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Automatisierung praktisch kennenlernen

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Auf den Tischen liegen Schraubenschlüssel, Kabel und Bauteile aus Holz. Jule (15) und Alicia (16) beraten gemeinsam, wie sie die bunten LEDs zum Leuchten bringen können. Acht Schüler der Oberstufe des Hartmanni-Gymnasiums in Eppingen bauen im Rahmen des technischen Seminarkurses eine kleine Nachbildung eines Industrieroboters, wie er bei Unternehmen wie Audi oder Binder zum Einsatz kommt. Um die Grundfunktion des Mikrocontrollers kennenzulernen, mit dem der Roboter gesteuert wird, sollen sie eine kleine Programmieraufgabe erledigen, bei der sie festlegen, wie schnell die LEDs blinken.

Roboter bauen leicht gemacht

Die Schüler sind 14 bis 17 Jahre alt und überlegen, was sie später einmal machen wollen. "Ich finde das super, dass man einfach ausprobieren kann, was einen interessiert, und ob man sich auch vorstellen kann, so etwas später beruflich zu machen", sagt Louisa (16). Die vier Jungen und vier Mädchen arbeiten konzentriert an ihren Robotern. Begonnen haben sie mit einem Bausatz und einer Anleitung.

Der fertige Roboter besteht aus einem beweglichen Greifarm mit drei Gelenken aus Holz. Am vorderen Ende ist ein Greifer aus Plexiglas befestigt, der so kräftig ist, dass er drei Schokoladentafeln anheben kann. Die vier Servomotoren, für jedes bewegliche Teil einer, setzen den Arm in Bewegung. Gesteuert wird er über den Mikrocontroller Arduino, einen kleinen Computer. Die Platine, über die der Greifarm gesteuert wird, haben die Schüler selbst gelötet.

"Das ist kein Spielzeug, sondern ein technisch anspruchsvolles Gerät", stellt Diplom-Ingenieur Peter Klaiber vom Verein Faszination Technik klar. Gerade in der sehr technisch orientierten Region Heilbronn sei es sinnvoll, Schülern einen Einblick in die Automatisierung zu ermöglichen.

Blickwinkel eröffnen

Am Beispiel des Roboters würden die Schüler sehen, was technisch machbar sei und im Anschluss oft eigene Ideen umsetzen. "Oft reicht eine einfache Anwendung als Initialzündung aus, um bei den Schülern Interesse zu wecken", sagt er über seine Motivation.

"Wir möchten Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich spielerisch mit dem Thema Technik auseinanderzusetzen", sagt Klaiber. Der ehemalige Dozent der Hochschule Heilbronn hat den Kurs konzipiert und betreut die Schüler beim Zusammenbauen der Roboter. Die Idee entstand durch ein Projekt seiner Studenten, das Klaiber weiternutzen wollte, um auch Schülern einen Einblick in Robotik und Automation zu geben.

Der Verein Faszination Technik organisiert diesen Workshop der Schüler-Ingenieur-Akademie (SIA). "Wir möchten den Schülern Blickwinkel eröffnen, die sie noch nicht kennen", sagt Klaus Jaißle, Projektleiter der SIA. Neben dem Roboter-Workshop vom Verein Faszination Technik, besuchen die Schüler die Hochschule Rosenheim und machen ein praktisches Projekt mit der Eppinger Firma Dieffenbacher.

Interesse wecken

"Mir gefällt der Workshop gut. Ich habe daheim schon mit Arduinos experimentiert", sagt Lucca (17), der sich vorstellen kann, später Informatik zu studieren. "Technik finde ich voll cool", sagt Jule (15). Ihr hat das Zusammenbauen des Roboters viel Spaß gemacht. Auch weil es sie darin bestärkt hat, einen Beruf in den Naturwissenschaften ins Auge zu fassen.

Die Schüler-Ingenieur-Akademie (SIA) wurde vom  Arbeitgeberverband Südwestmetall  initiiert. Dabei wirken Schulen, Hochschulen, Vereine und Firmen zusammen, um den Schülern einen Einblick in technische Berufsfelder zu ermöglichen.

Für die Teilnahme an der Schüler-Ingenieur-Akademie im Rahmen eines technischen Seminarkurses bekommen die Schüler der Oberstufe eine Note, die für das Abitur zählt. Landesweit gibt es etwa 50 Schüler-Ingenieur-Akademien, das Hartmanni-Gymnasium in Eppingen bietet seinen Schülern schon seit sieben Jahren diese Möglichkeit an.

 

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