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Geliebtes Stiefkind der Stadt

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Nicht zum ersten Mal rücken die Menschen in der Bahnhofsvorstadt in den Fokus der Stadtplaner. Schon in den vergangenen Jahrzehnten wurden Millionen aus verschiedenen Fördertöpfen im Stadtteil verbaut. Bunt ist er immer geblieben. Aber eben trotzdem auch ein bisschen heruntergekommen. Mit anderen Worten: Es gibt noch Potenzial. Dieses will eine Initiative nun nutzen – zum Wohle der ganzen Stadt. Aber auch zum Wohle der Bewohner

Rattenplage Mitte der 70er Jahre

Ein Blick zurück: Als Mitte der 70er Jahre eine Rattenplage in der Bahnhofsvorstadt drohte, richtete sich der Blick auf verwahrloste Grundstücke mit allerlei Schrott und Müll. Damals reifte wohl auch im Rathaus ganz langsam die Überzeugung, dass das Quartier etwas mehr Aufmerksamkeit verdient.

Zufällige Mischung

Eine Studie wurde in Auftrag gegeben. 1979 stellte diese dem Viertel ein denkbar schlechtes Zeugnis aus: "Heute weist die Bahnhofsvorstadt alle Merkmale der problematischen City-Randzonen auf. Der Anteil alter Menschen, der Sozialhilfeempfänger, Ausländer und insbesondere von Ausländerkindern ist hoch. Prostitution kommt hinzu.“ Die "zufällige Mischung“ verschiedener Nutzungsarten verursache gegenseitige Beeinträchtigungen. Heute ist die Durchmischung geschätzt. Immerhin: Schon damals legte die Stadt Wert auf die Feststellung, dass die Bewohner auch nach Beendigung der Sanierungsmaßnahmen in ihrem Quartier verbleiben können.

1982 titelte die Heilbronner Stimme dann: "Bahnhofs-Vorstadt soll aufpoliert werden“. Über das "Wohnumfeldprogramm“ wurden in den Folgejahren insgesamt acht Millionen Mark investiert. In ein Viertel, das nach dem Krieg "immer ein Stiefkind“ geblieben war, so die Einschätzung des damaligen Stimme-Redakteurs Siegfried Schilling.

"Ökologische Erneuerung" Ende der 80er

Im weiteren Verlauf der 80er Jahre gab die Stadt rund 20 Millionen Mark allein für Grundstückserwerb aus. Sie versuchte so, zur Neuordnung etwas beitragen zu können. Ende der 80er Jahre dann ein neuer Ansatz. Die "ökologische Erneuerung“ der Bahnhofsvorstadt stand an, der Versuch, "ein Stück Natur in die Stadt hereinzuholen“. Viele Firmen waren ins neue Industriegebiet Böllinger Höfe umgesiedelt. Abermals machten sich die Stadtoberen Gedanken über den künftigen Mix: Die "Farbigkeit der Bahnhofsvorstadt“ sollte erhalten bleiben, das Sanierungsgebiet nicht zum "Spekulationsfeld verkommen“. Finanziell wurde geklotzt. Bund, Land und Stadt stellten 18 Millionen Mark bereit, die am Ende nicht reichten.

Für Studenten noch nicht hip genug

Die Stadt investierte weiter, etwa in die "Zigarre“. Doch Verwaltung und Gemeinderat richteten ihr Augenmerk in den vergangenen 20 Jahren verstärkt auch auf andere Ecken. Nordstadt und Südstadt waren an der Reihe. Die Bahnhofsvorstadt bekam zwar schmucke Ränder, ein belebtes Kneipenviertel, eine aktive Künstlerszene. Doch für Studenten ist sie bis heute nicht hip genug, als Aushängeschild einer modernen, stolzen "Wissensstadt Heilbronn“ taugt sie nicht.

Schwarmstadt soll junge Menschen anlocken und halten

Angetrieben vom Stadtmagazin Hanix und begleitet durch die DHBW hat sich nun eine Gruppe auf den Weg gemacht, die Bahnhofsvorstadt zum "urbanen Testlabor“ für eine "Schwarmstadt Heilbronn“ zu machen. Junge Menschen sollen nicht nur angelockt, sondern dann auch in einer lebenswerten Stadt gehalten werden. Doch beim Wörtchen „Testlabor“ drängt sich die Frage auf, ob die Betroffenen dieses Tests als Probanden zur Verfügung stehen.

Ingrid Wegerhoff, die als Bildungsreferentin im Heinrich-Fries-Haus vieles mitbekommt, was im Umfeld läuft, ist überzeugt: "Die Anwohner mögen das Viertel so, wie es ist.“ Das doch sehr "unkonventionelle“ Fest der Vielfalt sei ein Beispiel dafür, was aus dem Quartier heraus entstehen könne.

Die Stadt Heilbronn ist offen

Bei der Stadt Heilbronn steht man der Schwarmstadt-Initiative offen gegenüber. Direkt beteiligt ist sie noch nicht. Roswitha Keicher, Leiterin der Stabsstelle Partizipation und Integration, hält eine Befragung der Bewohner der Bahnhofsvorstadt grundsätzlich für sinnvoll. "Wenn man auf uns zukommt, wird die Stadt ihre Hilfe gerne anbieten.“ 

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