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Einen Monat ohne Plastik

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Weltweit werden jährlich 200 bis 250 Millionen Tonnen Plastik hergestellt. Ein Viertel davon wird in Europa verbraucht. Mit 12,6 Millionen Tonnen verbraucht dort kein anderes Land so viel Plastik wie Deutschland – Tendenz steigend. Diese Plastikmassen tragen nicht nur zur Verschwendung von Rohstoffen bei, sondern belasten auch das Klima. Obwohl über die negativen Folgen von Plastik informiert wird, beziehen die wenigsten diese Informationen in ihre Kaufentscheidung mit ein.

Warum ich diese erschreckenden Zahlen hier aufführe? Weil es so nicht weitergehen kann. Es muss sich etwas ändern. Wir müssen etwas ändern. Einen Monat lang versuchte Ronja, auf unnötige Verpackungen zu verzichten Unmöglich? Um selbst dieser Aufforderung nachzukommen, beschloss ich, für einen Monat komplett auf Plastik zu verzichten.

Unmöglich?

Unmöglich, schoss mir durch den Kopf. Alleine der Blick in den Kühlschrank ließ mich zweifeln, ob mir das gelingen kann. Aber gerade, weil mir diese Mission fast unmöglich erschien, reizte es mich umso mehr, es selbst zu testen. An dieser Stelle muss ich allerdings anmerken, dass ich schon einmal zur Fastenzeit weitestgehend auf Plastik verzichtet habe und es für mich somit kein totales Neuland war. Außerdem unterstützen mich meine Eltern, was mir die ganze Sache um einiges leichter machte. An den ersten  Junitagen war es für mich unmöglich, meine Aufgabe vollständig zu erfüllen.

Ich verbrachte meinen Urlaub in Spanien bei einer einheimischen Familie und habe mich nicht getraut, meine Gastfamilie zum Plastikfasten aufzufordern. Ich war schon dankbar, dass sie meine vegetarische Ernährung akzeptierte. Auch die ersten Tage zu Hause verliefen etwas holprig: Zuerst mussten die verpackten Lebensmittel aufgebraucht werden. Nach der Eingewöhnungsphase ging es jedoch bergauf, und ich kam von Tag zu Tag besser mit dem Plastikverzicht zurecht. Die Tatsache, dass es Obst und Gemüse verpackungsfrei zu kaufen gibt und gerade viele verschiedene Beeren Saison haben, war für mich der Hauptgrund für einen relativ stressfreien Monat. In erster Linie half die Monatsmission mir, mit dem Entzug von Schokolade auszukommen.

Vergessen

Das bedeutet nicht, dass es unmöglich ist, in anderen Monaten auf Plastik zu verzichten. Aber gerade in kleineren Städten wie Heilbronn, wo es keine Unverpackt-Läden gibt, und man zudem versucht, das saisonale Gemüse und Obst zu essen, kann es schwierig werden. Es gab Situationen, in denen es mir nicht möglich war, meine Mission durchzuziehen. Wenn ich beispielsweise zum Essen eingeladen war, erschien es mir einerseits unhöflich und andererseits hatte ich einfach zu viel Hunger, um das „Plastikessen“ zurückzuweisen.

Es kam auch vor, dass ich schlichtweg vergaß, Plastik zu fasten und mir erst an der Kasse auffiel, dass ich die Hälfte meiner Einkäufe zurückbringen müsste. Was ich dann auch zähneknirschend tat. Besonders schwer fiel es mir, wenn mich mal wieder der Heißhunger auf Süßigkeiten packte oder mir jemand seine duftende Chipstüte unter die Nase hielt. Ich musste dankend ablehnen, obwohl ich eigentlich am liebsten zugegriffen hätte.

Großes Interesse bei anderen 

Nach Bedarf konnte ich mir geduldig ein süßes Gericht zubereiten. Wie es in diesem Monat auch kommen musste, wurde ich einige Male zum Grillen eingeladen. Da das meiste Grillgut in Plastik verpackt ist, erforderte es jedes Mal aufs Neue gute Recherche, Planung und viel Zeit für die Zubereitung. Bei wenig Zeit begnügte ich mich mit etwas Salat und Brot. Wenn ich mehr Zeit zur Verfügung hatte, panierte ich beispielsweise Camembert vom Markt.

Positiv

Der Monat neigt sich dem Ende zu, und trotz so mancher Panne bin ich froh, es ausprobiert zu haben. Erst durch den Verzicht wird einem richtig bewusst, wie allgegenwärtig Plastik ist. Ich bin in größeren Supermärkten auf der Suche nach plastikfreien Produkten fast verrückt geworden. Mein kleines Experiment hatte auch positive Auswirkungen auf meine Gesundheit. Ich habe mich durch selbst zubereitete Speisen gesünder ernährt und war so ausgeglichener. Viele Leute waren sehr an meinem Experiment interessiert, was meine Hoffnung bestärkt, dass sie vielleicht in Zukunft mehr darauf achten.

Ronjas Tipps für weniger Plastik im Alltag

1. Jutebeutel statt Plastiktüte: Ob an der Kasse im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt. In mitgebrachte Jutebeutel oder in einem Rucksack lassen sich die Einkäufe gut verstauen. Meiner Erfahrung nach muss
man nur ein bisschen bestimmter sein, wenn der Verkäufer oder die Verkäuferin einem die Tüte trotz höflichen Ablehnens mitgeben will.

2. Unverpackt-Läden: Wenn man in einer Großstadt wohnt, bietet es sich auch an, in Unverpackt-Läden einzukaufen. Hier bringt man einfach eigene Behälter mit, wiegt diese und befüllt sie nach Bedarf mit Lebensmitteln und anderen Dingen. Neben Obst, Gemüse und Nudeln werden in solchen Läden nämlich auch Trockenfrüchte, Schokolade und Hygieneartikel angeboten.

3. Mehrweg- statt Pappbecher: Eine weitere Möglichkeit ist der Verzicht auf die Coffee-to-go-Becher. Das bedeutet nicht, dass du auf deinen morgendlichen Kaffee auf dem Weg zur Arbeit verzichten musst. Bringe deinen eigenen Thermobecher mit und lasse ihn auffüllen. Teilweise verschafft das dir in Bäckereien oder Cafés sogar einen zusätzlichen Preisrabatt. 4. Haarseife statt Shampoo: Haarseifen gibt es verpackungsfrei zu kaufen. Sie haben den Vorteil, dass sie eine längere Verbrauchszeit haben und nur aus natürlichen Rohstoffen bestehen.

Mein Fazit nach 30 Tagen ohne Plastik: Um seinen Verbrauch zu minimieren, ist die Planung das A und O. Unvorbereitet kommt man meistens nicht am Plastik vorbei.

 

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