Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Angeklagter streitet Tat ab

zurück zur Übersicht

Die Hexen geben an, nichts mitbekommen zu haben. Der einzige Angeklagte streitet die Tat ab. Weitere Zeugen erinnern sich an Maskierte, aber nicht an konkrete Personen. Nach dem ersten Verhandlungstag im Hexenkessel-Prozess ist das Amtsgericht Heilbronn weit entfernt von einer Antwort auf die Frage, warum eine junge Frau beim Faschingsumzug in Eppingen vor zehn Monaten schwer verbrüht wurde.

Vorwürfe an Ermittler

Zum Auftakt der Verhandlung am Montag lässt der 33-jährige Angeklagte durch seinen Verteidiger alle Vorwürfe zurückweisen. "Es sitzt der Falsche auf der Anklagebank“, sagt Anwalt Manfred Zipper, der seinerseits der Staatsanwaltschaft nachlässige Ermittlungen vorwarf. Die Behörde habe "liederlich“ gearbeitet.

Man habe aus einer 19-köpfigen Gruppe "einen herausgepickt“, so Anwalt Zipper. Nur sei es eben nicht sein wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagter Mandant gewesen, der die 18-jährige Besucherin Anfang Februar beim Eppinger Nachtumzug über einen Kessel mit heißem Wasser gehalten habe.

Genau das wirft die Staatsanwältin dem 33-Jährigen vor. Er soll die Frau über den mit Holz befeuerten Bottich gehalten haben. Sie geriet mit den Beinen ins brühend heiße Wasser und zog sich Verbrennungen zweiten Grades zu. Zeugen aus dem Publikum sollen den Mann identifiziert haben. Woran genau sie ihn erkannt haben sollen, das bleibt am ersten Verhandlungstag offen. Auch die verletzte Frau, die vor Gericht als Nebenklägerin auftritt, erinnert sich nicht an Personen.

Narben bleiben

"Ich hatte das Gefühl, ich würde brennen“, schildert die 18-Jährige die Momente, nachdem sie schwer verletzt von einem Freund aus dem Kessel gezogen worden war. "Nervenaufreibend und schmerzhaft“ – so beschreibt sie die Zeit nach dem Unfall, als sie wochenlang in einer Spezialklinik behandelt wurde.

Eine Hauttransplantation war nötig, Gefäße waren verletzt. Bis heute habe sie Beschwerden beim Stehen. Die Narben werden wohl ein Leben lang bleiben. "Ich habe immer gern Kleider getragen“, sagt die 18-Jährige unter Tränen, „das geht jetzt nicht mehr.“

Es sei alles so schnell gegangen beim Umzug, erzählt sie. Ein Freund habe sie scherzhaft in Richtung der Hexen geschoben, ein Maskierter sie um die Taille, ein anderer an den Beinen gegriffen. "Auf einmal stand ich halt drin.“ Ob 43 Zeugen an zwei Verhandlungstagen Licht ins Dunkel bringen? Zu zwei Fraktionen gehören die Zeugen, die sich in Sitzungssaal 148 die Klinke in die Hand geben.

Fellmantel erkannt

Da ist die Gruppe um die 18-Jährige Frau aus Rheinstetten bei Karlsruhe. Alle waren sie beim Umzug dabei. Sie berichten in manchen Punkten übereinstimmend, was sich ihrer Ansicht nach in Eppingen zugetragen haben soll. So erklären mehrere Zeugen, einer der als Hexe maskierten Männer habe einen Fellmantel getragen, ein anderer eine rote Schürze. Mitunter offenbaren die Zeugen aber auch Erinnerungslücken, oder es zeigen sich Widersprüche – etwa wenn Anwalt Zipper hartnäckig nachfragt, welche Hexe was genau getan haben soll und wann.

Die andere Fraktion: Die Frauen und Männer der mittlerweile aufgelösten Faschingsgruppe "Bohbrigga Hexenbroda“ aus Kraichtal-Bahnbrücken, zu der auch der Angeklagte gehört hat. Sie geben in fast identischen Aussagen an, selbst nichts mitbekommen zu haben. Zum Teil hätten sie von den näheren Umständen des Unfalls erst "aus den Medien“ erfahren. Für den Kessel sei niemand speziell zuständig gewesen, das hätten die Männer abwechselnd übernommen. Beim Unfall war den Angaben zufolge keiner von ihnen dabei.

"Wer macht so was?“, fragt einer aus der Hexengruppe bei seiner Vernehmung und schiebt nach: "Wir nicht.“ Die Verhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt.

 

 

Galerien

Regionale Events