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Von der Moral zu der Geschicht’

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Der Ton ist zu leise, die Filmfreunde beim Open-Air-Kino in der Heilbronner Genossenschaftskellerei unterhalten sich lautstark. Bis plötzlich das Atomkraftwerk Neckarwestheim auf der Großleinwand auftaucht, und die Menge verstummt: Dass der Kurzfilm "Gespalten“ ein ernstes Thema aus der Region behandelt, ist auch ohne Ton sofort klar.

Ein Autobiografischer Film 

Ein junger Naturfotograf dreht einen Film über einen jungen Naturfotografen: Lukas Gawenda aus Löwenstein hat in seinem Erstling die eigene Biografie verarbeitet. Die filmische Hauptfigur Lucas ähnelt ihm nicht nur beim Vornamen: Der fiktive Lucas (Philipp Liebl) arbeitet in der Heilbronner Werbeagentur, in der Lukas Gawenda selbst schon Praktika gemacht hat. Der fiktive Lucas fährt stundenlang mit Fahrrad und Kamera durch die Natur, immer auf der Suche nach den besten Motiven – genau wie Lukas Gawenda.

Der fiktive Lucas steht eines Tages vor einem Gewissenskonflikt: Soll er seiner Moral folgen oder den Weisungen seines Arbeitgebers (Ulf Lehner), der ihn mit einer Imagekampagne für ein Atomkraftwerk beauftragt hat?

Abschlussarbeit des Studiums

Es sind die Themen, die den Fotografen und Filmstudenten Gawenda oft beschäftigt haben. Der 22-Jährige hat schon für "National Geographic“ und "GEO“ fotografiert und studiert Multimedia und Kommunikation an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Ansbach.

Im vergangenen Jahr musste er als Abschlussarbeit seines Schwerpunktbereiches einen Kurzfilm zum Thema "Verpasste Chance“ drehen. Die Herangehensweise, die der Dozent den Studenten aufgab, war ungewöhnlich: Statt mit einer Geschichte zu beginnen, sollten sie sich erst eine Moral ausdenken. "Etwas, das man dem Zuschauer als Nachricht mitgeben will“, erklärt Gawenda. Seine Moral: die Selbstachtung. Wem gegenüber ist man am meisten verpflichtet – den Freunden, dem Arbeitgeber oder sich selbst?

Der Realitätsbezug endet beim Drehbuch

Nachdem die Grundfrage klar war, sollten die Studenten ihre Charaktere formen und dabei die eigene Persönlichkeit als Inspiration verwenden. "Der Vorteil davon ist, dass die Hauptfigur sehr realitätsnah ist, und man sich gut hineinfühlen kann“, sagt Gawenda. Der Realitätsbezug endet aber beim Drehbuch: Werbefotos für Atomstrom musste Gawenda selbst nie machen. "Aber in der Kreativbranche fragt man sich schon bei jedem Auftrag: Kann ich das mit meiner Ethik vereinbaren?“ Der Film gibt darauf nach rund einer Viertelstunde eine klare Antwort.

In drei Tagen gedreht

Gedreht wurde "Gespalten“ im vergangenen Sommer in nur drei Tagen. "Beim nächsten Mal würde ich ein bis zwei Tage mehr kalkulieren“, sagt Gawenda. Nicht alles hat auf Anhieb geklappt. Obwohl das Team sich um 4 Uhr morgens auf den Weg nach Neckarwestheim machte, wirkte die Morgensonne im Film wie am späten Nachmittag.

Als Gawenda eine Mahnwache vor den Toren des Atomkraftwerks inszenierte, kam sogar eine Polizeistreife vorbei. Die Beamten fuhren aber beruhigt weiter, als sie sahen, dass nur ein Film gedreht wurde. Einige Szenen bewertet Regisseur und Produzent Gawenda im Nachhinein kritisch. "Manches ist zu plakativ dargestellt, wir waren einfach ein paar Stunden im Verzug.“ Für die Umstände sei er vom fertigen Film aber "positiv überrascht“.

Bemerkenswerter Soundtrack

Als Student allerdings lernt er an der Uni viel zu wenig, Dialoge zu schreiben. Das in der Tat merkt man dem Film in manchen Szenen an, dafür überzeugt "Gespalten“ mit schönen Landschaftsbildern und starken Nahaufnahmen. Auch bemerkenswert: der Soundtrack, den die mit Gawenda befreundete Filmmusik-Studentin Lara Frank für "Gespalten“ komponiert hat. Der kommt dann auch richtig zur Geltung, nachdem die Techniker des Open-Air-Kinos die Tonprobleme behoben haben.

 

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