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Ins Gespräch kommen

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Kerzenschein taucht die Torbögen des Schlosses von Eyb in romantisches Licht. Am Himmel funkeln einzelne Sterne. Es ist eine klare, ungewohnt kalte Nacht. Kein Wunder, dass sich die Open-Air-Kino-Besucher in Decken mummeln. Während zarte Töne einer Violine über den Schlosshof klingen, blicken sie auf die große Leinwand, die vor der Außenfassade des Schlosses aufgestellt ist. 

Internationales Buffet

In Kooperation mit dem Freundeskreis Asyl und dem Kinomobil Baden-Württemberg e.V. lädt Arnulf Freiherr von Eyb zum Filmabend in den Dörzbacher Schlosshof ein. Und noch bevor mit Einbruch der Dunkelheit der Dokumentarfilm "Der Klang des Lebens“ beginnt, hat der Freundeskreis Asyl, der seit dem Herbst 2015 aktiv ist, gemeinsam mit den Flüchtligen ein internationales Buffet vorbereitet, das aller Augen zum Leuchten bringt. 

"Wir wollen, dass die Menschen ins Gespräch kommen“, sagt Meinhard von Eyb, während das Buffet noch aufgebaut wird. Er kümmert sich bereits seit Jahren um die Technik des Kinoabends im Rahmen der Schubertiade. Und tatsächlich: Mit der Eröffnung des Buffets kommen die Gespräche gleich noch viel besser in Schwung. Mexikanische Fleischbällchen, Tortellinispieße, Spinatfrischkäserollen, syrisches Gebäck oder Kuchen warten auf die zahlreichen Besucher, und für jeden ist an diesem Abend etwas dabei.

Der Hit des Abends: Pakora mit Minzsoße. Das aus Indien und Pakistan stammende Gericht besteht aus Kartoffeln, die von einem Teig aus Kichererbsen umhüllt und anschließend in heißem Fett ausgebacken werden. Es sorgt dafür, dass die hungrigen Gäste an der Fritteuse Schlange stehen. "Da muss man ja mehrmals hingehen“, findet Arnulf von Eyb. "Das ist ja zu köstlich.“ 

Ein Film über Flucht und Vertreibung

Im Film über den Geiger Daniel Hope geht es um Flucht und Vertreibung, wie sie viele Gäste des Abends erlebt haben. Auch wenn sie seit über zwei Jahren in Deutschland leben, werden sie nicht müde, ihre eigenen Geschichten und Erfahrungen zu erzählen. Ghassan (36) und seine Frau Rasha (33) kommen regelmäßig zu den Treffen des Freundeskreises Asyl, so auch an diesem Abend. Ihre fast zweieinhalb Jahre alte Tochter Shaam spielt mit anderen Kindern, während Ghassan von seinem früheren Leben in Syrien erzählt.

Bomben haben den Lagerraum zerstört

"Ich bin Schneider von Beruf und hatte eine Firma mit 35 Personen und 23 Maschinen“, sagt er. Er berichtet, wie Lieferungen in andere Städte immer schwieriger wurden, wie eine Bombe den Lagerraum der Stoffe zerstörte und wie nach dem Bombenangriff die Nähmaschinen gestohlen wurden.

Nach der Flucht lebt Ghassan nun gemeinsam mit seiner Familie seit knapp drei Jahren in Deutschland. Jeden Mittwochabend bietet er seine Nähkünste im Dörzbacher Gemeindehaus an. Der Freundeskreis Asyl unterstützt die ausländischen Mitbürger in allen Lebensbereichen.

In der neuen Lebenswelt angekommen

Marc Hoffmann, Integrationsmanager in Dörzbach, kümmert sich um die Anerkennung von Dokumenten, bei der Jobsuche oder Vertragsschließungen. "Viel ist auch Beziehungsarbeit“, erzählt er. Die Flüchtlinge seien in vielen Bereichen unsicher. Er könne dann Impulse setzen und informieren. Für Menschen, die in ein unbekanntes Land kommen, sei die Unterstützung ein großes Geschenk.

"Ich hatte viel Glück im Leben. Da kann ich auch etwas abgeben“, erklärt Brigitte Metterer, warum sie sich im Freundeskreis Asyl engagiert. 

Viele Flüchtlinge sind inzwischen in ihrer neuen Lebenswelt angekommen. Die 23-jährige Najah die vor den Bomben aus Kobane an der Grenze zur Türkei geflohen ist, hilft nun gerne im Dörzbacher Altenheim mit.

Die Suche nach Identität und Heimat

Als die Dämmerung einbricht, lauschen die Zuschauer den Worten von Daniel Hope, Sohn eines regimekritischen Schriftstellers, der 1975 aus Südafrika ins Exil fliehen musste und seit 2016 erster Solist und Musikdirektor des renommierten Zürcher Kammerorchesters. Auch seine Geschichte ist geprägt von Flucht, Vertreibung und der Suche nach Identität und Heimat. Die Bilder der Leinwand spiegeln sich in den Fenstern des Schlosshofes, und obwohl alle so viel zu erzählen haben, wird es jetzt ganz still

 

 

 

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