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Vorgetäuschte Vergewaltigung

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Der aktuelle Fall um einen frei erfundenen sexuellen Übergriff am Heilbronner Hauptbahnhof zeigt, wie schwierig es auch für die Ermittler der Kriminalpolizei sein kann, die Glaubhaftigkeit einer Person zu überprüfen – und welche Folgen ein Zeugenaufruf haben kann, wenn unklar ist, ob sich eine Tat wirklich ereignet hat oder nicht.

Mutmaßliche Täter

Die 20-jährige Frau hatte den Ermittlern gegenüber zwei "arabische“ Männer als mutmaßliche Täter beschrieben. Prompt verbreiteten rechtsextreme Onlineportale die Nachricht. Einige andere Medien, große und als seriös geltende, titelten Überschriften wie "Fahndung! Frau in Heilbronn von zwei Männern vergewaltigt“ oder "Schrecklich! Unbekannte zerren Frau in Auto und missbrauchen sie“. Die Heilbronner Stimme titelte "Zeugenaufruf für mutmaßliche Sexualstraftat“ und übernahm im Wesentlichen die Polizeimeldung.

Beamte belogen

Im ursprünglichen Zeugenaufruf von Polizei und Staatsanwaltschaft zum erfundenen Geschehen wird häufig der Konjunktiv und das Wort "mutmaßlich“ verwendet. Die Ermittler hatten früh Zweifel. Dennoch kann der Aufruf so gelesen werden, dass eine solche Tat stattgefunden hat. So lautet die Überschrift der Pressemitteilung: "Hinweise nach Sexualstraftat gesucht“. Man sei verpflichtet, bei einem solchen Anfangsverdacht tätig zu werden, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft – unabhängig vom Ergebnis der Ermittlungen. Zudem war nach Angaben der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet worden. Wie sich im weiteren Verlauf herausstellte, widersprachen Zeugenaussagen den Schilderungen der Frau. Der von ihr genannte Aufenthaltsort zum angeblichen Tatzeitraum stimmte nicht mit den Aussagen von Zeugen überein, die die Frau im genannten Zeitraum am Bahnhof gesehen haben. Die Frau musste schließlich einräumen, alles erfunden und die Ermittler belogen zu haben.

Die Verkürzung in Überschriften wird immer wieder zum Problem im Zusammenhang mit dem Vorwurf von Übergriffen. 2016 gab es einen ähnlichen Fall in Flein. Damals berichtete auch unsere Zeitung von einer "Vergewaltigung in Flein“. Dieses Mal schrieb die Heilbronner Stimme, dass eine Frau ausgesagt habe, Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden zu sein. Die Frau in Flein hatte persönliche Probleme als Motiv angegeben; das Motiv der Frau, die jetzt den Vorfall am Hauptbahnhof erfand, nennt die Polizei bewusst nicht, zum Schutz der Frau. Das Strafmaß für das Vortäuschen einer Straftat liegt zwischen einer Geldstrafe bis hin zu einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Abschreckung

Oft geht es vermeintlichen Opfern um den Wunsch nach Aufmerksamkeit oder Erklärungsnot gegenüber Eltern oder Partner. Da dies unter psychischen Problemen einzuordnen ist, bleiben die Strafen nach Einschätzung von Ermittlern in der Praxis gering. Ermittler kritisieren das, denn der Aufwand sei in solchen Fällen oft immens. Die größte Abschreckung wäre es ihrer Ansicht nach, den Polizeieinsatz in Rechnung zu stellen und dies bei Einkommensschwachen beim Amtsgericht einzuklagen. Strafbemessungen seien sehr individuell "und nicht zu pauschalisieren“, sagt dazu der Sprecher der Heilbronner Staatsanwaltschaft.

 

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