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Ein Weltmeister im Kampf vor dem Kampf

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Aufs Kreuz legen geht natürlich gar nicht für einen Ringer-Weltmeister. Obwohl Frank Stäbler turbulente Drehungen von der Ringermatte her gewöhnt ist. Entsprechend cool ging der 28-jährige Star der Red Devils Heilbronn die Herausforderung des Extrem-Interviews in der Katapult-Achterbahn von Tripsdrill an. 

Glücklicher Zufall

Wer die abgelaufene Bundesligasaison ungeschlagen überstanden hat, den wirft so schnell nichts aus der Bahn. Dabei kam Stäbler eher zufällig zum Ringen, wie er kurz vor dem Start verrät. "Es war ein glücklicher Zufall. Ich war vier Jahre alt, meine Mutter wollte mich zum Mutter-Kind-Turnen in eine Halle mitnehmen. Doch der Kurs war überbelegt. Eine Etage darüber war ein Ringer-Kindergarten, da ging ich dann hin, und so hat alles angefangen“, sagt Stäbler, der aus Musberg, einem Ortsteil von Leinfelden-Echterdingen, stammt.

Meisterschaften

Gong zur ersten Runde in Tripsdrill. Der Ringer plaudert locker über seine größten Erfolge. Europameister 2012 und Weltmeister 2015 im griechisch-römischen Stil im Leichtgewicht bis 66 Kilo, und 2017 Weltmeister in der Gewichtsklasse bis 71 Kilo. "Jedes Mal, wenn man zurückblickt, kommt sofort das Gänsehautgefühl auf. Das ist einfach gigantisch, wie jetzt hier.“ Was folgt, sind Glücksreaktionen der lauteren Art, die Stäbler bei den ersten Loopings von sich gibt.

Dazwischen bleibt Zeit für den Blick nach vorn. An diesem Wochenende sind die deutschen Meisterschaften, im Oktober dann die Weltmeisterschaft in Ungarn. "Ich steck’ mitten drin in den Vorbereitungen, und ich zähle auch diese Fahrt zur Vorbereitung.“ Eine besondere Vorbereitung. Drehungen im Looping, nicht auf der Matte. "Da habe ich das normalerweise besser im Griff und weiß in welche Richtung es geht“, sagt Stäbler, dessen Spezialgriffe der Vorbeireißer und Ausheber am Boden sind. Turbulenzen ist er also gewohnt. "Ja, das kann man so sagen, aber in solch einer Geschwindigkeit eher selten.“

Vertrag

Überraschend für viele war sein Wechsel nach Neckargartach. "Der Aufstieg in die Bundesliga kam für die Red Devils ja quasi aus dem Nichts. Dann hat man um mich geworben und den Kampf auch gewonnen, weil einfach das komplette Umfeld gepasst hat für mich. So habe ich den mutigen Schritt von einer Meistermannschaft zu einem Aufsteiger gewählt.“ Keine Sekunde habe er das bereut – und seinen Vertrag verlängert. Tolle Stimmung in der Römerhalle, tolle Saison auf der Matte. Und jetzt? "Meine Träume sind immer ganz groß. Halbfinale mit den Red Devils ist das Ziel. Aus meiner Sicht ist auch der Finaleinzug möglich.“ 

Der Blick nach vorn. Auch beim Gong zur zweiten Runde in Tripsdrill. Die wichtigste Frage für körperbewusste Menschen: Wie schafft man es, punktgenau zu- oder abzunehmen? Das Abkochen der Ringer – für viele, die mit den Pfunden kämpfen, ein Buch mit sieben Siegeln. "Das geht mit äußerster Disziplin. Mein Coach hat immer gesagt, das ist der beste Weg, Disziplin zu lernen. Neun Kilo in acht Tagen abnehmen, das ist immer der große Kampf vor dem Kampf“, sagt Stäbler. "Das geht ab von 0 auf 100 in 1,4 Sekunden – wie hier.“ Keine Butter, keine Milch, fast nichts essen, reichlich schwitzen. Power-Abnehmen und dennoch kraftvoll auf der Matte kämpfen. "Es ist entscheidend, wer seine Ressourcen nach dem Abnehmen am besten einteilen kann“, weiß Frank Stäbler

Training im Kuhstall

Jetzt steht erst einmal regenerieren vor der dritten Runde in der Achterbahn an. Zeit über den derzeit größten Aufreger in der deutschen Sportszene zu sprechen: den Rauswurf aus seiner Trainingshalle in Musberg. Jetzt muss die größte Olympia-Goldhoffnung im Kuhstall trainieren. "Es gab jahrelange Streitigkeiten mit dem Vorstand beim TSV Musberg, von dem ich abstamme. Mir ist nichts anderes übriggeblieben bei den großen Zielen, die ich habe. Ich möchte wieder Weltmeister werden und 2020 eine Olympiamedaille gewinnen, deswegen musste ich schnell handeln. Meine Eltern haben einen landwirtschaftlichen Betrieb, da konnte ich im alten Kuhstall eine Ringermatte reinlegen.“ Einerseits sei das ganz cool. "Aber wenn man die Umstände betrachtet, ist es einfach nur ganz traurig“, so Stäbler.

Aber Training muss eben sein. Zehn Einheiten pro Woche, eine Einheit zwischen zwei und zweieinhalb Stunden. Fit ist er auch für Runde drei. "Hände hoch Raketenstart, ist das geil....“, ruft Stäbler. Und erzählt beiläufig, wie er den Kampf um noch mehr Aufmerksamkeit für eine Sportart gewinnen möchte, die eigentlich immer nur alle vier Jahre im Fokus der Öffentlichkeit steht. "Ich habe immer gesagt, ich muss so gut werden, dass ich das ändern kann. Wir haben dafür auch den Startschuss gesetzt, aber es bleibt eine große Herausforderung.“ Erfolg ist dabei kein Glück, sondern das Ergebnis von Blut, Schweiß und Tränen. So lautet seine Lebensphilosophie. "Wenn man Ideale, Leidenschaft und Disziplin in sich hat, kann man viel mehr erreichen als nur mit purem Talent“, sagt Stäbler, der sich selbst nach neun Loopings nicht aufs Kreuz legen lässt.

 

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