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Tragisches Unglück

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Die Sonne sticht vom Himmel, Rufe wabern fröhlich übers Wasser. Vordergründig erinnert an diesem Spätnachmittag nichts mehr an das Unglück, bei dem am 29. Juli ein sechsjähriger Junge aus dem Kreis Schwäbisch Hall im Neumühlsee ertrunken ist. Doch in den Gedanken der Badegäste, die mit ihren Kindern am See sind, ist das Ereignis präsent: "Ich war selbst an diesem Tag hier, als es passiert ist“, sagt Melanie Grochalsky, Hausmutter beim örtlichen Albert-Schweitzer-Kinderdorf

Bewusstsein für Unfälle

Während sie erzählt, lässt sie den Blick nicht vom Wasser gleiten, wo ihre sieben Schutzbefohlenen gerade so fröhlich planschen – der Tod des kleinen Jungen hat nicht nur ihr nochmals eindrücklich bewusst gemacht, wie schnell etwas passieren kann. Offenbar nur kurz hatten die Eltern des Kindes nicht aufgepasst, der DLRG-Rettungsschwimmer war bereits Minuten vorher pünktlich zum Dienstschluss abgerückt.

Niemand trägt die Schuld

Direkt nach dem Unfall hatten Polizei und Staatsanwaltschaft angekündigt, Ermittlungen zu möglicherweise verletzter Aufsichtspflichten anzustellen. Nun – rund einen Monat später – sind diese Prüfungen abgeschlossen: Gegen die Waldenburger DLRG-Ortsgruppe wurde kein Strafverfahren eingeleitet. Die Aufsicht war ordnungsgemäß bis 18 Uhr am See präsent – wie es die Vereinbarung mit der Stadt vorsieht. 

Gegen die Eltern des verstorbenen Jungen hatte die Staatsanwaltschaft zunächst ein Verfahren wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung geführt, dieses wurde aber mittlerweile eingestellt, wie die Polizei Heilbronn auf Nachfrage bestätigt. "Alles in allem war es ein sehr tragisches Unglück“, sagt Polizei-Pressesprecher Achim Küller. Auch zu den Hintergründen und dem genauen Unfallgeschehen sind mittlerweile Details bekannt: Anders als es der Vater des Jungen unmittelbar nach dem Unglück gegenüber der Polizei angegeben hatte, war sein Sohn keineswegs ein "geübter Schwimmer“ – sondern konnte überhaupt nicht schwimmen. Warum der Vater diese Aussage damals so getätigt hatte, ist unklar.

Hilfe kam zu spät

Ebendies erklärt aber auch den ermittelten Unglückshergang: An der Grenze zwischen Nichtschwimmer- und Schwimmerbereich – die Wassertiefe beträgt hier nach Recherchen unserer Zeitung stellenweise 1,40 Meter und der Untergrund fällt unmittelbar danach recht steil ab – ist der Junge laut Polizei "in eine Untiefe geraten, untergegangen und beim Versuch, sich mit den Füßen mehrmals wieder vom Untergrund emporzudrücken, immer weiter in den See abgerutscht“. Rund 15 Minuten war das Kind unter Wasser, ehe es von Helfern geborgen und reanimiert werden konnte. Zu lange jedoch, um zu überleben: Es starb später im Krankenhaus.

Auch zu der Zeit, die verging, bis der Notarzt vor Ort war, herrschten zunächst unterschiedliche Angaben. Von "30 Minuten“ sprachen einzelne Badegäste. Mittlerweile scheint jedoch festzustehen, dass die Angabe der Rettungsleitstelle – eine knappe Viertelstunde – zutrifft.

Konsequenzen 

Ein Zeitrahmen, den auch Kinderdorf-Mutter und Augenzeugin Melanie Grochalsky gegenüber unserer Zeitung bestätigt. Wie haben ihre Pflegekinder auf den Tod des Jungen reagiert? "Die Kinder waren sehr traurig, und wir haben das zum Anlass genommen, mit ihnen nochmals genau die Baderegeln zu besprechen.“ 

Alsbald sprechen auch die DLRG und die Stadt Waldenburg über mögliche Konsequenzen aus dem Badeunfall, wie DLRG-Chef Wolfgang Steiner berichtet. Was könnte getan werden? "Eventuell werden wir die Beschilderung um Piktogramme ergänzen“, sagt Bürgermeister Markus Knobel.

Eine deutliche Verbesserung in Sachen Sicherheit der Badegäste könnte indes auch sein: Es gibt am See einen Defibrillator – allerdings befindet sich dieser in der Wachhütte der DLRG und ist somit auch nur zu den bewachten Badezeiten erreichbar. Jener „Defi“ soll möglicherweise nun im Freien angebracht werden, um den lebensrettenden Schockgeber im Ernstfall auch garantiert nutzen zu können.

 

 

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