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Zwischen Gimmicks und Berufsorientierung

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Den WM-Pokal, den Jogis Jungs in Russland so leichtfertig aus der Hand gegeben haben, gibt es im Heilbronner Veranstaltungszentrum Redblue. Zwar nur als Kunststoffminiatur aus dem 3D-Drucker, aber durchaus formecht. Am Stand von Audi kann man bei der Bildungsmesse beobachten, wie eine CAD-Programmierung und der anschließende 3D-Druck funktionieren. Und natürlich das knallrote R8 Cabrio aus Heilbronner Produktion bewundern. 

Spagat

Die Bildungsmesse der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Handwerkskammer Heilbronn-Franken versucht auch in diesem Jahr den schwierigen Spagat zwischen netten Gimmicks und fundierter Berufsorientierung. Die rund 190 Aussteller in den Messehallen wissen, dass sie den Tausenden Schülern an den drei Messetagen mehr bieten müssen als Infobroschüren und Visitenkarten. 

Viele Firmen haben Tischkicker mitgebracht, andere versuchen, mit Eis, Gummibärchen oder kostenlosen Getränken die jungen Leute an den Stand zu locken. Und die Veranstalter sorgen gemeinsam mit den Lehrern durch das Berufsorientierungsspiel Bomsus dafür, dass die Schüler nicht völlig planlos durch die Hallen laufen.

Potenzieller Nachwuchs

Das Angebot an dualen Ausbildungsberufen ist gewaltig, die Aussteller legen sich mächtig ins Zeug, um den potenziellen Nachwuchs neugierig zu machen. Das funktioniert am besten auf Augenhöhe, weshalb die meisten Messestände selbst von Lehrlingen gemanagt werden. Die Azubis des Autozulieferers Läpple etwa haben einen elektronischen Berufefinder entwickelt, mit dessen Hilfe die Schüler herausfinden können, welche Ausbildung für sie in Frage kommt. Am Messestand gibt es außerdem Karosserieteile zu sehen, ein sich drehender Rundtisch von Fibro dient als Couchtisch, und als Giveaway gibt es Flaschenöffner aus der Lehrwerkstatt. Der persönliche Kontakt auf der Messe ist uns sehr wichtig“, sagt Personalreferent Benjamin Wacker. Der Auftritt lohne sich, wie spätere Bewerbungen zeigten.

"Für uns ist die Bildungsmesse das wichtigste Instrument zur Lehrlingsgewinnung“, sagt Marius Weitzel, Ausbilder bei Baier & Schneider. Rund 15 junge Menschen bildet die Heilbronner Traditonsfirma pro Jahr aus, "der bekannte Namen Brunnen hilft uns, die Bewerber zu bekommen“, so Weitzel. Das ist keine Selbstverständlichkeit mehr, wie ein Messerundgang zeigt. "Es wird überall dünn“, sagt Hans-Peter Schmidt, Geschäftsführer operativ der Arbeitsagentur Heilbronn, die einen Gemeinschaftsstand mit der Experimenta hat. Bei der Lebenswerkstatt sucht man händeringend junge Leute, die ein Freiwilliges Soziales Jahr oder Bundesfreiwilligendienst absolvieren möchten. "Wir könnten 40 bis 50 Freiwillige gebrauchen“, sagt Sabrina Seitz.

Handwerk live 

Wer keinen bekannten Namen hat wie Audi, Lidl oder Würth, muss mehr Aufwand betreiben, berichtet Stefan Börsig, Geschäftsführer des gleichnamigen Neckarsulmer Unternehmens. Der Kabelkonfektionär sucht Auszubildende für Lagerlogistik, aber auch ein duales Studium für internationalen technischen Handel kann man bei Börsig absolvieren. "Wir müssen unsere Vorteile gegenüber den Großen deutlich machen“, sagt Börsig.

Das gilt auch für das Handwerk, das große Nachwuchssorgen plagt. In den Werkstätten im nahegelegenen Bildungs- und Technologiezentrum (BTZ) wird den Schülern live vermittelt, wie modern die Arbeit in den Bereichen Holz, Metall, Elektro und Autos mittlerweile ist. BTZ-Leiter Johannes Richter ist davon überzeugt, dass die Digitalisierung die Handwerksberufe stark verändern und ihre Attraktivität steigern wird. Auch das klassische Handwerk ist im BTZ vertreten: Wer Friseurin, Fliesenleger oder Bauhandwerker werden will, ist hier genau richtig. 

 

 

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