Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Alles andere als müde

zurück zur Übersicht

Es ist wohl eine der am meist gestellten Fragen in der Geschichte des Rock and Roll: Ist das wohl die letzte Tour der Rolling Stones? Jahr für Jahr tourt die englische Rockband rund um den Erdball. Nur schwer zu glauben, dass damit irgendwann mal Schluss sein soll. Vor allem, wenn die zeitlos erscheinenden Rockstars Mick Jagger, Keith Richards, Ron Wood und Charlie Watts noch mit solch einer Energie auf der Bühne stehen. Am Samstag machten die Stones, 56 Jahre nach ihrer Gründung, auf ihrer "No-Filter“-Tour Halt in der ausverkauften Mercedes-Benz Arena in Stuttgart. Gemeinsam mit 43.000 Fans feierte die Band ihre größten Hits. 

Meister der Kehrwoche 

Viele der Songs haben mehr als 50 Jahre auf dem Buckel – anzumerken ist es ihnen nicht. "Street Fighting Man“, "It’s only Rock n’ Roll“ und "Tumbling Dice“ klingen knackig frisch und sind ein guter Einstieg ins Konzert. Bob Dylans "Like a rolling stone“ wird locker in den Stone’schen Musikkosmos integriert, "Midnight Rambler“ flirtet heftig rumpelnd mit dem Blues, bei "Sympathy for the devil“ ist die Bühne in höllenrotes Licht getaucht. Zwei Mal wagt sich auch Gitarrist Keith Richards bei "You got the silver“ und "Before they make me run“ ans Mikrofon.

Die Musiker haben spürbar Lust, die knapp 20 Song starke Setlist ist ein Querschnitt der Bandgeschichte. Sänger Mick Jagger witzelt, dass er schon drei Mal in der Stuttgarter Arena gespielt habe – immer habe sie einen anderen Namen getragen. Gitarrist Ron Wood wird vom Frontmann bei der Bandvorstellung kurzerhand zum "Meister der Kehrwoche“ gekürt, Schlagzeuger Charlie Watts kommt laut Jagger "direkt aus dem Mercedes-Benz Museum“. Und auch über Stuttgart 21 hat er ein Späßchen parat: "Ich wäre gern Bauunternehmer“, sagt er mit einem schelmischen Grinsen. 

Song für Stuttgart

Jagger, mittlerweile stolze 74 Jahre alt, fegt während des gesamten Konzerts in typischer, wild gestiku-lierender Art vom einem Ende der Bühne zum anderen. Einen kleineren Bewegungsradius haben die Gitarristen Keith Richards und Ron Wood. Charlie Watts hält mit stoischem Gesichtsausdruck und eben solchem Schlagzeugspiel den Sound der Band zusammen. Die Mercedes-Benz Arena ist im Innenbereich zur Hälfte bestuhlt, sitzen wird dort während des ganzen Konzerts aber niemand. Die Menschen tanzen zwischen den Sitzreihen, lautstark und textsicher sind die Fans sowieso.

Stuttgart bekommt von den Stones sogar einen eigenen Song – im Vorlauf konnte das Publikum ab-stimmen. Auf der aktuellen Tour lassen die Britrocker in jeder Stadt einen Titel wählen, den sie extra, also außerhalb der normalen Setlist, spielen. Stuttgart entscheidet sich für "Let’s spend the night together“ aus dem Jahr 1967.

Zeichen

Am Ende eines überzeugenden Konzerts bleibt nur ein Wermutstropfen: Die Band verlässt nach den beiden Zugaben "Gimme Shelter“ und ihrem Überhit "(I Can’t Get No) Satisfaction“ schon nach knapp zwei Stunden die Bühne. Bei Kartenpreisen von bis zu 799 Euro ist das für einige Fans nur schwer nachvollziehbar. 

Die große Frage vieler Fans, ob das nun das letzte Mal war, das man die Rolling Stones auf deutschen Bühnen erlebt hat, bleibt auch nach dem Konzert in Stuttgart unbeantwortet. Ein kleines Zeichen der Hoffnung gibt es für die treuen Anhänger dann aber doch noch. Auf der Videoleinwand ist nach dem Konzert in großen Lettern zu lesen: Bis bald.

 

Galerien

Regionale Events