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Kurz-Praktikum in Leingarten

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Das Blech, der Reißzirkel, Körner, ein Maßband und ein Hammer liegen schon bereit. Die mit dem Zirkel abgenommene Länge muss genau stimmen, um den Kreis dann mit exakt dem richtigen Umfang in das Blech zu ritzen. "Ich mach' jetzt die erste Linie vor, den Rest machst du dann", gibt Marvin Hartl vor.

Kein kapitalistisches Denken

Der 23-Jährige macht eine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker bei der Firma Kurt Betz in Leingarten. Er zeigt David Golde-Leibbrand (17), der unter einer geistigen Behinderung leidet, den Umgang mit den Werkzeugen. Am Montag, zum Tag der Menschen mit Behinderung, öffnete das Unternehmen für Werkzeug- und Maschinenbau im Rahmen der Aktion "Mittendrin" drei Jugendlichen mit Handicap seine Tore. Neben Hartl betreuten noch zwei weitere Azubis die Jugendlichen.

Thomas Wörner, technischer Lehrer an der Kaywaldschule, findet den Aktionstag "Mittendrin" sehr sinnvoll. "Es ist toll, dass die Firma Betz sich so öffnet", meint er. "Diese eins zu eins Betreuung ist genial. Da stellen die einfach mal drei Azubis für einen ganzen Vormittag ab. Das ist praktizierte Nächstenliebe, nicht nur dieses kapitalistische Denken", so der Lehrer.

Soziale Kompetenz erweitern

Geschäftsführer Tobias Betz sieht das entspannt: "Davon profitieren beide Seiten", sagt der Geschäftsführer. "Für die Azubis ist das eine Möglichkeit, ihre Sozialkompetenz zu erweitern. Das bringt auch die Jungs weiter, sich mal mit Menschen zu beschäftigen, die ein bisschen anders sind." Und die jungen Männer beschäftigen sich sehr intensiv mit ihren Schützlingen.

Von der Konstruktion über die Fertigung bis hin zum Feinschliff, der teilweise noch mit Feilen in Handarbeit vorgenommen wird: Beim Rundgang durch die verschiedenen Abteilungen der Firma erklärt Marvin Hartl alles ganz genau und sehr plastisch. "Jetzt schau' mal hier rein, da wird das gesandstrahlt", zeigt er dem 17-Jährigen eine Maschine. "Es gibt feinen Sand für weichere Materialien und groben für die Härteren. "Das macht dann eine richtig schöne Oberfläche", so der Azubi.

Interessierter Praktikant

Wo es geht, darf der junge Praktikant auch selbst mit Hand anlegen. "Zieh' mal hier den Hebel nach hinten", fordert Marvin Hartl seinen Protegé auf. Der folgt der Anweisung gerne. Und auch wenn David Golde-Leibbrand die meiste Zeit nur schweigend mitgelaufen ist: Sobald "sein" Azubi mal ohne Kommentar an einer Maschine vorbeigeht, wird er sofort zurückgerufen: "Marvin, was ist das für ein Gerät", fragt der Schüler der Astrid-Lindgren-Schule in Neckarsulm.

Der Tag habe ihm Spaß gemacht, erzählt der Jugendliche: "Hier ist es viel besser als in der Schule." Seine Zukunft sehe er aber nicht in so einem Unternehmen. "Ich würde lieber Busfahrer werden", sagt er.

Beim praktischen Teil, bei dem mit Hilfe des sogenannten Reißzirkels und eines Körners verschiedene Kreise und Linien in ein Blech eingeritzt werden sollten, ist David Golde-Leibbrand von allen drei Praktikanten der Schnellste. "Ich hol mir eben die Raketen", kommentiert Marvin Hartl stolz.

 

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