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Neue Welten für Heilbronn

Übersicht

Über den Künstlereingang im Tieffoyer geht es ins Herzstück der neuen Experimenta: Noch ist der Science Dome, die einzigartige Kombination aus Theater und Planetarium mit der 3-D-Kuppel und der drehbaren Zuschauertribüne, wie das ganze Haus eine Baustelle. Bei einem Rundgang durch das neue Gebäude geben die Experimenta-Macher der Stimme schon einmal einige besondere Einblicke in die neuen Welten, die ab März 2019 ihre Türen öffnen. 

Technik der Zukunft

Als der Blick auf den rund acht Meter hohen Bühnenraum im Science Dome frei wird, wird in luftiger Höhe spezielle Bühnentechnik sichtbar. Ein schwarzer Balken mit Düsen kann einen Wasservorhang erzeugen, der mit Lasereinsatz "außergewöhnliche Reflexionseffekte ergibt“, erklärt Experimenta-Sprecherin Bärbel Renner. Nebenan werkeln Arbeiter an der 152 Zuschauer fassenden Besuchertribüne, die von der großen Kuppel überwölbt wird. Virtuell in 3-D sollen Gäste hier durch den Weltraum oder den menschlichen Körper reisen oder auch mal über spezielle Spulen ausgelöste Blitzeffekte mit Musik erleben.

Gigantische Architektur

Die Technik ist ausgeklügelt. Wie eine große Stoffbahn sieht die 3-D-Kuppel mit dem Durchmesser von 20,5 Meter auf den ersten Blick aus. Es sind jedoch Aluminiumplatten mit kleinen Löchern, 650 Stück, die eine 700 Quadratmeter große Projektionsfläche für die besonderen Bilder ergeben. 

Die österreichische Firma Kraftwerk hat sich auf solche Kuppelbauten spezialisiert. Im Technikraum nebenan sind zig Kabelstränge schon verlegt, sogenannte "Racks“-Boxen für Audio und Video aufgebaut, an denen rote, grüne und blaue Lichter blinken. In der Art sei es der größte Raum, den man bisher eingerichtet habe, erzählt ein Firmenmitarbeiter.

Die neue Experimenta wird gigantisch, das kann man jetzt schon sagen. Es soll nicht nur mit 25.000 Quadratmetern Fläche das größte Science Center in Deutschland werden. Besucher sollen nach einem besonderen architektonischen System in einer Raumspirale durch die Themenwelten geführt werden – passend zur Fassade mit verschiedenfarbigen Glasflächen, die das Gebäude charakterisieren. Clou der Architektur sind nicht nur versetzt angeordnete Stockwerke mit wechselndem Farbspiel von Schwarz über Grau nach Weiß. Das Spezialglas der Fassade hat besondere Effekte, so dass man tagsüber von innen in die Landschaft blicken und nachts, wenn innen Licht an ist, von außen reinsehen kann. Die Aussicht über Heilbronn von der Dachterrasse wird ein Highlight: Auf 31,50 Meter Höhe bewegt sich der Besucher dort oben. 

Das Tieffoyer mit Raum für Sonderausstellungen, das Erdgeschoss mit Kasse, Shop und Restaurant, vier Ausstellungsstockwerke und die Dachterrasse mit Sternwarte und Experimentaltheater bilden das Gerüst des neuen Hauses. Wer durch die Etagen läuft, sieht noch überall Kabel, rund 170 Kilometer Länge werden alle Stromkabel zusammen ergeben.

Schwebende Studios

Die Rolltreppen, die vom Tieffoyer in die vierte Etage führen, sind in der Baustellenzeit durch große Planen geschützt. Im ersten Obergeschoss verweist Ausstellungsleiter Christian Sichau auf die Lamellendecke und schwebende Kreativstudios. In jeder Etage gibt es ein komplett verglastes Studio für Medien-, Musik-, Filmproduktion oder Autokonstruktion, die im offenen Kern des Gebäudes zu schweben scheinen. Außenrum verteilen sich Ausstellungswelten zu Themen wie Stoffwechsel, Kopfsache, Weitblick und das Forscherland für kleine Besucher. 

Die neue Experimenta wird weitaus mehr als eine vielfältige Wissensschmiede und Tüftelzone für die junge Generation. Man habe als Zielgruppe Menschen "von 4 bis 99“, sagt Bärbel Renner. Ziel sei eine erklärende Wissenschaft auch für Erwachsene, um sich "mit Zukunftsfragen zu beschäftigen“ und die komplexe Welt "mit allen Sinnen“ zu erfahren.

Auto-Crash in Zeitlupe

275 interaktive Exponate sollen zum Erforschen und Mitmachen einladen. Dazu werden unter anderem Wettersimulation, das Verfolgen eines Autocrashs in Zeitlupe oder ein Gleitschirmerlebnis gehören. Sichtbar sind schon ein paar fensterlose Häuschen, mit Wetterhahn und Discokugel auf dem Dach und Scheinwerfern an der Wand. Das Thema Licht soll hier veranschaulicht werden, eine Wärmebildkamera zum Einsatz kommen. Ein paar Meter weiter fallen mit Folien umhüllte Platten an der Decke auf, die wie Bildschirme mit bunten Bildern aussehen. Auf einem ist schemenhaft eine Galaxie zu erkennen. "Vom Kosmos bis zum Atom“ umschreibt Christian Sichau die Idee dahinter. 

In der dritten Etage wird der fantastische Ausblick sichtbar, wo Arbeiter schon mit den kleinen Klötzchen des speziell geschnittenen Hirnholz-Eichenparketts begonnen haben. Hier werden auch Computer aufgebaut, an denen Besucher sich zum Beispiel einen Gang durch die Experimenta-Welten zusammenstellen können. Im Sommer ist die heiße Phase für die Einbauten in den Ausstellungsflächen, bis Oktober "soll alles an seinem Platz stehen“, blickt Sichau voraus. Auch die Sternwarte mit den leistungsstarken Teleskopen soll im Sommer im neuen Haus einziehen.

Noch liegt im Innern viel Arbeit vor dem Experimenta-Team und den Baufirmen. Am Ende soll "der spektakuläre Neubau Instrument, Bühne und Skulptur zugleich“ sein, verspricht Architekt Prof. Matthias Sauerbruch. Er soll "Freude am Experiment, Wissenslust und Innovation“ vermitteln.
Für die Stadt Heilbronn könnte der Start der neuen Experimenta ebenfalls zu einem Aufbruch in eine neue Welt werden.

 

 

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