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Urteil verkündet

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Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe in Höhe von 7800 Euro gefordert. Der Verteidiger warf der Polizei schwere Ermittlungspannen vor und plädierte auf Freispruch.

Ein Scherz mit Folgen

Die Staatsanwaltschaft hatte den 33-Jährigen als jenen Maskierten ausgemacht, der beim Eppinger Nachtumzug im Februar eine 18-jährige Besucherin im Scherz über einen Kessel mit heißem Wasser gehalten haben soll. Die Frau glitt mit den Beinen in den Bottich, verletzte sich schwer und musste wochenlang im Krankenhaus behandelt werden. Laut ihrem Anwalt kann die Frau, die vor Gericht als Nebenklägerin auftritt, ihren angestrebten Beruf als Bademeisterin wegen der Verletzungsfolgen nicht ausüben.

Obwohl mehrere Dutzend Zeugen vernommen wurden, konnte niemand eine der mutmaßlich beteiligten Personen identifizieren, die bei der Faschingsparade Hexenmasken getragen hatten. Mitglieder einer Hexengruppe aus Kraichtal (Landkreis Karlsruhe) hatten den Kessel durch die Stadt gezogen, zu ihnen gehörte auch der Angeklagte. Alle gaben sie während der ersten Prozesstage Anfang Dezember an, von dem Unfall nichts mitbekommen zu haben.

"Polizeiliches Versagen"

"Das war eine ausgelassene Situation, die völlig nach hinten losging“, so die Staatsanwältin in ihrem Schlussvortrag. Sie stützt sich insbesondere auf die Aussage dreier Zeuginnen aus dem Umfeld des Opfers, darunter ein heute zwölfjähriges Kind. Sie haben alle ausgesagt, einen als Hexe maskierten Mann mit einem Pelzmantel und Handschuhen erkannt zu haben. So soll der Angeklagte gekleidet gewesen sein.

"Es sitzt der Falsche auf der Anklagebank“, sagte der Anwalt des Angeklagten in seinem mehr als einstündigen Plädoyer, in dem er sich jeder einzelnen Zeugenaussage ausführlich widmete. "Beweise gibt es keinen einzigen“, schloss der Verteidiger, der seinerseits der Polizei "Versagen“ vorwarf und der Staatsanwaltschaft "Behördenwillkür“.

So habe man den Zeugen bei der Polizei nur Bilder seines Mandanten vorgelegt. Das sei "Suggestion par excellence“. Bei dem Umzug, so die Linie der Verteidigung, habe ein Chaos geherrscht, mehr als 900 Teilnehmer seien als Hexen verkleidet gewesen. Der Anwalt hatte schon früher im Prozess angedeutet, die Verantwortlichen könnten auch aus dem Umfeld der verletzten Frau kommen.

 

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