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Einer, der ganz genau hinschaut

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Ein bisschen verwundert war er schon, als er sich seinen Workshopteilnehmer in spe so anschaute. Eine Kamera hatte der junge Syrer Mahmoud Daoud nämlich nicht dabei. Ob er vielleicht etwas falsch verstanden hatte? Wäre ja immerhin möglich gewesen, so lange war sein potenzieller Schützling ja noch nicht im Lande. Klaus Schaeffer, der im Kunst- und Kulturwerkhaus Zigarre ein kleines (Foto-)Atelier unterhält, fragte nach. Diskret aber konsequent versuchte er der Geschichte hinter der Geschichte auf den Grund zu gehen. Der pensionierte Gymnasiallehrer kann gut mit jungen Menschen.

Künstler ohne Kamera

Doch Daoud, 22, blieb dabei. Ja, strahlte Mahmoud Daoud seinen Mentor an, er wolle an diesem Workshop unbedingt teilnehmen. Das heißt: zugucken wolle er, mitlaufen. Fotografieren eher nicht. Dazu bräuchte er Ruhe und Konzentration.

So passierte es dann auch im Herbst 2016. Daoud marschierte mit, wenn sich die zehn, in Spitzenzeiten auch einmal 15 Teilnehmer auf die Tour durch Heilbronn machten: Den Fluss entdeckte er dabei und die Kilianskirche, die Straßenschluchten und die Cafés. "Er ist ein Einzelgänger“, sagt Klaus Schaeffer heute mit durchaus ironischem Unterton, ein liebenswerter, stiller Einzelgänger, der nicht viele Worte verliert, auch nicht in der Zigarre.

Nun präsentiert er seine Arbeit

Positiven Input brachte Daoud in die Gruppe von jungen Geflüchteten aus aller Welt ein. Nach Gruppenausstellungen in der Zigarre und im Rathaus zeigt Mahmoud Daoud nun seine Arbeiten im Bistro K2acht der Zigarre, in einer kleinen Einzelausstellung.

Etwas muss der junge Syrer aus Damaskus ziemlich richtig gemacht haben, konstatieren Klaus Schaeffer und Miriam Wilke unisono, die den Workshop zusammen mit Klaus Koppal und Mia-Maria Jäger betreut haben. Hausaufgaben etwa, die wurden Mahmoud Daoud, der in seiner Heimat gerade ein Medizinstudium angefangen hatte, sorgfältigst vorgelegt. Fotografie um Fotografie präsentierte er. Was man von anderen Teilnehmern nicht unbedingt behaupten konnte. Tut was, das war das Motto seiner Mentoren im Workshop.

Vermeintliche Statussymbole

Und Mahmoud Daoud tat. Machte sich, zwischen den Sprachkursen und dem Bewerbungsmarathon um einen Studienplatz in Medizin, mit Heilbronn und seinen Plätzen vertraut. Die Fotografie entpuppte sich genau als jene Ablenkung, die sich Daoud, der inzwischen in Flein lebt, erhofft hatte. Doch nicht unbedingt die Käthchenstadt als solche war es, die den Twen interessieren sollte. Vermeintliche Statussymbole wie schnelle Autos haben es ihm angetan, einen guten Blick für den Bildausschnitt beweist Daoud im K2acht in seinem etwas anderen Triptychon der Moderne.

Makrofotografien von Wassertropfen 

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung sind Makrofotografien, berückend schöne Nahaufnahmen von Wassertropfen etwa, die gerade im Begriff sind zu fallen. Fotografisches Grundwissen sollte man mitbringen, sind sich Daoud und seine Mentoren einig. Denn so ganz einfach herzustellen sind sie nicht, diese kleinen Preziosen. Nahlinsen werden dazu gebraucht und ein Umkehrring.

Immer noch kein Studienplatz

Doch vorläufig muss sich Mahmoud Daoud um ganz andere Dinge kümmern, eine Tatsache, die den stillen jungen Mann durchaus bekümmert: Immer noch ist kein Studienplatz in Sicht und die 700 Euro, die er für Bewerbungsunterlagen ausgegeben hat, sind kein Pappenstiel.

 

 

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