frauen dachten offenbar lange, dass Gleichberechtigung ein selbstverständlicher Zustand ist.“ Durch Sexisten wie Donald Trump werde jedoch deutlich, "dass Frauenrechte etwas sind, worum man kämpfen muss, wenn man sie behalten will. Das scheinen junge Frauen wieder zunehmend zu begreifen.“

Überzeugung

Zumindest Marieke Josupeit aus Neuenstadt scheint der Redakteurin Recht zugeben. Die 17-Jährige steht vollkommen hinter der Message "Power to the girls“: "Es ist einfach so wichtig, dass sich Frauen gegenseitig helfen. Auch, um gemeinsam für Frauenrechte in anderen, weniger entwickelten Ländern wie Indien zu kämpfen.“ Dass Deutschland eine Frau als Bundeskanzlerin hat, findet die Schülerin aus dem Ortsteil Kochertürn  schon "sehr, sehr gut“. "Es geht einfach darum, dass Frauen und Männer gleichgestellt sind und sich auch in unserer Gesellschaft als gleichwertig erachten. Sexismus ist leider immer noch ein großes Thema und es ist Aufgabe des Feminismus, das zu ändern,“ führt Marieke weiter aus und eifert mit diesem Tatendrang ihrem Idol Emma Watson nach.

Auch Emilie Preiß, ebenfalls aus Neuenstadt, kann sich mit dieser Bewegung junger, starker Frauen bestens identifizieren. Dem Aufdruck ihres Shirts misst sie außerdem noch eine andere, nicht unwichtige Bedeutung zu: "Der Spruch "Not your princess" bedeutet für mich so viel wie "Ich gehöre dir nicht" oder "Ich bin nicht dein Eigentum". Jede Frau und jeder Mann sollte selbst und eigenständig Entscheidungen treffen dürfen und hierfür auch respektiert werden.“ Daraus begründet auch das selbstbewusste Motto der 16-jährigen Schülerin aus dem Ortsteil Cleversulzbach: "Ich gehöre nicht dir, es sind mein Leben und meine Entscheidung.“

Inspiration durch Social-Media-Kanäle

Doch natürlich stehen nicht alle in dieser Form dem modernen Feminismus nahe. Joana Spindler aus Hardthausen beispielsweise gibt zu, den Pullover in erster Linie wegen des Designs gekauft zu haben. "Dass da "Power“ draufsteht, finde ich trotzdem gut. Schließlich ist es das, was jede Frau will – stark sein,“ sagt die 18-jährige Schülerin.

Auch die 22-jährige Sarah Oberleiter ist mit ihrem "GRL PWR“- Shirt voll im Trend. "Ich habe mir das Longshirt gekauft, weil es mir optisch sehr gut gefallen hat,“ berichtet die Lehramtsstudentin aus Bretzfeld und erzählt außerdem: "Mir war zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, dass es die Botschaft einer aktuellen Frauenbewegung trägt. Im Nachhinein finde ich die Idee, die hinter dem neuen Mode-Trend steht, super. Er bietet eine einfache Möglichkeit, zu signalisieren, dass Frauen stark sind und sich nicht verstecken müssen." Inspiriert werden viele Mädchen, die man derzeit mit solchen Shirts auf der Straße sieht, auch durch Social-Media-Kanäle wie Instagram. Der Hashtag #Girlpower ergibt über sieben Millionen Treffer und auch #feminism findet sich unter mehr als fünf Millionen Beiträgen.

 

 

 

 

 

 

Galerien

Regionale Events

Digitale Azubimesse

Mehr als 50 Unternehmen stellen von 14. bis 20. Februar ihr Aus- und Weiterbildungsangebot digital vor.

Neuer Impfpunkt

Die Stadt Heilbronn ergänzt ihr Impfangebot um die Harmonie.