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In zehn Minuten zum Job

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Adriana Kolarek ist aufgeregt. Fünf Gespräche wird die 18-Jährige, die in Kroatien aufgewachsen ist, führen. An der Sprache liegt es nicht, denn sie steht kurz vor dem Abitur an einer deutschen Schule in ihrer Heimat. "Alle hier sind sehr nett.“ Nett müssen die Personaler auch sein, denn sie wollen Kolarek und acht weitere Abiturienten von Auslands-Schulen überzeugen, ein duales Studium in Deutschland zu beginnen. Zwar könnte die 18-Jährige auch zu Hause Logistik studieren, "aber die Karrierechancen in Kroatien sind schlecht“. 

Speed-Dating mit den Personalern

Vier Wochen sind die jungen Erwachsenen aus Bulgarien, Polen, Ungarn, Rumänien und Italien nach Bad Mergentheim an die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) gekommen. Dort haben sie Unternehmen aus der Region besucht, ein Bewerbertraining absolviert und Studiengänge präsentiert bekommen. Die Bewerbungsgespräche in Form eines Speed-Datings sind der Abschluss des Bewerberseminars. Nur zehn Minuten hat jeder pro Unternehmen.

Kombination aus Deutsch und Fremdsprache ist gesucht

Um die künftigen Studierenden zu rekrutieren, sind etwa Kaufland, EBM-Papst, Roto, VS-Möbel und Tec-Alliance nach Bad Mergentheim gekommen. Jeder von ihnen will mit den neun Kandidaten sprechen. Denn sie sind gut ausgebildet. An deutschen Schulen haben sie in ihrer Heimat Deutsch gelernt. Viele begleitet die Sprache schon ihr ganzes Leben. Jetzt stehen sie kurz vor dem Abitur und sollen danach das duale Studium anfangen.

"Studierende sind bei uns quasi schon Mitarbeiter“, sagt eine Personalerin. Die Schwarz-Gruppe ist dieses Jahr zum ersten Mal dabei. "Wir lassen uns überraschen“, sagt die Kaufland-Recruiterin Janet Rückert. Das Zehn-Minuten-Gespräch sei ein "erstes Kennenlernen“. Wenn es gut läuft, folgt ein zweites Gespräch. Gefragt seien in Neckarsulm vor allem die, die angewandte Wirtschaftswissenschaften oder Betriebswirtschaftslehre studieren wollen. Die Chancen stehen gut, dass aus dem Studium eine Festanstellung wird, denn die Kombination aus Deutsch und Fremdsprache ist gesucht. "Gerade Osteuropa ist für uns sehr interessant, da suchen wir immer nach Menschen, die die Landessprache beherrschen“, sagt Rückert

Die Vermittlungsquote ist hoch

Kaum sind die ersten Schüler aus dem Speed-Dating zurück, tauschen sie sich aus. Wie war es? "Das war wie ein Gespräch unter Freunden“, sagt einer. Die Vermittlungsquote des Bewerberseminars ist laut DHBW hoch. Jeder Zweite erhält von den Unternehmen ein Angebot. Mehr als 90 Prozent würden nach Ende des Studiums übernommen. Roto hat so bisher vier internationalen Studierenden ein Angebot gemacht, bei Tec-Alliance waren es sieben. "Wir schauen, wer zu uns passt. Nicht jeder will Informatik studieren“, erklärt Jürgen Weiland von Tec-Alliance.

Die Reaktionen der Bewerber

Für Stanimir Terziev aus Bulgarien war Informatik studieren eigentlich das Ziel. Nun will er Wirtschaftsingenieurswesen belegen, weil ihm die Präsentation gefallen hat. "Das ist spannend und passt zu mir.“ Aufgeregt berichtet er von seinen Gesprächen. Die Chancen seien sehr gut, sagt er. Als der Bulgare seiner Familie erzählt hat, dass er nach Deutschland gehen möchte, war diese begeistert.

Das duale Studium in Deutschland habe viele Vorteile, sagt er. "Nicht nur das Geld, sondern auch die Mitarbeit im Unternehmen ist wichtig. Nur wenn man dort ist, kann man verstehen, wie das Unternehmen arbeitet.“ Ob er zum Arbeiten in Deutschland oder seiner Heimat bleiben möchte, darauf hat sich der 17-Jährige noch nicht festgelegt. "Dazu bin ich zu jung. Das muss ich jetzt noch nicht wissen“, sagt er. 

Noch nicht überzeugt ist Leonardo Garatti. Der 18-Jährige möchte zwar Wirtschaft studieren, aber nicht als Hauptfach. "Eigentlich will ich noch Politik dazunehmen.“ Dennoch sei das Seminar für den Italiener interessant gewesen. "Es war ein guter Einblick.“ Nach Deutschland will er immer noch. "Nur meine Freunde sagen mir immer, ich soll lieber in Italien bleiben.“

 

 

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