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Mehr als eine Radtour

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Wenn Ortwin Czarnowski mit mehr als zwei Dutzend Schülern und einer Handvoll Erwachsenen mit dem Fahrrad nach Berlin aufbricht, dann ist das mehr als eine sportliche Reise. Bei dem Olympia-Teilnehmer von 1968 in Mexiko stehen immer auch Geschichte, Politik und der Umweltgedanke auf dem Plan.

Neun Tage und vier Tagesetappen

Auch mit 78 Jahren führt der gebürtige Tempelberger und heutige Leingartener weiterhin das "rollende Klassenzimmer“ an. Mit 29 Kindern im Alter zwischen zehn und 15 Jahren – aus Leingarten, Schwaigern und Heilbronn – sowie fünf Erwachsenen rollte der Express wie seit 14 Jahren schon in die deutsche Hauptstadt. Immer in der letzten Woche vor den Sommerferien.

Die neuntägige Reise begann mit einer Zugfahrt von Heilbronn nach Dresden. Auf vier Tagesetappen mit insgesamt 290 Kilometern ging es bei Temperaturen von über 30 Grad über Riesa, Torgau, die Lutherstadt Wittenberg bis nach Berlin. Und nach einem zweitägigen Kulturprogramm in der Hauptstadt mit dem Zug wieder zurück nach Heilbronn. 

115 Kilometer

"Mir hat die Fahrt mit dem Rad durch Berlin am besten gefallen“, sagt der elfjährige Felix. Für den 14-jährigen Ole, der wegen eines Herzfehlers bereits drei Herz-Operationen über sich ergehen lassen musste, waren die vielen verschiedenen Orte, aber auch der Besuch im Kanzleramt am schönsten. 115 Kilometer waren auf der längsten Etappe zu absolvieren. Der 14-Jährige kam damit klar: "Das war schon okay. Und es war gut, dass wir an diesem Tag drei Pausen gemacht haben.“

Eskorte mit der Polizei

Auf einem elf Kilometer langen Streckenabschnitt von Wittenberg in Sachsen-Anhalt bis zur Landesgrenze nach Brandenburg half sogar die Polizei aus und führte die Radler auf der Bundesstraße, auf der es keinen Randstreifen gab, per Eskorte weiter. "Eine Alternativstrecke verlief teilweise auf sandigem Boden, und das wäre schwierig geworden,“ erzählt der frühere Lehrer Ortwin Czarnowski.

"Es herrschte eine tolle Stimmung und es war schön zu sehen, wie die Kinder auf der Reise immer mehr zu einer Einheit zusammengewachsen sind“, stellt Oles Mutter Andrea Sanwald, die auf dem Tandem mit ihrem Sohn dabei war, fest. Es gab wenig, was auf dieser Tour nicht rund lief. Ein junges Mädchen war, ohne es zu merken, rund 15 Kilometer mit einem Platten gefahren. Dann wurde das Rad geflickt, und es konnte wieder weitergehen.

Viel gelernt

"Die Kinder haben sicherlich mehr gelernt als in den letzten drei Schultagen vor den Ferien“, ist Andrea Sanwald, Lehrerin an der Eichbottschule, überzeugt. Im Programm waren Stadtführungen, Gespräche mit Bürgermeistern, Besuche im Berliner Kanzleramt und im Umweltministerium sowie der ehemaligen Berliner Mauer.

Außerdem lernten die Schüler, was man auf einer solchen mehrtägigen Radtour essen und trinken sollte. Und in der Kirche in der Lutherstadt Wittenberg haben die Kinder eine Andacht gestaltet. Für Ortwin Czarnowski steht fest: "Diese Reise war mehr als eine Radtour.“

 

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