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Wo Schule besser ist als Ferien

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Wer in den Ferien die Akademie für Innovative Bildung und Management (AIM) in Heilbronn betritt, versteht kein Wort. Ein wildes Sprachenwirrwarr klingt durch die Aula, vermischt mit Torjubel und Siegesschreien. Eine Gruppe von Kindern steht um einen Tischkicker – Syrer, Iraner, Rumänen, ganz egal. Bei der Sommerschule der AIM haben sie ein gemeinsames Ziel: Noch einmal den Schulstoff auffrischen, bevor die Ferien vorbei sind. Und in der Pause so viele Tore wie möglich erzielen. 

Verschiedene Sprachniveaus

Bereits zum dritten Mal veranstaltet die AIM in Kooperation mit dem Kultusministerium die einwöchige Sommerschule in Heilbronn. 23 Kinder und Jugendliche nehmen teil, normalerweise besuchen sie Vorbereitungsklassen oder sind seit Kurzem im Regelunterricht. Diese Woche kommen sie täglich zur AIM und absolvieren in Kleingruppen je eine Doppelstunde Deutsch, Mathe und Englisch

"Das Deutschniveau der Kinder variiert“, erklärt Frederike Streese von der AIM, die die Sommerschule organisiert hat. Manche sind schon vor drei Jahren als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen und sprechen bereits flüssig, andere sind erst wenige Monate hier. Auch bei den Englischkenntnissen gibt es große Unterschiede, hier fangen einige Schüler komplett bei null an. So wie der 13-jährige Mohamad: In Syrien, wo er bis vor zwei Jahren gelebt hat, hatte er keinen Englischunterricht.

Spaß am Lernen

Nach zwei Tagen Sommerschule kann er sich bereits auf Englisch vorstellen und im Restaurant einen Salat bestellen. "Ich bin hergekommen, weil ich etwas lernen will“, sagt Mohamad. Es mache ihm viel Spaß, die Lehrer seien toll. "Das ist besser als Ferien, weil es hier nicht langweilig ist.“

Sein Sitznachbar Kasem pflichtet ihm bei. Der Elfjährige stammt ebenfalls aus Syrien und wird ab September die Realschule in Ilsfeld besuchen. "Wenn wir unter uns sind, reden wir Arabisch“, erzählt Kasem. "Aber hier sprechen wir Deutsch, damit alle etwas verstehen.“

Einen Aufsatz schreiben

Im Unterricht bei Sommerschul-Lehrer Michael Fois geht es aber vor allem ums Schreiben. Am ersten Tag übt Fois mit den Kindern einfache W-Fragen. "Wie heiße ich, wo komme ich her, was will ich werden“, erklärt Fois. "Und dann sage ich ihnen: Schreibt darüber.“ Während manche Kinder nur Stichpunkte zu Papier bringen, schaffen andere schon ganze Sätze.

Das Ziel der Woche: Eine kurze Beschreibung oder eine Erzählung. Mohamad möchte einen Aufsatz über Löwen schreiben, Kasem über Eisbären. Auf dem Weg dorthin üben sie mit Arbeitsblättern die deutsche Grammatik und lernen neue Wörter kennen, zum Beispiel Synonyme für das Verb "machen.“ 

Eine Herausforderung 

Andere sind noch nicht so weit: Die 14-jährige Julia aus Rumänien ist erst seit zwei Monaten in Deutschland, ihr Vater hat hier Arbeit gefunden . "Ich helfe, du hilfst, er hilft“, murmelt sie vor sich hin und markiert die richtigen Wortpaare in passenden Farben. "Ich spreche kaum Deutsch“, sagt sie.

Das ist für Lehrer Michael Fois eine Herausforderung: Er muss sich schnell auf die Kinder und ihre unterschiedlichen Vorkenntnisse einstellen. "Gerade die Mädchen bleiben eher für sich und sind ruhiger“, sagt Fois. Doch es gibt auch Ausnahmen: Beim Kickern in der Pause hat Julia gegen die Jungs ein Tor geschossen. Und laut gejubelt.

 

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